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Stündlich aktualisiert

Panorama · Gefahrgutunfall in Krefeld

Höchste Warnstufe nach Säureunfall an der A57

In Krefeld ist nach einem Lkw-Unfall Salpetersäure ausgetreten. Behörden warnen weiter vor extremer Gefahr, Schulen und Kitas bleiben geschlossen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Gefahrguteinsatz an einer gesperrten Autobahnauffahrt.
Symbolbild: Ein Gefahrguteinsatz an einer gesperrten Autobahnauffahrt. KI-generiert

Nach dem Unfall eines mit Salpetersäure beladenen Lastwagens in Krefeld gilt weiter eine Warnung der höchsten Stufe. Die Behörden rufen Menschen im Umfeld der Unfallstelle dazu auf, Gebäude nicht zu verlassen und Fenster sowie Türen geschlossen zu halten. Vier Schulen und zwei Kindertagesstätten öffnen am Freitag vorsorglich nicht. Die A57 und Teile des Bahnverkehrs sind wegen des Gefahrguteinsatzes erheblich beeinträchtigt.

Salpetersäure an Autobahnauffahrt ausgetreten

Der Unfall ereignete sich in der Nacht zum Freitag im Bereich der Anschlussstelle Krefeld-Zentrum an der Autobahn 57. Der Gefahrguttransporter kippte um und blieb auf der Seite liegen. Dabei trat stark ätzende Salpetersäure aus. Nach Angaben des Leiters der Gefahrenabwehr der Stadt Krefeld, Andreas Klos, liefen etwa zehn Tonnen der Chemikalie aus.

Der Fahrer des Lastwagens wurde verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Die ausgelaufene Säure sammelte sich in einer Senke an der Auffahrt. Einsatzkräfte arbeiteten daran, die Chemikalie aufzunehmen und den noch im Fahrzeug befindlichen Stoff abzupumpen. Dafür sollte der Tank nach Angaben der Einsatzleitung mechanisch geöffnet werden. Neben Kräften der Feuerwehr waren auch spezialisierte Gefahrguteinheiten beteiligt. Die Angaben zur Zahl der Einsatzkräfte schwanken zwischen rund 150 und etwa 200.

Salpetersäure ist eine stark ätzende Industriechemikalie. Sie wird unter anderem für Düngemittel und Sprengstoffe genutzt. Bei unkontrolliertem Austritt können erhebliche Gesundheitsgefahren entstehen. Unter bestimmten Bedingungen besteht zudem Brandgefahr.

Warnung für Umkreis von 1.000 Metern

Über die Warn-App NINA wurde für den Bereich um die Einsatzstelle vor „extremer Gefahr“ gewarnt. Das ist die höchste Warnstufe. Der betroffene Bereich ist nach Angaben der Behörden in einem Radius von 1.000 Metern abgesperrt. Zusätzlich wurden Sirenen ausgelöst.

Besonders angesprochen sind Menschen in den Stadtteilen Bockum und Linn. Sie sollen geschlossene Räume aufsuchen, Fenster und Türen schließen und den abgesperrten Bereich meiden. Die Notrufnummern 110 und 112 sollen nur bei akuten Notfällen gewählt werden. Für Fragen ist die Bürgerinformation der Stadt unter 02151 19700 erreichbar.

Erste Luftmessungen ergaben nach Angaben von Andreas Klos Werte unterhalb der Toleranzgrenzen. Die Behörden halten die Warnung dennoch aufrecht, solange der Gefahrguteinsatz läuft. Eine Entwarnung soll über die Warnsysteme und städtische Kanäle erfolgen.

Schulen, Kitas und Verkehr betroffen

Mehrere Bildungseinrichtungen bleiben am Freitag geschlossen. Betroffen sind die Franz-Stollwerck-Schule, die Sollbrüggenschule, die Gesamtschule Uerdingen und das Berufskolleg Uerdingen. Auch die Kita St. Gertrudis und die städtische Kita Verberger Straße öffnen nicht.

Die Autobahn 57 ist zwischen Krefeld-Oppum und Krefeld-Gartenstadt gesperrt. Auf Umleitungsstrecken bildeten sich lange Staus. Auch zahlreiche Straßen im Krefelder Stadtgebiet sind nicht nutzbar. Im Nahverkehr können Busse und Stadtbahnen auf mehreren Linien in der Innenstadt nicht wie gewohnt fahren.

Auch der Bahnverkehr ist betroffen. Die Verbindung zwischen Duisburg und Krefeld wurde unterbrochen. Einschränkungen und Ausfälle gibt es auf mehreren Regionalexpress- und Regionalbahnlinien, darunter RE 7, RE 10, RE 42, RB 33, RB 35 und RB 37. Reisende sollen Verbindungen vor Fahrtantritt prüfen und auf Hinweise an Bahnhöfen achten.

Weitere Einschränkungen in der Stadt

Der Einsatz wirkt sich auch auf die Müllabfuhr aus. Nach Angaben der Stadtwerke können Müllfahrzeuge den Wertstoffhof nicht anfahren, wodurch es im gesamten Stadtgebiet zu Verzögerungen kommt.

Der Vorfall zeigt, wie weitreichend ein Gefahrgutunfall auf einer wichtigen Verkehrsachse wirken kann. Neben der unmittelbaren Gefährdung durch die Chemikalie treffen Sperrungen Schulen, Kitas, Pendlerinnen und Pendler, den öffentlichen Nahverkehr sowie städtische Dienste. Entscheidend bleibt nun, wann die Einsatzkräfte die ausgetretene Säure vollständig aufnehmen und den verbliebenen Gefahrstoff sichern können.