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Stündlich aktualisiert

Sport · Hannover 96

Hannover 96 entlässt Sportchef Jonas Boldt

Nach nur fünf Monaten trennt sich Hannover 96 von Sport-Geschäftsführer Jonas Boldt. Der Zweitligist steht auf Rang 16 und ist im DFB-Pokal ausgeschieden.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine leere Bank in einem Fußballstadion steht für die Führungskrise bei einem Verein.
Symbolbild: Eine leere Bank in einem Fußballstadion steht für die Führungskrise bei einem Verein. KI-generiert

Hannover 96 hat Sport-Geschäftsführer Jonas Boldt mit sofortiger Wirkung abberufen. Der Aufsichtsrat der Hannover 96 Management GmbH fasste den Beschluss am Samstag einstimmig, wie der Klub mitteilte. Nach dem Aus des 44-Jährigen führt Henning Bindzus die Hannover 96 GmbH & Co. KGaA allein. Die Trennung kommt mitten in einer sportlichen Krise: Hannover steht in der 2. Bundesliga auf Platz 16 und scheiterte unter der Woche im DFB-Pokal.

Schnelles Ende nach langem Vertrag

Boldt war erst vor wenigen Monaten nach Hannover gekommen. Ende Mai übernahm er die Nachfolge von Jörg Schmadtke, sein Vertrag lief ursprünglich bis Ende Mai 2029. Damit verlässt in diesem Jahr bereits der zweite bekannte Fußballmanager den Verein nach kurzer Zeit wieder.

Mit Boldts Verpflichtung war ein klarer Anspruch verbunden. Der frühere Manager des Hamburger SV sollte Hannover sportlich neu ausrichten und den Weg zurück in die Bundesliga vorbereiten. Stattdessen geriet der Klub früh unter Druck. Nach neun Ligaspielen stehen nur acht Punkte zu Buche. Vor dem Heimspiel am Sonntag gegen Dynamo Dresden um 13.30 Uhr steckt Hannover tief im Tabellenkeller.

Auch der Pokal brachte keine Entlastung. Gegen den 1. FC Kaiserslautern verlor die Mannschaft mit 0:2 und schied in der zweiten Runde aus. Drei Tage nach diesem Rückschlag ist Boldts Amtszeit beendet.

Trainerwechsel ohne Wende

Ein zentraler Einschnitt der kurzen Boldt-Phase war der Trainerwechsel im September. Nach dem schwachen Saisonstart musste Christian Titz bereits nach dem fünften Spieltag gehen. Boldt holte Sandro Wagner als Nachfolger. Der frühere Nationalspieler sollte Stabilität und neue Energie bringen.

Der Effekt blieb bislang aus. Unter Wagner wartet Hannover noch auf den ersten Sieg. In den ersten drei Ligaspielen unter seiner Leitung gab es nur einen Punkt, hinzu kam das Pokal-Aus gegen Kaiserslautern. Die Entwicklung auf dem Platz blieb damit weiter hinter den Erwartungen zurück.

Schon in der Vorbereitung hatte es zwischen Boldt und Titz Differenzen gegeben. Dabei ging es um die Kaderplanung, die Größe des Aufgebots und um Transferwünsche. Diese Spannungen belasteten die sportliche Arbeit früh in der Saison.

Kritik an Transfers und Kurs

Boldt stand zuletzt auch wegen der Zusammenstellung des Kaders unter Druck. Hannover verlor im Sommer mehrere Spieler mit Entwicklungspotenzial an Erstligisten oder größere Klubs. Noel Aseko wechselte zu Eintracht Frankfurt, Enzo Leopold zu Borussia Mönchengladbach, Daisuke Yokota zu den Glasgow Rangers.

Als Verstärkungen kamen unter anderem Marcel Hartel und Berat Sahiti. Sie blieben bisher ohne durchschlagende Wirkung. In der Fanszene wuchs die Kritik nicht nur an den Ergebnissen, sondern auch an den sportlichen Entscheidungen und am Kurs des Vereins.

Für Hannover verschärft die Tabellenlage die Bedeutung der kommenden Wochen. Klubpatron Martin Kind warnte am Freitag vor den Folgen eines Abstiegs. Der Verein habe in Arena und Akademie investiert. Bei einem Gang in die 3. Liga sei „das ganze Modell nicht finanzierbar“, sagte Kind. Einen solchen Fall könne er nicht akzeptieren.

Unruhe vor wichtigem Heimspiel

Boldt selbst hatte nach dem Pokal-Aus noch auf die angespannte Lage verwiesen. Die Unruhe gebe es schon länger, erklärte er sinngemäß. Er sei geholt worden, weil eine „Neuausrichtung“ gewollt gewesen sei. Diese Aufgabe könne er annehmen und weiter daran arbeiten. Wenige Tage später entschied die Klubführung anders.

Die Entlassung zeigt, wie groß der Druck bei Hannover 96 geworden ist. Der Verein war mit Aufstiegsambitionen in die Saison gegangen, kämpft nun aber gegen den Absturz in der 2. Bundesliga. Vor dem Spiel gegen Dynamo Dresden steht nicht nur die Mannschaft unter Zugzwang. Auch die Führung muss nach der nächsten Personalzäsur rasch klären, wer den sportlichen Bereich künftig steuert.