Sport · Bundesliga-Krise
Gladbach stürzt nach sechster Pleite historisch ab
Borussia Mönchengladbach steckt nach dem 1:2 gegen die TSG Hoffenheim tiefer in der Krise als zuvor. Das Team von Trainer Alexander Blessin verlor am Sonntagabend im Borussia-Park auch sein sechstes Bundesligaspiel der Saison und bleibt als einziges Team der Liga ohne Punkt. Damit gehört Gladbach nun zu nur vier Vereinen der Bundesliga-Geschichte, die mit sechs Niederlagen gestartet sind. Hoffenheim dagegen nutzte das direkte Duell im Tabellenkeller, beendete die eigene Negativserie und rückte auf Rang 14 vor.
Früher Rückstand im Kellerduell
Das Spiel begann für Gladbach unruhig. Kapitän Kevin Diks musste früh behandelt werden, nachdem er in einem Kopfballduell am Auge getroffen worden war. Sportlich fanden zunächst vor allem die Gäste in die Partie. Hoffenheim spielte sicherer, kombinierte über die linke Seite und kam mit dem ersten gefährlichen Angriff zur Führung. Bambasé Conté vollendete in der elften Minute aus kurzer Distanz zum 0:1.
Gladbach brauchte lange, um offensiv Wirkung zu entwickeln. Die Mannschaft agierte vorsichtig, verlor häufig den Zugriff und kam nur selten in aussichtsreiche Abschlusspositionen. Hoffenheim blieb gefährlicher. Moritz Nicolas verhinderte gegen Mats Rots ein weiteres Gegentor, später traf Fisnik Asllani mit einem Freistoß die Latte. Die Unzufriedenheit auf den Rängen wuchs sichtbar. Zur Pause gab es Pfiffe, zudem forderten Teile des Publikums mit Rufen: „Wir wollen euch kämpfen sehen.“
Für Blessin war es die erste Heimpartie als Cheftrainer der Borussia. Eine klare Wende brachte der Trainerwechsel zunächst nicht. Der Auftritt vor der Pause passte zur Lage eines Teams, das nach dem verlorenen Rheinderby weiter nach Sicherheit sucht und zugleich dringend Ergebnisse braucht.
Mohya trifft, Hoffenheim antwortet sofort
Nach dem Seitenwechsel zeigte Gladbach mehr Entschlossenheit. Isac Lidberg kam kurz nach Wiederbeginn zu einer Möglichkeit, wenig später gelang der Ausgleich. Der 17-jährige Wael Mohya zog von links nach innen und traf in der 49. Minute ins lange Eck. Für einen Moment schien Borussia den Druck abschütteln zu können.
Doch die Hoffnung hielt nur wenige Minuten. In einer Phase, in der Gladbach höher stand und mehr riskierte, fand Hoffenheim Räume für schnelle Angriffe. Alexander Prass nutzte in der 54. Minute die Gelegenheit und brachte die Gäste erneut in Führung. Zuvor hatte es nach einem Zweikampf zwischen Hoffenheims Torhüter Oliver Baumann und Diks noch eine Überprüfung gegeben; ein Elfmeter für Gladbach wurde nicht verhängt.
Nach dem 1:2 drohte der Borussia mehrfach der nächste Gegentreffer. Adam Hlozek hatte zwei sehr gute Chancen, scheiterte aber jeweils an Nicolas oder am Abschlusswinkel. Gladbach kam nur noch selten durch. Die beste Gelegenheit zum Ausgleich hatte Joe Scally in der Schlussphase, sein Schuss wurde in der 86. Minute noch geblockt. Am Ende blieb Hoffenheim der verdiente Sieger.
Blessin kritisiert Mutlosigkeit
Nach dem Spiel fand Blessin deutliche Worte für die Leistung seiner Mannschaft. Er bemängelte vor allem das Defensivverhalten vor dem zweiten Gegentor und die fehlende Überzeugung im Spiel nach vorn. Besonders die Schlussphase der ersten Halbzeit missfiel ihm. Gladbach habe mit Rückpässen und wenig Risiko das Publikum nicht mitnehmen können. Er nannte das Auftreten „Angsthasenfußball“ und sprach von mutlosen Entscheidungen.
Diks versuchte den Blick dennoch nach vorn zu richten. „Wir müssen einfach weitermachen und arbeiten für die Punkte“, sagte der Kapitän. Die Aufgabe bleibt allerdings schwer: Gladbach steht nach sechs Spieltagen mit null Punkten am Tabellenende. Der Rückstand auf den neuen Vorletzten Union Berlin beträgt fünf Zähler.
Hoffenheim durfte dagegen aufatmen. Nach vier Pflichtspielniederlagen nacheinander gelang der Mannschaft von Christian Ilzer ein wichtiger Befreiungsschlag. Conté und Prass sorgten mit ihren Toren nicht nur für den zweiten Ligasieg der Saison, sondern auch für Abstand zu den Abstiegsplätzen.
Historischer Fehlstart mit Warnsignal
Gladbachs Start ist nun historisch schlecht. Sechs Niederlagen aus den ersten sechs Bundesligapartien hatten zuvor nur Fortuna Düsseldorf in der Saison 1991/92, der FSV Mainz 05 in der Spielzeit 2020/21 und der VfL Bochum 2022/23 hinnehmen müssen. Mainz und Bochum schafften später dennoch den Klassenverbleib, Düsseldorf stieg ab.
Für Borussia verschärft sich die Lage zusätzlich durch den kommenden Spielplan. Am Freitag wartet das Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart. Verliert Gladbach auch dort, wäre es der erste Bundesligastart eines Vereins mit sieben Niederlagen aus sieben Spielen. Die Krise ist damit nicht mehr nur eine Momentaufnahme, sondern ein historischer Belastungstest für Mannschaft und Trainerteam.