Wissen & Technik · Masern in den USA
USA melden höchste Masernzahl seit 1991
Die USA verzeichnen die stärkste Masernwelle seit 1991. Die Gesundheitsbehörde CDC meldet für dieses Jahr 5.182 bestätigte Infektionen; insgesamt ist von rund 5.200 dokumentierten Fällen in fast allen Bundesstaaten die Rede. Innerhalb einer Woche wurden drei Todesfälle bekannt: ein Kind in New York, eine Frau in Pennsylvania und ein Säugling in Wisconsin.
Fallzahl übertrifft Vorjahr deutlich
Die aktuelle Zahl liegt mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Für 2025 weist die CDC 2.289 Masernfälle aus. Damit erreicht die Krankheit in den USA einen Stand, der seit Jahrzehnten nicht mehr registriert wurde. Die Behörden sprechen von einer landesweiten Ausbreitung, die nahezu alle Bundesstaaten betrifft.
Besonders aufmerksam verfolgen Gesundheitsbehörden die Lage, weil Masern zu den ansteckendsten Viruskrankheiten zählen. Eine Infektion kann sich schnell verbreiten, wenn viele Menschen keinen ausreichenden Impfschutz haben. Typische Krankheitszeichen sind Fieber und ein roter Ausschlag. In schweren Verläufen können lebensbedrohliche Komplikationen auftreten, darunter Entzündungen im Bereich des Nervensystems.
Säugling stirbt in Wisconsin
In Wisconsin starb ein Baby an Masern. Für den Bundesstaat ist es der erste bekannte Todesfall durch diese Krankheit seit 1990. Die Leiterin der Gesundheitsbehörde von Wisconsin, Kirsten Johnson, bezeichnete den Tod eines Kindes als Tragödie, besonders bei einer Erkrankung, gegen die Impfstoffe schützen können. Sie rief die Bevölkerung dazu auf, sich und Angehörige zu schützen.
Auch New York meldete in dieser Woche einen tödlichen Verlauf bei einem Kind. Es war dort der erste Masern-Todesfall seit drei Jahrzehnten. Gouverneurin Kathy Hochul hatte bereits im Oktober wegen des Ausbruchs den Notstand ausgerufen. Nach Behördenangaben trifft die Welle unter anderem ländliche Regionen.
Hinzu kommt ein gemeldeter Todesfall einer Frau in Pennsylvania. Damit ist die Zahl der innerhalb weniger Tage bekannt gewordenen Todesfälle weiter gestiegen. Die Häufung verstärkt den Druck auf Gesundheitsbehörden und Politik, die Ausbreitung einzudämmen und Impflücken zu schließen.
Debatte über Impfungen verschärft sich
Die Entwicklung rückt die Impfdebatte in den USA erneut in den Mittelpunkt. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., der von Präsident Donald Trump ins Amt gebracht wurde, steht wegen seiner Haltung zu Impfungen seit längerem in der Kritik. Er hat wiederholt Zweifel an Impfungen geäußert; zudem stellte er die Sicherheit der Masernimpfung infrage.
Auch Trump selbst deutete wiederholt einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus an. Das widerspricht dem Stand der medizinischen Forschung. In Teilen der Bevölkerung hat die Skepsis gegenüber Impfungen in den vergangenen Jahren zugenommen. Gesundheitsfachleute sehen darin einen wichtigen Grund dafür, dass Masern wieder größere Ausbrüche verursachen können.
New Yorks Gouverneurin Hochul machte die Gesundheitspolitik der US-Regierung für die aktuelle Lage mitverantwortlich. Sie warf ihr vor, frühere Fortschritte beim Schutz vor vermeidbaren Krankheiten zu untergraben.
Krankheit galt als eliminiert
In den USA waren Masern im Jahr 2000 offiziell als eliminiert eingestuft worden. Das bedeutete nicht, dass keine importierten Fälle mehr auftreten konnten, sondern dass sich das Virus nicht dauerhaft im Land verbreitete. Die jetzigen Zahlen zeigen, wie schnell dieser Status unter Druck geraten kann, wenn Infektionsketten länger bestehen bleiben.
Masern werden häufig als Kinderkrankheit wahrgenommen. Ungeimpfte Erwachsene können sich jedoch ebenfalls infizieren. Der Schutz durch Impfung gilt deshalb nicht nur für Kinder, sondern auch für Bevölkerungsgruppen, in denen Immunitätslücken bestehen. Die aktuelle Welle führt den Behörden vor Augen, dass eine Krankheit, die über Jahre kontrollierbar erschien, bei sinkendem Impfschutz wieder erhebliche Folgen haben kann.