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Stündlich aktualisiert

Panorama · Prozess in Potsdam

Kinderarzt gesteht Missbrauchsvorwürfe in großem Umfang

Vor dem Landgericht Potsdam hat ein Kinderarzt einen Großteil der Vorwürfe eingeräumt. Angeklagt sind 130 Fälle, betroffen sein sollen mehr als 70 Menschen.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leerer Gerichtsflur steht für den Prozess vor dem Landgericht Potsdam.
Symbolbild: Ein leerer Gerichtsflur steht für den Prozess vor dem Landgericht Potsdam. KI-generiert

Ein 46 Jahre alter Kinderarzt aus dem Havelland hat zum Auftakt seines Prozesses vor dem Landgericht Potsdam einen großen Teil der Missbrauchsvorwürfe eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 130 Fälle vor. Nach ihrer Darstellung gibt es mehr als 70 Betroffene, die zur Tatzeit zwischen zwei und 20 Jahre alt waren. Der Mediziner soll seine Stellung als Arzt über viele Jahre ausgenutzt haben.

Angeklagter will Opfer entlasten

Vor Gericht erklärte der Angeklagte, er habe bereits zu fast allen Vorwürfen ein Geständnis abgelegt. Er begründete dies damit, den Betroffenen Aussagen im Prozess ersparen zu wollen. Wörtlich sagte er: „Ich habe große Schuld auf mich geladen.“ Zudem kündigte er an, bei seiner bisherigen Einlassung zu bleiben.

Zum Prozessbeginn trug die Staatsanwaltschaft die Anklage vor. Das dauerte mehr als zwei Stunden. Im Saal waren 15 Nebenkläger anwesend. Wegen des erwarteten Interesses waren Sicherheitskontrollen vorgesehen.

Die Vorwürfe betreffen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Sie sollen sich über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren erstrecken. Der älteste angeklagte Tatkomplex reicht bis Dezember 2013 zurück. Der Angeklagte sitzt seit November 2025 in Untersuchungshaft. Als Grund wurde Wiederholungsgefahr genannt.

Vorwürfe an mehreren Orten

Nach der Anklage soll der Arzt einen großen Teil der Taten während seiner Tätigkeit in Krankenhäusern begangen haben. Genannt werden Klinikstandorte in Rathenow und Nauen. Dort soll er Patientinnen und Patienten aufgesucht und medizinische Untersuchungen als Vorwand genutzt haben. Die Betroffenen waren den Angaben zufolge überwiegend männlich.

Der Angeklagte soll außerdem in einem ärztlichen Bereitschaftsbereich und in Kindertagesstätten in Brandenburg tätig geworden sein. In den Kindertagesstätten soll er im Auftrag eines Gesundheitsamts Untersuchungen vorgenommen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, auch dort Kinder missbraucht und Bildmaterial angefertigt zu haben.

Ein weiterer Tatkomplex betrifft Treffen im Jahr 2023 mit einem früheren Patienten in einer Bereitschaftswohnung einer Klinik in Nauen. Der Jugendliche war demnach zunächst 15 und später 16 Jahre alt. Auch in der Privatwohnung des Angeklagten sollen sich schwere Straftaten gegen Minderjährige ereignet haben. Zudem geht es um Chats mit Minderjährigen und um sexualisierte Bilder, die der Arzt verlangt und erhalten haben soll.

Ermittlungen nach Anzeige einer Mutter

Die Ermittlungen begannen im November 2025 nach der Anzeige einer Mutter. Danach werteten Ermittler Datenträger aus. Dadurch soll sich der Umfang des Verfahrens deutlich vergrößert haben. Dem Angeklagten wird auch vorgeworfen, von Handlungen Fotos und in mehreren Fällen Videos erstellt zu haben.

Der Mediziner war bei der Havelland-Kliniken GmbH beschäftigt. Das Unternehmen betreibt westlich von Berlin zwei Krankenhausstandorte. Vor Gericht geht es nun um die strafrechtliche Verantwortung des Arztes für die angeklagten Taten. Insgesamt sind am Landgericht Potsdam 18 Verhandlungstage geplant.

Der Fall steht auch für die besondere Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen in medizinischen Behandlungssituationen. Ärztinnen und Ärzte haben gegenüber jungen Patientinnen und Patienten eine herausgehobene Vertrauensstellung. Genau diese soll der Angeklagte nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ausgenutzt haben. Das Geständnis kann den Prozess verkürzen, ersetzt aber nicht die Prüfung der einzelnen Anklagepunkte durch das Gericht.