Kultur · Auktion in Paris
Monets „Iris“ erzielt 50 Millionen Euro
Ein bislang nicht öffentlich gezeigtes Gemälde von Claude Monet hat am Donnerstagabend in Paris 50 Millionen Euro eingebracht. Das Auktionshaus Sotheby’s bezeichnete den Zuschlag als neuen Höchstwert für eine Kunstversteigerung in Frankreich. Das Werk trägt den Titel „Iris“ und gehört zum späten Schaffen des französischen Impressionisten.
Lange nur als Foto bekannt
„Iris“ war bisher nicht Teil einer öffentlichen Ausstellung. Bekannt war das Bild lediglich über eine Schwarzweißaufnahme. Damit kam ein Werk auf den Markt, das selbst für ein kunstinteressiertes Publikum kaum sichtbar gewesen war. Der hohe Preis unterstreicht daher nicht nur die anhaltende Nachfrage nach Monet, sondern auch den besonderen Reiz einer Arbeit mit seltener Provenienz.
Das Gemälde misst 1,60 Meter in der Höhe und 1,80 Meter in der Breite. Monet malte es in Giverny, dem Ort in der Normandie, der eng mit seinem Spätwerk verbunden ist. Dort entstanden zahlreiche Arbeiten, in denen der Künstler Gartenmotive, Wasserflächen und Pflanzenformen in zunehmend freierer Malweise behandelte.
Die Kunstsammlerin Jeanne Schlumberger erwarb „Iris“ über eine Galeristin direkt von Monet. Danach blieb das Bild über lange Zeit im Besitz der Familie und befand sich in deren Pariser Wohnsitz. Der Verkauf führt das Werk nun erstmals in größerem Maßstab in den internationalen Kunstmarkt ein.
Schätzung deutlich übertroffen
Vor der Auktion war der erwartete Wert erheblich niedriger angesetzt worden. Sotheby’s hatte mit 22 bis 30 Millionen Euro gerechnet. Der Zuschlag von 50 Millionen Euro lag damit klar über der oberen Schätzung. Nach Angaben des Hauses wurde in Frankreich bei einer Kunstauktion noch kein höherer Preis erzielt.
Für den Markt ist der Verkauf auch deshalb bemerkenswert, weil Werke von Monet regelmäßig Spitzenpreise erzielen, wirklich unbekannte Arbeiten aus privatem Besitz aber selten verfügbar sind. Der Name des Künstlers gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten im internationalen Auktionsgeschäft. Zugleich bleibt die Herkunft eines Werks ein entscheidender Faktor: Ein Bild, das über Generationen in einer Sammlung verblieb und kaum öffentlich präsent war, kann bei Sammlerinnen und Sammlern besondere Aufmerksamkeit auslösen.
Weitere Verkäufe am Pariser Markt
Der Abend stand nicht allein im Zeichen von „Iris“. Kurz vor Beginn der Sotheby’s-Versteigerung wurden drei Gemälde von Paul Cézanne aus dem Angebot genommen. Sie sollen in die südfranzösische Stadt Aix-en-Provence zurückkehren, den Geburtsort des Künstlers. Dort kommt möglicherweise eine Präsentation im Musée Granet in Betracht.
Zeitgleich fand in Paris eine Auktion von Christie’s statt. Dort wurden 26 Werke versteigert. Auch zwei Arbeiten von Monet wechselten den Besitzer. Für eines wurden 12,7 Millionen Euro gezahlt, für das andere 3,1 Millionen Euro. Damit zeigte sich am selben Abend erneut, dass Monets Werk auf dem Kunstmarkt weiterhin eine hohe Nachfrage erfährt.
Einordnung
Claude Monet zählt zu den zentralen Figuren des Impressionismus. Besonders sein spätes Werk ist eng mit Giverny verbunden, wo der Künstler lebte und malte. Die dort entstandenen Bilder lösen Formen und Konturen oft stärker auf als frühere Arbeiten und gelten als wichtiger Bezugspunkt für die Entwicklung der modernen Malerei.
Der Rekordpreis für „Iris“ verbindet kunsthistorische Bedeutung, Seltenheit und eine ungewöhnlich geschlossene Besitzgeschichte. Für Frankreichs Auktionsmarkt ist der Verkauf ein Signal von internationaler Reichweite. Er zeigt, dass Paris bei hochpreisigen Kunstverkäufen weiterhin eine wichtige Rolle spielt, besonders wenn seltene Werke großer Namen angeboten werden.