Kultur · Politischer Popsong
Bryan Adams widerspricht Trump mit neuem Song
Der kanadische Musiker Bryan Adams richtet seinen neuen Song „Lake Ontario“ offen gegen US-Präsident Donald Trump. Anlass ist Trumps Erlass, den Ontariosee an der Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten von US-Behörden als „Lake America“ bezeichnen zu lassen. Adams stellt dem die historische Herkunft des Namens und eine kanadische Perspektive entgegen.
Streit um den Namen des Sees
Der Ontariosee gehört zu den Großen Seen Nordamerikas und liegt an der Grenze beider Staaten. Trump hatte im August angeordnet, dass Bundesbehörden in den USA den See künftig unter dem Namen „Lake America“ führen sollen. Zuvor hatte er bereits für den Golf von Mexiko eine Umbenennung in „Golf von Amerika“ veranlasst.
Adams reagiert darauf mit einem Lied, das den bisherigen Namen bereits im Titel trägt. In dem Song verweist er auf die indigene Herkunft der Bezeichnung. Der Name gehe auf die Irokesen zurück und bedeute sinngemäß See der glänzenden Wasser. Adams stellt dem Trumps Erlass gegenüber und betont damit, dass ein politischer Verwaltungsakt aus seiner Sicht nicht über die kulturelle und historische Bedeutung des Namens hinweggehen sollte.
Kritik an Trump im Liedtext
„Lake Ontario“ beschränkt sich nicht auf den Streit um geografische Namen. Adams greift in dem Lied auch weitere politische Themen auf, die mit Trump verbunden sind. Er bezieht sich auf die militärische Eskalation um Iran, an der die USA und Israel beteiligt waren. In einer Zeile heißt es sinngemäß, die Entwicklung im Iran sei nicht nach Trumps Vorstellungen verlaufen. Anschließend beschreibt Adams eine kindliche Trotzreaktion und vergleicht den Präsidenten mit einem Baby.
Außerdem spielt der Sänger auf den Fall Jeffrey Epstein an. Epstein war als Sexualstraftäter verurteilt worden. In den USA sorgen Dokumente und Akten rund um den Fall seit Jahren für politische Debatten. Adams stellt in seinem Lied einen Zusammenhang zwischen öffentlichen Ablenkungsmanövern und der Aufmerksamkeit für diese Unterlagen her.
Der Ton des Songs ist damit deutlich politischer als viele der großen Hits, mit denen Adams international bekannt wurde. Zu seinen bekanntesten Liedern zählen „Please Forgive Me“ und „Summer of ’69“. Der neue Titel knüpft dagegen an eine Protesttradition an, in der Pop- und Rockmusiker aktuelle politische Konflikte kommentieren.
Zweiter Protestsong zu Kanada
„Lake Ontario“ ist nicht Adams’ erste musikalische Reaktion auf Trumps Äußerungen über Kanada. Bereits zum Canada Day am 1. Juli veröffentlichte er den Song „51st State“. Darin nahm er Bezug auf Trumps wiederholte Aussagen, Kanada könne zum 51. Bundesstaat der USA werden.
Mit beiden Liedern wendet sich Adams gegen politische Vorstellungen, die aus seiner Sicht kanadische Eigenständigkeit und Identität infrage stellen. Der neue Song verlagert diese Kritik von der Staatsfrage auf die symbolische Ebene von Ortsnamen. Gerade deshalb wirkt die Auseinandersetzung kulturpolitisch: Es geht nicht nur um eine Karte, sondern auch darum, wer Namen setzt und welche Geschichte damit sichtbar bleibt.
Neues Album im November geplant
Die beiden Songs sollen auf Adams’ Album „How’s It Goin’“ erscheinen, das für November angekündigt ist. Der Musiker, der 66 Jahre alt ist, verbindet damit aktuelle politische Bezüge mit einer Veröffentlichung aus seinem regulären Musikprogramm.
Der Fall zeigt, wie stark Popkultur und politische Symbolik ineinandergreifen können. Ein Ortsname wird zum Gegenstand eines Songs, eine administrative Entscheidung zum Anlass für künstlerischen Protest. Adams nutzt dabei seine internationale Bekanntheit, um eine kanadische Gegenposition zu Trumps Amerika-Rhetorik hörbar zu machen.