Sport · Champions League
VfB Stuttgart verpasst Sieg gegen Atlético Madrid
Der VfB Stuttgart hat in der Champions League einen möglichen Überraschungssieg gegen Atlético Madrid verpasst. Die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß trennte sich am Dienstagabend vor 58.000 Zuschauerinnen und Zuschauern 1:1 (1:0) vom spanischen Favoriten. Jamie Leweling brachte Stuttgart in der 36. Minute in Führung, Julián Álvarez glich kurz nach der Pause aus. Nach der Roten Karte für Morten Hjulmand in der 64. Minute spielte der VfB fast eine halbe Stunde mit einem Mann mehr, fand aber keinen zweiten Treffer.
Starker Beginn des VfB
Stuttgart startete mit hohem Tempo und setzte Atlético früh unter Druck. Schon in der Anfangsminute musste Torhüter Jan Oblak zweimal eingreifen: erst gegen Bilal El Khannouss, kurz darauf gegen Josha Vagnoman. Auch Angelo Stiller prüfte den Keeper in der Anfangsphase aus der Distanz. Atlético kam zunächst kaum in geordnete Angriffe und war in den Zweikämpfen oft später am Ball.
Der VfB blieb mutig, gewann viele zweite Bälle und zwang die Gäste immer wieder zu Fehlern. Die Führung entstand aus konsequentem Nachsetzen: Stiller eroberte nahe des Strafraums den Ball gegen Marc Pubill, Leweling nutzte die Situation und traf mit einem leicht abgefälschten Schuss ins linke Eck. Für den Stuttgarter Nationalspieler war es der verdiente Lohn einer dominanten ersten Halbzeit.
Im VfB-Tor feierte Dennis Seimen sein Debüt in der Champions League. Der 20-Jährige hatte lange wenig zu tun und musste erst kurz vor der Pause bei einem Kopfball von David Hancko sicher zupacken. Zur Halbzeit führte Stuttgart verdient, weil Atlético offensiv kaum Wirkung entfaltete.
Álvarez bestraft Stuttgarter Unordnung
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild zunächst schnell. Atlético brachte Ademola Lookman, der beim ersten gefährlichen Angriff der zweiten Hälfte über links vorbereitete. Álvarez fand im Zentrum Raum und schoss den Ball in der 47. Minute ins rechte obere Eck. Die starke Stuttgarter erste Halbzeit war damit nach wenigen Minuten nicht mehr auf der Anzeigetafel sichtbar.
In dieser Phase wurde das Spiel offener. Atlético hatte mehr Zugriff, Stuttgart musste auch defensiv mehr investieren. Seimen verhinderte gegen Pablo Barrios mit dem Fuß einen Rückstand. Zudem musste Vagnoman angeschlagen ausgewechselt werden.
Dann schwächten sich die Gäste selbst. Hjulmand traf Stiller bei einem Stuttgarter Gegenangriff hart von hinten und sah Rot. Die Entscheidung gab dem VfB wieder mehr Ballbesitz und Feldvorteile, doch Atlético zog sich kompakt zurück und verteidigte den eigenen Strafraum konsequent.
Überzahl bringt keinen Siegtreffer
Stuttgart erhöhte in der Schlussphase den Druck, ohne die Klarheit der ersten Halbzeit wiederzufinden. Grischa Prömel kam per Kopf zu einer Möglichkeit, Jeff Chabot hatte in der 81. Minute nach einer Ecke die beste Chance auf das 2:1, setzte den Ball aber knapp neben das Tor. Auch der eingewechselte Ermedin Demirovic, der in dieser Champions-League-Saison bereits viermal getroffen hat, konnte das Spiel nicht mehr entscheiden.
Kapitän Deniz Undav sprach nach der Partie von „verlorenen zwei Punkten“. Der VfB sei klar besser gewesen und habe viele Gelegenheiten gehabt, sagte er. Zugleich verwies er auf ein wiederkehrendes Problem: Aus guten Chancen entstehe derzeit zu wenig Ertrag. Sportvorstand Fabian Wohlgemuth lobte den Auftritt als bislang stärkstes Stuttgarter Saisonspiel, sah die Mannschaft aber durch eine Unachtsamkeit um den größeren Lohn gebracht.
Gute Lage in Europa, Druck in der Liga
Trotz des verpassten Siegs bleibt Stuttgart in der Champions League gut positioniert. Nach drei Spielen hat der Bundesligist sieben von neun möglichen Punkten geholt und ist damit weiter ungeschlagen. Für Atlético setzte sich eine Serie fort: Die Mannschaft von Trainer Diego Simeone blieb zum sechsten Mal in Folge bei einem Bundesligisten ohne Sieg.
In der Bundesliga ist die Situation für den VfB schwieriger. Stuttgart steht derzeit auf Rang 13 und spielt am Freitag gegen Schlusslicht Borussia Mönchengladbach. Die Leistung gegen Atlético dürfte Selbstvertrauen geben, die mangelnde Effizienz bleibt aber ein Thema. Nach der Niederlage beim Hamburger SV hatte der VfB bereits Chancen liegen gelassen. Gegen Madrid reichte eine reife Vorstellung erneut nicht zum maximalen Ergebnis.