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Wirtschaft · Energiepreise

SPD will Industrie bei Strompreisen anders entlasten

Im Streit über eine Senkung der Stromsteuer fordert die SPD, bestehende Hilfen für stromintensive Unternehmen abzusichern.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Industrieanlagen und Stromleitungen stehen für die Debatte über Entlastungen bei Energiepreisen.
Symbolbild: Industrieanlagen und Stromleitungen stehen für die Debatte über Entlastungen bei Energiepreisen. KI-generiert

Im Streit über eine mögliche Senkung der Stromsteuer rückt die SPD eine andere Entlastung für die Industrie in den Vordergrund. Sebastian Roloff, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, fordert, bereits bestehende Instrumente zur Senkung von Energiekosten für Unternehmen zu sichern und dauerhaft verlässlich auszugestalten. Im Zentrum steht dabei ein EU-Rahmen für staatliche Hilfen, der Deutschland mehr Spielraum bei der Unterstützung stromintensiver Betriebe gibt.

SPD setzt auf bestehende Hilfen

Roloff begründet den Vorstoß mit der Bedeutung der Energiepreise für den Industriestandort. „Niedrige Energiepreise für die Industrie sind aktuell der maßgebliche Standortfaktor“, sagte der SPD-Politiker. Bevor der Kanzler eine allgemeine Senkung der Stromsteuer ohne Gegenfinanzierung in Aussicht stelle, solle die Bundesregierung aus Roloffs Sicht die vorhandenen Entlastungen absichern und verstetigen.

Damit verschiebt die SPD den Fokus in der laufenden Debatte. Statt eine Stromsteuersenkung für alle Stromverbraucherinnen und Stromverbraucher in den Mittelpunkt zu stellen, soll gezielt die industrielle Basis entlastet werden. Besonders betroffen sind Unternehmen, deren Produktion stark von Stromkosten abhängt. Für sie können hohe Energiepreise unmittelbar über Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Produktionsentscheidungen entscheiden.

EU-Rahmen gibt mehr Spielraum

Konkret verweist Roloff auf den „Middle East Crisis Temporary State Aid Framework“, kurz METSAF. Die Europäische Union hatte diesen Rahmen im Frühjahr beschlossen. Er soll den Mitgliedstaaten mehr Möglichkeiten für staatliche Hilfen geben, um wirtschaftliche Belastungen abzufedern, die mit der Sperrung der Straße von Hormus und gestiegenen Preisen für Öl, Gas und Düngemittel zusammenhängen.

Für Deutschland ist diese Regelung vor allem deshalb wichtig, weil sie die Kombination zweier Instrumente ermöglicht. Unternehmen können dadurch vom neuen Industriestrompreis profitieren und zugleich die Strompreiskompensation nutzen. Diese Kompensation gleicht bei stromintensiven Betrieben Kosten aus, die im Zusammenhang mit CO2 entstehen.

Normalerweise sind solche parallelen Entlastungen auf EU-Ebene begrenzt. Eine Doppelförderung über beide Instrumente ist grundsätzlich nicht vorgesehen. Der temporäre Hilfsrahmen erlaubt derzeit jedoch eine Ausnahme. Aus Sicht der SPD soll die Bundesregierung diese Möglichkeit nicht nur kurzfristig nutzen, sondern die betroffenen Maßnahmen verlässlich absichern.

Streit über den richtigen Ansatz

Die Debatte berührt einen zentralen Konflikt der Energie- und Wirtschaftspolitik: Soll Strom für alle günstiger werden, etwa durch eine Senkung der Stromsteuer, oder sollen staatliche Entlastungen gezielt dort ansetzen, wo Energiepreise besonders stark auf Produktion und Standortentscheidungen wirken? Roloffs Vorschlag zielt klar auf den zweiten Weg.

Eine allgemeine Stromsteuersenkung hätte eine breite Wirkung, müsste aber finanziert werden. Roloff kritisiert vor allem die Aussicht auf eine Entlastung ohne Gegenfinanzierung. Sein Gegenmodell setzt auf bereits bestehende Instrumente, die sich an industrielle Verbraucher richten und an EU-rechtliche Vorgaben gebunden sind.

Bedeutung für die Industrie

Für stromintensive Unternehmen ist die Verbindung von Industriestrompreis und Strompreiskompensation ein zentraler Punkt. Sie kann helfen, Belastungen durch hohe Energie- und CO2-Kosten zu begrenzen. Gerade für Betriebe mit hohem Stromverbrauch sind solche Kosten ein wichtiger Faktor im internationalen Wettbewerb.

Der METSAF-Rahmen ist dabei nicht als dauerhaftes Standardinstrument angelegt, sondern als temporäre Reaktion auf eine besondere Krisenlage. Genau daraus ergibt sich der politische Handlungsdruck: Wenn die Ausnahmeregelung entscheidend für die Kombination der Hilfen ist, muss die Bundesregierung klären, wie lange die Entlastung trägt und wie sie in die weitere Energiepreispolitik eingebettet wird.