Kultur · Proteste in Paris
Louvre bleibt nach Blockade vorerst geschlossen
Der Pariser Louvre ist am Montag vorübergehend geschlossen geblieben, nachdem Studierende den Zugang zum Museum versperrt hatten. Die Aktion steht im Zusammenhang mit den seit Wochen laufenden Schulprotesten in Frankreich. Zugleich fällt die Schließung auf den Jahrestag eines spektakulären Einbruchs, bei dem Kronjuwelen im Wert zwischen 88 und rund 90 Millionen Euro gestohlen wurden. Die Ereignisse verschärfen die Debatte über Sicherheit im größten Museum der Welt und treffen Paris in einer angespannten Lage.
Blockade aus Solidarität mit Schulprotesten
Die Studierenden wollten mit der Blockade die Proteste von Schülerinnen und Schülern unterstützen. Diese demonstrieren seit Ende September für besser ausgestattete Schulen, mehr Personal und bessere Bedingungen im Unterricht. Außerdem richtet sich der Protest gegen Polizeigewalt.
Die Aktion am Louvre folgt nur zwei Tage nach einem landesweiten Protesttag gegen die hohen Lebenshaltungskosten in Frankreich. In mehreren Städten kam es dabei zu Ausschreitungen und erheblichen Sachschäden. In Paris wirkt sich die Lage nun auch auf zentrale Orte des Kulturlebens aus. Der Louvre gehört zu den wichtigsten Museen der Welt und ist ein Anziehungspunkt für Besucherinnen und Besucher aus vielen Ländern.
Auch der Kunstbetrieb in der Stadt reagiert auf die angespannte Situation. Im Umfeld der laufenden Kunstwoche und vor der Eröffnung der Art Basel Paris im Grand Palais wurden Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Die Messe umfasst mehr als 200 internationale Aussteller. Für Galerien, Sammlerinnen und Sammler sowie Museen ist Paris in diesen Tagen ein wichtiger Treffpunkt, doch die Proteste rücken die Sicherheitslage in den Vordergrund.
Jahrestag des Einbruchs erhöht den Druck
Der Zeitpunkt der Louvre-Schließung ist besonders heikel, weil sich an diesem Montag der Diebstahl der französischen Kronjuwelen jährt. Vor einem Jahr gelangten zwei Täter an einem Sonntagmorgen über ein Fenster mit Balkon in den Apollon-Saal. Nach wenigen Minuten waren die Stücke verschwunden.
Seitdem wurden die Schutzmaßnahmen rund um den Saal ausgebaut. Vor dem betroffenen Fenster befindet sich wieder ein starkes Gitter, am reparierten Fenster wurde eine Kamera angebracht. Unten an der Straße zur Seine hin steht ein hoher Metallzaun mit zusätzlicher Sicherung. Dennoch werden die übrigen Kronjuwelen aus dem Apollon-Saal vorerst nicht wieder dort gezeigt.
Louvre-Direktor Christophe Leribault erklärte bei der Wiedereröffnung des Saals im Juli, für die Juwelen müsse ein besonders gesicherter Raum entstehen. Auch der berühmte Diamant Le Régent solle erst wieder gezeigt werden, wenn dieser Bereich fertig sei. Leribault leitet das Museum seit Februar. Seine Vorgängerin Laurence des Cars musste ihren Posten nach einer Reihe von Problemen räumen.
Geraubte Juwelen weiter verschwunden
Von den entwendeten Kronjuwelen fehlt auch ein Jahr später eine gesicherte Spur. Zuletzt wurden Teile des Schmucks in einer Tiefgarage in Aubervilliers nordöstlich von Paris gesehen. Videoaufnahmen zeigten dort einige der Täter etwa eine Stunde nach dem Eindringen in den Louvre. Danach verliert sich der Weg der Beute.
Vier mutmaßlich unmittelbar beteiligte Personen sitzen in Haft. Ihre Aussagen gelten als widersprüchlich. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest.
Die Sicherheitsfrage ist für den Louvre inzwischen ein zentrales Thema. Im Sommer sagte Leribault vor einer Senatskommission, das Museum befinde sich trotz aller Bemühungen weiter in einem sehr kritischen Zustand. Er formulierte es drastisch: „Der Louvre ist am Ende seiner Kräfte.“
Museum vor großem Umbau
Die aktuellen Proteste treffen ein Haus, das ohnehin unter Druck steht. Neben dem Einbruch gab es in der jüngeren Vergangenheit Wasserschäden, Probleme mit Gebäudeteilen, längere Streiks und einen groß angelegten Ticketbetrug. Der Louvre soll mit dem Projekt „Louvre Nouvelle Renaissance“ modernisiert werden. Die Kosten werden mit 1,2 Milliarden Euro angegeben.
Zusätzlich wurde eine zentrale Stelle für Sicherheitskoordination geschaffen. Sie soll verhindern, dass es erneut zu gravierenden Sicherheitslücken kommt. Die vorübergehende Schließung nach der Blockade zeigt jedoch, wie stark äußere Konflikte den Betrieb eines Museums dieser Größe beeinflussen können. Für Paris ist das nicht nur ein Kulturproblem, sondern auch ein Signal an den gesamten Kunst- und Museumsbetrieb der Stadt.