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Stündlich aktualisiert

Sport · Eishockey-WM 2027

Bundesregierung sieht Eishockey-WM mit Russland kaum möglich

Die Eishockey-WM in Deutschland steht wegen Russlands möglicher Rückkehr vor einer Krise. Die Bundesregierung hält das Turnier mit russischem Team praktisch für nicht durchführbar.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Eishockey-WM in Deutschland steht wegen der möglichen Rückkehr Russlands unter politischem und sportlichem Druck.
Symbolbild: Die Eishockey-WM in Deutschland steht wegen der möglichen Rückkehr Russlands unter politischem und sportlichem Druck. KI-generiert

Die Bundesregierung hält eine Eishockey-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland mit russischer Nationalmannschaft kaum noch für realisierbar. Nach Beratungen mit dem Deutschen Eishockey-Bund, dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Weltverband IIHF verwies Regierungssprecher Stefan Kornelius auf Boykottankündigungen mehrerer Länder sowie auf drohende Rückzüge von Partnern. Unter diesen Umständen sei die Ausrichtung sportlich und wirtschaftlich „faktisch unmöglich“, sagte Kornelius in Berlin.

Boykottfront nach Cas-Urteil

Auslöser der Krise ist eine Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs Cas. Das Gericht hatte die Grundlage für eine Rückkehr russischer Eishockeyteams zu internationalen Wettbewerben geschaffen. Die russischen Mannschaften waren seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine von Weltmeisterschaften ausgeschlossen.

Mehrere Eishockeynationen lehnen eine Teilnahme Russlands an der WM in Deutschland ab. Finnland, amtierender Weltmeister, kündigte an, nicht gegen Russland antreten zu wollen. Auch Schweden und Tschechien stellen sich gegen eine WM mit russischer Beteiligung. Der finnische Verbandschef erklärte: „Unsere Linie lautet: Wir spielen nicht gegen Russland.“

Neben den sportlichen Boykottandrohungen gibt es wirtschaftlichen Druck. Mehrere Sponsoren signalisierten, ein Turnier mit russischer Mannschaft nicht unterstützen zu wollen. Damit gerät die Planung der WM im Mai 2027 in eine Lage, in der sportlicher Wettbewerb, Vermarktung und politische Verantwortung zugleich betroffen sind.

Deutschland sucht Ausweg

Der Deutsche Eishockey-Bund steht als Gastgeberverband besonders unter Druck. Vorstandschef Frank Lutz brachte bereits die Möglichkeit ins Spiel, die Ausrichtung abzugeben. Die Bundesregierung will diesen Schritt nach eigener Darstellung nicht als erstes Ziel verfolgen. Kornelius sagte, nun solle in Gesprächen geprüft werden, wie die WM dennoch stattfinden könne.

Berlin will den Verband dabei unterstützen, eine Lösung zu finden, mit der Deutschland Gastgeber bleiben kann. Zugleich macht die Bundesregierung deutlich, dass die Integrität des Sports geschützt werden soll. Kornelius verwies darauf, dass die ablehnende Haltung vieler Beteiligter zeige, wie wenig Akzeptanz die Cas-Entscheidung im internationalen Eishockey finde.

Auch der Weltverband IIHF ringt um eine gemeinsame Linie. Eine Dringlichkeitssitzung des Councils zog sich über mehrere Tage hin, ohne dass zunächst ein einheitliches Vorgehen bekannt wurde. Der neue IIHF-Präsident Franz Reindl, früher selbst DEB-Präsident, muss damit früh in seiner Amtszeit einen schweren Konflikt moderieren.

Visa-Debatte erreicht die Politik

Die Frage einer möglichen Einreise russischer Spieler ist inzwischen Teil der innenpolitischen Auseinandersetzung. Jens Lehmann, stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Sport und Ehrenamt, lehnt eine Rückgabe der WM ab. Deutschland befinde sich in einer Olympia-Bewerbung, sagte der CDU-Politiker, deshalb solle man an der Ausrichtung festhalten. Als letztes Mittel schloss er auch nicht aus, russischen Sportlern Visa zu verweigern.

Aydan Özoğuz, Vorsitzende des Ausschusses und SPD-Politikerin, sieht eine Rückkehr Russlands auf die internationale Sportbühne kritisch. Sie warnte vor einer „sportdiplomatischen“ Propaganda-Show in deutschen Arenen.

Andere Stimmen sprechen sich gegen Einreiseverbote aus. Der Linken-Politiker Jan Van Aken sagte, damit würden die falschen Menschen getroffen. Sport ermögliche Begegnungen, die sonst kaum möglich seien. Der AfD-Sportpolitiker Jörn König befürwortet ebenfalls Visa für russische Spieler und verweist auf eine Trennung von Sport und Politik.

Bedeutung über die WM hinaus

Die Entscheidung hat Folgen über das Turnier hinaus. Kanada hat im Zusammenhang mit der U20-WM bereits angekündigt, russischen Spielern die Einreise verweigern zu können. Auch für Deutschland steht diese Möglichkeit im Raum, ohne dass eine endgültige Entscheidung bekannt ist.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich ebenfalls eingeschaltet und nicht näher bezeichneten Ländern politische Beschränkungen gegen russische Sportler vorgeworfen. Der Cas wiederum begründete seine Entscheidung damit, dass der Weltverband nicht ausreichend belegt habe, warum der Ausschluss russischer Teams rechtlich weiter Bestand haben müsse.

Für Deutschland bleibt damit ein sportpolitisches Dilemma. Eine WM mit Russland könnte von Boykotten und Sponsorenausstiegen geprägt sein. Ein Ausschluss über Visa oder andere Wege könnte internationale sportpolitische Spannungen verschärfen. Die Bundesregierung setzt deshalb vorerst auf Gespräche mit Verband, Weltverband und weiteren Partnern.