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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Tarifkonflikt

IG Metall setzt Warnstreiks in der Industrie fort

In der Metall- und Elektroindustrie dauern die Warnstreiks an. Die IG Metall meldet mehr als 400.000 Beteiligte und erhöht vor weiteren Tarifrunden den Druck.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein geschlossenes Werkstor steht für den Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie.
Symbolbild: Ein geschlossenes Werkstor steht für den Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie. KI-generiert

In der Metall- und Elektroindustrie gehen die Warnstreiks weiter. Die IG Metall beziffert die Beteiligung inzwischen auf mehr als 400.000 Beschäftigte und stellt eine Ausweitung des Arbeitskampfs in Aussicht, wenn die Arbeitgeberseite bei den nächsten Runden in Bayern und Nordrhein-Westfalen nicht nachlegt. Der Tarifstreit betrifft bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigte.

Arbeitsniederlegungen in vielen Betrieben

Seit dem Ende der Friedenspflicht Ende Oktober versucht die Gewerkschaft, mit befristeten Ausständen Druck auf die Verhandlungen aufzubauen. Seit Sonntag meldet die IG Metall täglich zahlreiche Beschäftigte, die ihre Arbeit zeitweise niederlegen. Bis Freitag waren nach Gewerkschaftsangaben Aktionen in mehr als 2.000 Betrieben vorgesehen.

Die IG Metall Baden-Württemberg erklärte, eine spürbare Bewegung in Richtung Einigung sei bislang nicht zu erkennen. Auch in anderen Tarifgebieten laufen die Gespräche ohne Durchbruch. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten der Branche fünf Prozent höhere Entgelte ab November bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Hinzu kommen Forderungen zur Sicherung von Beschäftigung. Für Unternehmen mit guten Erträgen verlangt die Gewerkschaft außerdem eine Beteiligung der Beschäftigten am Gewinn.

Die Arbeitgeberseite bietet bisher eine Einmalzahlung im kommenden Juli an. Sie soll ein Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoeinkommens betragen. Zusätzlich ist eine Erhöhung der Entgelte um 1,3 Prozent ab Juli 2028 vorgesehen. Die Gewerkschaft hält das Angebot für zu niedrig.

Keine Einigung in Berlin und Brandenburg

Auch in Berlin und Brandenburg ist die dritte Verhandlungsrunde ohne Abschluss geblieben. Das teilten beide Seiten mit. Dort geht es um rund 96.000 Beschäftigte. Die IG Metall legte nach eigenen Angaben ein Modell für Zukunfts- und Beschäftigungssicherung vor. Es sieht vor, tarifliche Regeln befristet zu entwickeln und Investitionen in neue Produkte mit verbindlichen Zusagen zu Standorten, Arbeitsplätzen und Ausbildung zu verbinden.

Jan Otto, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, warb für Investitionen und Innovationen in den regionalen Werken. „Verzicht ist keine Zukunftsstrategie“, erklärte er. Die Gewerkschaft verbindet die Lohnforderung in der Region ebenfalls mit dem Ziel, Jobs und Standorte abzusichern.

Der Verband der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg wies die Forderungen zurück und verlangte mehr Kompromissbereitschaft. Verhandlungsführer Henning Brandes begründete die zurückhaltende Haltung der Arbeitgeber mit der angespannten Lage vieler Betriebe. Höhere Arbeitskosten seien aus Sicht des Verbands in der aktuellen Situation nicht tragbar. Die Warnstreiks der vergangenen Tage bezeichnete er als unangemessen und rief dazu auf, weitere Arbeitskämpfe zu unterlassen.

Streit über Kosten und Sicherheit

Die Tarifrunde steht unter dem Eindruck einer schwachen Industriekonjunktur und hoher Kosten für Unternehmen in Deutschland. Die Arbeitgeber begründen ihr Angebot damit, dass viele Betriebe wirtschaftlich unter Druck stehen. Die IG Metall hält dagegen, dass Beschäftigte angesichts steigender Lebenshaltungskosten mehr Einkommen benötigen und die Zukunft der Standorte nicht allein über Zurückhaltung bei Löhnen gesichert werden könne.

Damit prallen in der laufenden Runde zwei zentrale Interessen aufeinander: Die Gewerkschaft will Reallöhne stabilisieren und Beschäftigung sichern, die Arbeitgeber wollen zusätzliche Belastungen begrenzen. Solange es in den großen Tarifgebieten keine Annäherung gibt, dürften die Warnstreiks ein zentrales Druckmittel der IG Metall bleiben.