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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Druck auf Techmärkte

KI-Zweifel drücken Techmärkte trotz starker Chipzahlen

Techaktien bleiben nach den US-Zwischenwahlen unter Druck. Anleger zweifeln an der KI-Rally, während Apple vor höheren Kosten warnt und AMD stark wächst.

Presseonline-Redaktion · · 4 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Märkte reagieren nervös auf hohe KI-Investitionen und steigende Kosten im Technologiesektor.
Symbolbild: Die Märkte reagieren nervös auf hohe KI-Investitionen und steigende Kosten im Technologiesektor. KI-generiert

Der Druck auf Technologiewerte hält an: Nach deutlichen Verlusten bei Halbleiter- und KI-Aktien schwanken die Märkte zwischen starken Geschäftszahlen einzelner Chipkonzerne und wachsenden Zweifeln an der Rentabilität des KI-Booms. In Asien rutschten wichtige Indizes am Mittwoch zeitweise kräftig ab, während US-Futures nachgaben. Belastend wirken hohe Investitionen in Rechenzentren, steigende Komponentenkosten und die Unsicherheit nach den US-Zwischenwahlen.

Asien reagiert auf Wahl und KI-Sorgen

In Japan fiel der Nikkei im frühen Handel um bis zu 4,7 Prozent. Später verringerte sich das Minus auf unter zwei Prozent. Der südkoreanische Kospi verlor zunächst 3,8 Prozent, konnte die Einbußen im weiteren Verlauf aber wieder aufholen. Auch die Terminkontrakte auf die großen US-Indizes lagen zunächst im Minus.

Ein Grund für die heftige Bewegung in Tokio war der Feiertag am Dienstag. Dadurch holte der Markt die vorherigen Verluste bei Halbleiter- und KI-Titeln nach. Zwar startete die Börse wegen starker Quartalszahlen von AMD zunächst freundlicher. Danach überwog jedoch erneut die Skepsis gegenüber der Bewertung vieler KI-Werte.

Hinzu kamen die politischen Signale aus den USA. Nach Hochrechnungen konnten die Demokraten bei den Zwischenwahlen deutlich zulegen. Sie sollen künftig wieder das Repräsentantenhaus kontrollieren; auch eine Mehrheit im Senat gilt als wahrscheinlich. Als sich dieses Bild abzeichnete, gingen die Verluste bei US-Futures zurück.

Wall Street uneinheitlich

An der Wall Street zeigte sich am Dienstag ein gemischtes Bild. Der Dow-Jones-Index verlor 0,4 Prozent auf 51.787 Punkte. Der S&P 500 stieg dagegen um 0,4 Prozent auf 7.568 Punkte, der Nasdaq gewann 0,8 Prozent auf 25.372 Punkte.

Technologiewerte bewegten sich dabei nicht einheitlich. Apple gab um 1,9 Prozent nach. Der Konzern hatte auf steigende Kosten für Speicherchips verwiesen, die im Weihnachtsquartal die Bruttomarge belasten dürften. Dagegen erholten sich mehrere KI- und Chipwerte nach ihren jüngsten Verlusten. Nvidia legte um 2,3 Prozent zu, Microsoft und Amazon stiegen jeweils um mehr als zwei Prozent.

Jay Hatfield von Infrastructure Capital Management sprach von einer Verlagerung innerhalb des Technologiesektors. Anleger wechselten aus defensiveren Technologiewerten wie Apple in riskantere Titel aus dem Chipbereich, sagte er sinngemäß.

Trotz der Erholung bleibt der Markt nervös. Der Nasdaq 100 hatte am Montag mehr als zehn Prozent unter seinem Rekordstand von Anfang Oktober geschlossen. Damit befand sich der Index in einer technischen Korrektur. Hintergrund sind Sorgen, dass die hohen Ausgaben großer Konzerne für KI-Infrastruktur die Gewinne kurzfristig stärker belasten könnten als bislang angenommen.

AMD wächst mit Rechenzentren

Gleichzeitig zeigen die Zahlen von AMD, wie stark die Nachfrage nach KI- und Servertechnik weiter ist. Im dritten Quartal erzielte der Chiphersteller einen Umsatz von 13,38 Milliarden US-Dollar. Das waren 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und mehr als die eigene Prognose von 13 Milliarden Dollar. Auch die Erwartungen von Marktbeobachtern von 13,09 Milliarden Dollar wurden übertroffen.

Der Betriebsgewinn stieg um 123 Prozent auf 2,83 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn legte um 95 Prozent auf 2,43 Milliarden Dollar zu. Die operative Marge erhöhte sich von 14 auf 21 Prozent. Treiber waren vor allem Serverprozessoren und KI-Beschleuniger. Der Anteil der Rechenzentrumssparte am Konzernumsatz stieg von 47 Prozent im Vorjahr auf 64 Prozent.

Schwächer entwickelte sich dagegen das Geschäft mit Client- und Gaming-Produkten. Der Umsatz in diesem Bereich sank um acht Prozent. Besonders stark fiel der Rückgang bei Gaming-Produkten aus, wo die Erlöse um 40 Prozent nachgaben. Höhere Verkäufe von Ryzen-Mobilprozessoren konnten das nur teilweise abfedern.

AMD-Chefin Lisa Su betonte im Gespräch mit Analysten, das Unternehmen habe in der Lieferkette wichtige Komponenten abgesichert, darunter Wafer, Substrate, moderne Gehäusetechnik und Speicherbausteine. Finanzchefin Jean Hu verwies beim Ausblick auf eine weiter hohe Nachfrage im Rechenzentrumsgeschäft. Für das laufende Quartal erwartet AMD rund 17 Milliarden Dollar Umsatz. Die Aktie legte nachbörslich zeitweise fast acht Prozent zu, später lag das Plus bei knapp fünf Prozent.

Zwischen Boom und Bewertungsrisiko

Die Entwicklung zeigt die Spannbreite des KI-Marktes. Einerseits wachsen Anbieter von Rechenzentrumstechnik stark, weil Unternehmen weiter in KI-Modelle, Inferenz und neue Anwendungen investieren. Andererseits steigen die Kosten für Chips, Speicher und Infrastruktur, während Investoren genauer auf Margen und kurzfristige Erträge achten.

Die Einschätzungen am Markt gehen auseinander. Einige Investoren warnen vor einer überhitzten Spekulation bei KI-Aktien. Andere verweisen auf die weiterhin robuste Nachfrage nach Infrastruktur für Künstliche Intelligenz und sehen den jüngsten Ausverkauf eher als Korrektur innerhalb eines langfristigen Wachstumstrends. Für die Techmärkte bleibt damit entscheidend, ob die hohen KI-Ausgaben bald in belastbare Gewinne münden.