Sport · Eishockey-WM 2027
IIHF sucht Linie im Streit um Russlands WM-Teilnahme
Die Teilnahme Russlands an internationalen Eishockey-Turnieren bleibt nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS offen. Der Weltverband IIHF lehnt die Entscheidung zwar weiter ab, will aber die vom Gericht verlangten Schritte für eine mögliche Rückkehr russischer Teams einleiten. Zugleich sucht die IIHF nach einem Weg, der die Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland nicht gefährdet. Der Deutsche Eishockey-Bund steht als Ausrichter unter erheblichem Druck, weil mehrere Nationen nicht gegen Russland spielen wollen und Sponsoren mit Konsequenzen drohen.
Weltverband prüft weiteres Vorgehen
Die IIHF hat nach mehrtägigen Beratungen angekündigt, verschiedene Handlungsoptionen zu prüfen. Dabei verweist der Verband auf die finanziellen Folgen, die Stabilität des internationalen Wettbewerbs und die Zukunft des Eishockeys. Gespräche sollen nun mit betroffenen nationalen Verbänden geführt werden. Dazu zählt auch der russische Verband.
Auslöser ist ein CAS-Urteil, das den Ausschluss Russlands von internationalen Wettbewerben beanstandet. Der Weltverband hatte russische Mannschaften seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht mehr zugelassen und dies vor allem mit Sicherheitsrisiken begründet. Die Sportrichter sahen diese Begründung jedoch als nicht ausreichend an. Nach ihrer Bewertung fehlte es an einer tragfähigen rechtlichen und formellen Grundlage.
Damit ist Russland nicht automatisch bei der WM 2027 in Deutschland dabei. Der Weltverband muss aber auf das Urteil reagieren und ein Verfahren für das weitere Vorgehen in Gang setzen. Möglich bleibt offenbar auch ein neuer Ausschluss, wenn die IIHF ihn rechtlich anders und genauer begründet. Genau an diesem Punkt wächst der Druck auf die Verbandsführung: Sie muss den CAS-Beschluss beachten, ohne den Wettbewerb politisch und wirtschaftlich zu destabilisieren.
Boykottankündigungen belasten Ausrichter
Für den Deutschen Eishockey-Bund ist die Lage besonders heikel. Deutschland soll 2027 die Männer-Weltmeisterschaft ausrichten. Sollte Russland zugelassen werden, haben mehrere Nationen angekündigt, nicht gegen russische Teams anzutreten. Unter ihnen ist Weltmeister Finnland. Eine solche Haltung würde den Spielplan und den sportlichen Wert des Turniers massiv infrage stellen.
Hinzu kommt der wirtschaftliche Druck. Mehrere Sponsoren drohen damit, Zahlungen an den Weltverband und an die WM-Organisatoren einzustellen, falls Russland tatsächlich antritt. Damit geht es nicht nur um die sportliche Integrität des Turniers, sondern auch um seine Finanzierung.
Der DEB erwägt deshalb sogar, die Ausrichtung wieder abzugeben. Eine endgültige Entscheidung dazu ist nicht bekannt. Klar ist aber: Eine WM mit breiten Boykotten wäre kaum regulär durchzuführen. Der Verband muss daher abwarten, wie die IIHF das CAS-Urteil umsetzt und ob sich ein belastbarer Kompromiss finden lässt.
Bundesregierung bietet Hilfe an
Auch die Bundesregierung ist inzwischen mit dem Thema befasst. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte, die Weltmeisterschaft in Deutschland solle stattfinden. Zugleich machte er deutlich, dass dies bei einer Zulassung Russlands und anschließenden Boykotten praktisch kaum möglich wäre. Die Bundesregierung hat der IIHF und dem DEB Unterstützung bei diplomatischen Gesprächen zugesagt.
Damit ist der Konflikt längst nicht mehr nur eine sportrechtliche Frage. Er betrifft internationale Beziehungen, Sicherheitsbewertungen, Verbandsautonomie und wirtschaftliche Interessen. Für die IIHF geht es darum, eine Entscheidung zu treffen, die vor dem CAS Bestand haben kann und zugleich von den beteiligten Verbänden akzeptiert wird.
Belarus bleibt ausgeschlossen
Eine Entscheidung hat der Weltverband bereits für Belarus getroffen. Die Männer-Nationalmannschaft und die U20-Auswahl des Landes dürfen an den kommenden Weltmeisterschaften nicht teilnehmen. Der IIHF-Disziplinarausschuss sieht keine rechtliche Grundlage, die eine sofortige Wiederaufnahme erzwingen würde.
Belarus unterstützt Russland im Krieg gegen die Ukraine und ist deshalb ebenfalls von internationalen Eishockey-Wettbewerben ausgeschlossen. Während dieser Fall vorerst geklärt ist, bleibt Russland der zentrale Streitpunkt. Für die WM 2027 in Deutschland hängt nun viel davon ab, ob die IIHF eine juristisch tragfähige Linie findet, die Boykotte und den Verlust von Sponsoren verhindert.