Kultur · Deutscher Film
Produzentin Regina Ziegler mit 82 Jahren gestorben
Regina Ziegler ist tot. Die Film- und Fernsehproduzentin wurde 82 Jahre alt und starb im Beisein ihrer Familie, wie ein Sprecher der Ziegler Film GmbH bestätigte. Ziegler gehörte über Jahrzehnte zu den einflussreichsten Produzentinnen Deutschlands. Ihr Name steht für mehr als 500 Arbeiten, darunter die Fernsehserie „Weissensee“ und die Musicalverfilmung „Ich war noch niemals in New York“.
Vom Berufsstart zur eigenen Firma
Ziegler wurde im März 1944 in Quedlinburg geboren. Ihre Mutter arbeitete als Journalistin, ihr Vater war Brunnenbauer und suchte Wasseradern mit der Wünschelrute. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs floh die Familie ins Weserbergland. Dort wuchsen Regina Ziegler und ihre ältere Schwester auf.
Nach dem Abitur nahm Ziegler zunächst ein Jurastudium auf. Es entsprach dem Wunsch ihrer Eltern, blieb für sie aber nur ein kurzer Versuch. Schon nach einem Semester beendete sie das Studium. Anschließend ließ sie sich zur Wirtschaftsdolmetscherin für Englisch ausbilden. Mitte der 1960er-Jahre begann sie als Produktionsassistentin bei einem Berliner Rundfunkunternehmen.
1973 machte sie sich selbstständig und gründete mit 29 Jahren ihre Produktionsfirma. Bereits ihr erster Spielfilm „Ich dachte, ich wäre tot“ wurde ausgezeichnet und von der Kritik beachtet. Mit dem Film begann auch die Zusammenarbeit mit Regisseur Wolf Gremm, der später ihr Ehemann wurde. Gemeinsam entstanden weitere Werke, darunter „Die Brüder“ und „Fabian“.
Mehr als 500 Produktionen
Ziegler baute ihre Firma zu einer festen Größe der deutschen Film- und Fernsehlandschaft aus. Sie produzierte Kinofilme, Fernsehfilme und Serien. Viele ihrer Arbeiten erhielten Preise oder wurden international gezeigt. Zu den bekannten Produktionen zählt „Malou“ von Jeanine Meerapfel, der in Cannes mit dem Preis der internationalen Filmkritik ausgezeichnet wurde.
Auch „November Days“ wurde prämiert und erhielt den Adolf-Grimme-Preis. Zwei von Ziegler verantwortete Produktionen kamen in die Auswahl für eine Oscar-Nominierung. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie zudem 2006, als das Museum of Modern Art in New York ihr eine Retrospektive widmete.
Zu ihren späten Publikumserfolgen gehörte die Serie „Weissensee“, die deutsch-deutsche Familien- und Zeitgeschichte erzählte. Mit der Verfilmung des Musicals „Ich war noch niemals in New York“ erreichte sie auch ein breites Kinopublikum. Bis zuletzt soll Ziegler weiter an Projekten gearbeitet haben.
Anerkennung für ein Lebenswerk
2016 erhielt Ziegler beim Deutschen Filmpreis in Berlin den Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film. Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben, würdigte sie damals mit den Worten „Leidenschaft, Energie, Charme, Durchsetzungskraft und eine unendlich große Liebe zu ihrem Metier“.
Ihr beruflicher Weg war eng mit der Entwicklung des deutschen Nachkriegsfilms und des Fernsehens verbunden. Ziegler arbeitete mit unterschiedlichen Regisseurinnen und Regisseuren, setzte auf Stoffe für Kino und Fernsehen und blieb zugleich Unternehmerin in einer Branche, die lange stark von Männern geprägt war.
Ein prägender Name der Branche
Regina Ziegler stand für einen Produktionsstil, der künstlerischen Anspruch und Publikumsnähe verbinden wollte. Ihre Firma brachte Filme und Serien hervor, die Preise gewannen, Debatten auslösten oder ein großes Publikum fanden. Mit ihrer langen Karriere gehörte sie zu den wenigen deutschen Produzentinnen, deren Werk mehrere Generationen von Filmschaffenden und Zuschauerinnen und Zuschauern erreichte.
Auch ihre Ehe mit Wolf Gremm prägte ihr Leben und ihre Arbeit. Die beiden verbrachten 44 Jahre miteinander. Über die Zeit seiner Erkrankung sagte Ziegler später, sie hätten „verrückte Sachen gemacht“, etwa nachts alte Filme gesehen oder sehr früh am Morgen gekocht. Diese persönlichen Erinnerungen zeigen die enge Verbindung zwischen ihrem privaten Leben und der Welt des Films, die ihre Karriere bestimmte.