Wissen & Technik · Globale Rekordwärme
Copernicus sieht 2026 nahezu sicher über 1,5 Grad
Der EU-Klimadienst Copernicus rechnet inzwischen nahezu sicher damit, dass 2026 im globalen Jahresmittel mehr als 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegen wird. Im Oktober erreichte die weltweite bodennahe Lufttemperatur 15,35 Grad Celsius. Das waren 1,75 Grad mehr als vor Beginn der Industrialisierung und der höchste Oktoberwert in den verfügbaren globalen Datensätzen. Zugleich lag die Erde damit den dritten Monat in Folge über der politisch zentralen 1,5-Grad-Marke.
Zweites Jahr über der Schwelle
Nach der statistischen Prognose von Copernicus wäre 2026 das zweite Kalenderjahr, in dem die globale Durchschnittstemperatur oberhalb von 1,5 Grad liegt. Erstmals war dies 2024 der Fall. Für das laufende Jahr erwartet der Klimadienst außerdem mit hoher Wahrscheinlichkeit den zweithöchsten Jahreswert seit Beginn der globalen Temperaturaufzeichnungen.
Die Einordnung ist bedeutsam, weil einzelne Monate und auch einzelne Jahre die langfristige Klimagrenze des Pariser Abkommens noch nicht formell überschreiten. Maßgeblich ist dabei ein Mittelwert über viele Jahre. Dennoch zeigen die wiederholten Ausschläge, wie stark sich das Klimasystem bereits erwärmt hat. Samantha Burgess vom Copernicus Climate Change Service verwies darauf, dass nicht nur Lufttemperaturen, sondern auch die Meere Rekordniveau erreichen. Besonders wichtig sei zudem, dass voraussichtlich auch der Durchschnitt über vier Jahre oberhalb von 1,5 Grad liegen werde.
Meere erreichen Oktoberrekord
Auch die Ozeane blieben im Oktober ungewöhnlich warm. Für die Meeresoberfläche außerhalb der Polargebiete ermittelte Copernicus im Monatsmittel 20,95 Grad Celsius. Das ist ein neuer Höchstwert für einen Oktober und übertrifft den bisherigen Oktoberrekord aus dem Jahr 2023.
Ein Teil der hohen Werte hängt mit dem Wetterphänomen El Niño zusammen. Dabei erwärmt sich der tropische Pazifik in bestimmten Phasen besonders stark, was globale Temperaturmuster beeinflussen kann. Die hohen Meerestemperaturen sind für die Klimabeobachtung wichtig, weil die Ozeane große Mengen Wärme aufnehmen und Veränderungen dort lange nachwirken können.
Europa mit deutlichen Unterschieden
In Europa war der Oktober nach Copernicus-Angaben der zweitwärmste in der jeweiligen Datenreihe. Die Durchschnittstemperatur lag bei 11,51 Grad Celsius. Besonders große positive Abweichungen wurden in Osteuropa und in Skandinavien verzeichnet. In vielen Teilen West- und Mitteleuropas fiel die Wärmeabweichung dagegen schwächer aus.
Das Muster unterscheidet sich damit von Teilen des Sommers, als vor allem Westeuropa Rekordwerte erlebte. Die regionalen Unterschiede ändern jedoch nichts am globalen Befund: Weltweit lagen Luft und Meere im Oktober auf einem außergewöhnlich hohen Niveau.
Pariser Ziel unter Druck
Mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 vereinbarte die Staatengemeinschaft, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Die Grenze gilt als politisch und wissenschaftlich wichtige Marke, weil mit steigenden Temperaturen Risiken für Ökosysteme, Wetterextreme, Wasserverfügbarkeit und Küstenregionen zunehmen.
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen hat zuletzt eingeräumt, dass ein dauerhaftes Überschreiten dieser Schwelle kaum noch abzuwenden ist. Die neuen Copernicus-Daten erscheinen kurz vor der Weltklimakonferenz, die am Montag im türkischen Antalya beginnen soll. Dort steht erneut im Mittelpunkt, wie Staaten ihre Emissionen senken und den Ausstieg aus fossilen Energien voranbringen wollen.