Sport · Tennis in Paris
Zverev verliert Premiere als Nummer eins in Paris
Alexander Zverev hat sein erstes Spiel als Nummer eins der Tennis-Weltrangliste verloren. Der 29 Jahre alte Hamburger unterlag beim Masters in Paris in der zweiten Runde dem Italiener Lorenzo Musetti 6:7 (5:7), 2:6. Damit ist Zverev früh ausgeschieden, obwohl er erst kurz zuvor als erster deutscher Männerprofi seit Boris Becker 1991 die Spitze des Rankings übernommen hatte.
Tiebreak kippt nach Zverev-Führung
Der erste Satz blieb lange offen und wurde im Tiebreak entschieden. Dort lag Zverev bereits 5:2 vorn, gab den Vorsprung aber noch ab. Musetti erhöhte in dieser Phase das Risiko und kam mit seiner Variante häufig durch. Immer wieder nahm der Italiener mit Rückhand-Slices Tempo aus den Ballwechseln, wodurch Zverev weniger Druck aufbauen konnte.
Im zweiten Durchgang geriet Zverev früh in Rückstand. Beim Stand von 1:2 verlor er seinen Aufschlag und fand danach nicht mehr in die Partie zurück. Musetti nutzte die Schwächephase konsequent und ließ den Deutschen nicht mehr herankommen. Zverev ordnete die Niederlage anschließend deutlich ein. Musetti habe sehr stark gespielt, er selbst dagegen sehr schwach, sagte er. Es sei einer seiner schwächeren Auftritte der vergangenen Monate gewesen.
Für Musetti setzte sich damit eine auffällige Serie fort. Der Weltranglisten-24. gewann vier der vergangenen fünf Duelle mit Zverev. Zudem gehört er nun zu einer kleinen Gruppe von Spielern, die einen neuen Weltranglistenersten gleich in dessen erster Partie nach dem Sprung an die Spitze schlagen konnten. Zverev ist der erste Führende im ATP-Ranking seit 2022, der seine Auftaktpartie als Nummer eins verlor.
Zweifel am Status nerven Zverev
Zverev hatte die Führung in der Weltrangliste nach seinem Turniersieg in Wien übernommen. Schon am Montag war er in Paris offiziell gewürdigt worden. Er erhielt einen Pokal, außerdem gab es Glückwünsche per Video, unter anderem von Rafael Nadal und seinem Vorgänger Jannik Sinner.
Die sportliche Debatte um seinen Aufstieg begleitet Zverev dennoch. In der Tennisszene wird darüber diskutiert, wie sein Sprung an die Spitze einzuordnen ist. Sinner und Carlos Alcaraz fehlten in dieser Saison über längere Zeit verletzt. Außerdem weist Zverev 2026 gegen Spieler aus den Top Ten eine negative Bilanz auf. Zugleich gewann er in Paris und New York seine ersten beiden Grand-Slam-Titel.
Zverev reagierte nach dem Aus in Paris gereizt auf die wiederkehrenden Fragen. Er sagte, er habe den Eindruck, sich ungewöhnlich oft für seine Position erklären zu müssen. Für ihn stehe fest, dass er sich den Platz an der Spitze erarbeitet habe. Ausreden für die Niederlage gegen Musetti suchte er dabei nicht.
Scharfe Antwort auf Becker
Neben der sportlichen Niederlage rückte auch der Konflikt mit Boris Becker in den Fokus. Der sechsmalige Grand-Slam-Sieger hatte Zverevs Wirkung in Deutschland thematisiert und unter anderem dessen Auftreten in deutschsprachigen Interviews sowie den Umgang mit Journalisten kritisiert. Außerdem sprach Becker darüber, dass Zverev sich politisch nicht öffentlich zum Krieg in der Ukraine äußere. Das könne er persönlich nachvollziehen, es wirke aber nach außen nicht günstig.
Zverev wies diese Einschätzungen zurück. Über Becker sagte er, dieser erzähle “relativ viel Blödsinn”. Er habe den Eindruck, Becker wolle vieles kommentieren, was er tue, und suche derzeit nach Ansatzpunkten, ihn herabzusetzen. Zur Frage politischer Stellungnahmen erklärte Zverev, er habe dazu eine klare Meinung, werde sie aber nicht ungefragt in sozialen Netzwerken verbreiten.
Auch Beckers Einschätzung zur Unterstützung des Publikums bei Zverevs Grand-Slam-Finals sah der Weltranglistenerste anders. In Paris habe er große Zustimmung gespürt, in Wimbledon gegen Jannik Sinner sei die Stimmung aus seiner Sicht ausgeglichen gewesen. In New York sei es naheliegend gewesen, dass viele Zuschauerinnen und Zuschauer den US-Amerikaner Ben Shelton unterstützt hätten.
Struff bleibt im Feld
Nach Zverevs frühem Aus ist Jan-Lennard Struff der einzige verbliebene deutsche Profi im Einzel von Paris. Sein nächster Gegner ist der Argentinier Thiago Agustín Tirante.
Für Zverev verschiebt sich der Blick nun auf die letzten Saisonziele. Vom 15. bis 22. November stehen die ATP Finals an. Direkt danach folgt die Davis-Cup-Endrunde in Bologna. Deutschland trifft dort zunächst am 26. November auf Großbritannien. Bei einem Sieg käme es im Halbfinale zum Duell mit Spanien oder Österreich.