Panorama · Verkehrssicherheit
DVR fordert 500 Euro Bußgeld für Handy am Steuer
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat unterstützt den Vorstoß von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, sogenannte Monocams gegen Handynutzung am Steuer einzusetzen. DVR-Präsident Manfred Wirsch fordert zugleich deutlich strengere Sanktionen: Wer während der Fahrt unerlaubt ein Mobiltelefon nutzt, soll nach seiner Vorstellung mindestens 500 Euro zahlen. Der Betrag läge damit auf dem Niveau eines Verstoßes gegen die 0,5-Promille-Regel.
Verband sieht Abschreckungseffekt
Wirsch bewertet Handyblitzer als wichtigen Beitrag zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Aus seiner Sicht kann schon die Möglichkeit einer Kontrolle das Verhalten verändern. Wer damit rechnen müsse, entdeckt zu werden, greife während der Fahrt eher nicht zum Smartphone, sagte der DVR-Präsident.
Der Verband verweist dabei auf Erfahrungen mit solchen Systemen. Bei einem Test in Trier sei die erfasste Nutzung von Handys am Steuer um rund 70 Prozent gesunken. Im australischen Bundesstaat New South Wales gingen entsprechende Verstöße seit 2019 nach Angaben Wirschs um etwa 82 Prozent zurück.
Derzeit ist die verbotene Nutzung eines Handys am Steuer deutlich niedriger belegt. Nach Angaben des ADAC drohen 100 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Kommt es zu einer Gefährdung oder einem Unfall, steigen die Beträge auf 150 beziehungsweise 200 Euro. Dann werden zudem zwei Punkte eingetragen, außerdem kann ein einmonatiges Fahrverbot folgen.
Kameras blicken ins Fahrzeug
Monocams sind hochauflösende Kameras, die schräg von oben durch die Windschutzscheibe in Fahrzeuge aufnehmen. Das System prüft, ob sich im Bereich der fahrenden Person ein Mobiltelefon befindet und ob die Handhaltung dazu passt. Erst wenn beides zusammenkommt, wird ein Bild ausgelöst. Danach sollen geschulte Polizeikräfte die Aufnahmen beurteilen.
Verkehrsminister Bilger hatte die Technik als Möglichkeit beschrieben, Verstöße konsequenter zu verfolgen. Er verwies darauf, dass jedes Jahr mehr als 1.000 Unfälle durch elektronische Geräte wie Handys am Steuer geschehen. Das sei eindeutig zu viel, sagte der CDU-Politiker. Innovative Kontrolltechnik könne aus seiner Sicht helfen, die Verkehrssicherheit spürbar zu erhöhen.
Telefonieren im Auto ist nicht in jedem Fall untersagt. Erlaubt sind nach Angaben des ADAC etwa Gespräche über Freisprechanlagen, fest verbaute Systeme oder Bluetooth-Headsets. Verboten ist hingegen, das Handy während der Fahrt aufzunehmen oder ans Ohr zu halten.
Mehr als 1.100 Unfälle im Jahr 2025
Wie groß das Risiko durch Ablenkung ist, begründet der DVR mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach wurden 2025 mehr als 1.100 Unfälle mit Verletzten oder Getöteten registriert, bei denen elektronische Geräte als Ursache erfasst wurden. Dabei starben 15 Menschen, 199 wurden schwer verletzt und 1.257 erlitten leichte Verletzungen. Die Daten beziehen sich auf elektronische Geräte insgesamt, nicht allein auf Smartphones.
Wirsch verweist außerdem auf eine in diesem Jahr veröffentlichte Studie. Danach lag das Kollisionsrisiko bei Ablenkung durch Smartphones, Touchscreens und andere digitale Anwendungen höher als bei einem simulierten Alkoholeinfluss von 0,8 Promille. Für den DVR ist das ein weiteres Argument, die bisherige Ahndung zu verschärfen.
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. In dem Dachverband sind mehr als 200 Organisationen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vertreten. Ihr gemeinsames Ziel ist es, Unfälle zu verhindern und den Straßenverkehr sicherer zu machen. Die Debatte um Monocams verbindet damit zwei Fragen: Wie konsequent gefährliche Ablenkung kontrolliert werden soll und wie hoch die Strafe für verbotene Handynutzung am Steuer ausfallen muss.