Sport · Eishockey-WM 2027
Russland-Streit setzt Eishockey-WM unter Druck
Der Streit über eine mögliche Rückkehr Russlands zu Eishockey-Weltmeisterschaften verschärft sich. Der Weltverband IIHF hat seine Entscheidung zur Umsetzung eines Urteils des Internationalen Sportgerichtshofs CAS zunächst verschoben. Gleichzeitig wächst der Druck auf den Deutschen Eishockey-Bund als Ausrichter der WM 2027: Mehrere europäische Teams wollen nicht gegen Russland antreten, mehrere Geldgeber stellen ihre Präsenz beim Turnier in Deutschland infrage.
Weltverband berät weiter
Der CAS hatte am Freitag entschieden, dass Russland bereits in der laufenden Saison wieder an WM-Wettbewerben teilnehmen darf. Damit wäre auch eine Teilnahme an der Männer-WM im Mai 2027 in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim möglich. Russland ist seit dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 von internationalen Eishockey-Wettbewerben ausgeschlossen.
Die IIHF beriet am Montag und Dienstag über die Folgen des Schiedsspruchs. Eine abschließende Festlegung blieb jedoch aus. IIHF-Präsident Franz Reindl sagte, das Treffen werde am Donnerstag fortgesetzt. Der Verband erklärte zudem, er halte an seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem CAS-Beschluss fest.
Als Gründe nennt die IIHF erhebliche organisatorische und sportliche Probleme. Dazu zählen Einreise- und Visafragen, Sicherheitskonzepte, logistische Vorgaben und Auswirkungen auf Turnierformate. Der Verband sieht diese Folgen durch die kurze verbleibende Zeit verschärft, weil erste Wettbewerbe bereits in wenigen Wochen beginnen.
Boykottdrohungen mehrerer Nationen
Der Widerstand kommt vor allem aus Europa. Finnland, Schweden, Tschechien, Dänemark, Norwegen und Lettland haben angekündigt, nicht gegen Russland spielen zu wollen oder mit einem Boykott zu reagieren. Als Grund wird der russische Krieg gegen die Ukraine genannt.
Für den Gastgeber Deutschland entsteht damit ein schwieriges Szenario. Der Deutsche Eishockey-Bund hatte nach dem CAS-Urteil eine Rückgabe der Ausrichtung nicht ausgeschlossen. Eine WM ohne mehrere Top-Nationen würde das Turnier sportlich und organisatorisch stark belasten. Zugleich wäre eine Teilnahme Russlands politisch hoch umstritten.
Die Weltmeisterschaft 2027 ist als Heimturnier für den deutschen Eishockeysport von großer Bedeutung. Der DEB müsste im Fall einer Zulassung Russlands nicht nur sportliche Fragen klären, sondern auch den Umgang mit möglichen Absagen anderer Teams und Partnern des Turniers.
Sponsoren prüfen Rückzug
Auch aus der Wirtschaft kommt deutlicher Druck. Der tschechische Autobauer Skoda, seit 1993 Hauptsponsor der Männer-Weltmeisterschaften, will sein Engagement überdenken, falls Russland zugelassen wird. Das Unternehmen gehört zum Volkswagen-Konzern und begründet seine Haltung mit der anhaltenden russischen Aggression gegen die Ukraine. Eine Rückkehr der russischen Nationalmannschaft passe nicht zu den eigenen Grundsätzen, teilte der Autobauer mit.
Der Arbeitskleidungshändler Strauss kündigte an, bei einer Teilnahme Russlands auf Logopräsenz im Turnierumfeld zu verzichten. Das hessische Familienunternehmen, seit 2021 Werbepartner der IIHF, prüft zudem einen kompletten Rückzug als Sponsor.
Zuvor hatten bereits ein schwedischer Büromöbelhersteller und ein tschechischer Wettanbieter Konsequenzen angekündigt. Der Möbelhersteller, seit 1989 einer der großen Geldgeber bei Eishockey-Weltmeisterschaften, will aussteigen. Der Wettanbieter erklärte, bei Spielen mit russischer Beteiligung nicht werben zu wollen.
Damit drohen der IIHF und dem deutschen Ausrichter finanzielle und imagebezogene Folgen. Sponsoren sind bei internationalen Turnieren zentrale Partner für Vermarktung, Sichtbarkeit und Einnahmen. Wenn mehrere Geldgeber abspringen, würde dies die Planungen für die WM zusätzlich erschweren.
Sportliche Vorbereitung läuft weiter
Der Konflikt fällt in eine Phase, in der die deutsche Nationalmannschaft sportlich einen Neuanfang vorbereitet. André Rankel steht vor seinem ersten Spiel als Bundestrainer. Am Donnerstag trifft Deutschland beim Deutschland Cup in Düsseldorf auf Österreich.
Rankel sagte nach dem Training, er habe mit der Mannschaft über das Thema gesprochen. In der Kabine solle es nun keine Rolle mehr spielen. Er hätte sich vom CAS eine andere Entscheidung gewünscht, wolle sich mit seinem Team aber auf die beeinflussbaren Aufgaben konzentrieren.
Der Fall zeigt, wie stark der internationale Sport weiterhin vom Krieg gegen die Ukraine geprägt ist. Der CAS-Beschluss hat Russland formal den Weg zurück eröffnet. Ob die IIHF das Urteil praktisch umsetzt und welche Folgen das für die WM 2027 in Deutschland hätte, bleibt nun Gegenstand der laufenden Beratungen.