Sport · Bundesliga-Formhoch
Füllkrug trifft doppelt und führt Werder nach oben
Niclas Füllkrug bleibt der prägende Spieler des SV Werder Bremen. Beim 3:2-Auswärtssieg in Mainz verwandelte der 33 Jahre alte Mittelstürmer zwei Foulelfmeter und brachte sein Team früh auf Kurs. Mit nun acht Treffern aus den vergangenen sechs Bundesligaspielen führt er die Torjägerwertung an. Zugleich rückt er wieder stärker in den Blick der Nationalmannschaft, ohne daraus öffentlich eine Forderung abzuleiten.
Zwei Elfmeter, sechstes Spiel ohne Niederlage
Werder erwischte in Mainz einen starken Beginn. Füllkrug traf zunächst in der 7. Minute vom Punkt unten links, wenig später setzte er den zweiten Strafstoß in der 25. Minute hoch in die linke Ecke. Mainz kam durch Anthony Caci in der 33. Minute zum Anschluss, doch Ludovit Reis stellte nach einer guten Stunde auf 3:1. Jae-Sung Lee verkürzte nur zwei Minuten später noch einmal, der Bremer Sieg hielt aber bis zum Schluss.
Für Werder war es das sechste Bundesligaspiel nacheinander ohne Niederlage. Die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune steht nach dem besten Saisonstart seit acht Jahren im oberen Tabellendrittel. Neben Füllkrug ragten auch die Verteidiger Amos Pieper und Marco Friedl heraus. Füllkrug lobte sie nach der Partie ausdrücklich und sagte über die Abwehrspieler: „Ich liebe die Jungs da hinten.“
Mitchell Weiser spielte nach langer Pause erstmals wieder von Beginn an. Er war an beiden Elfmeterszenen beteiligt und gab dem Bremer Spiel zusätzliche Struktur auf der rechten Seite. Füllkrug hob hervor, dass Weiser den Ball fordere und festmache. Für Werder ist das wichtig, weil die Mannschaft deutlich aktiver und offensiver auftritt als in früheren Spielzeiten.
Füllkrug als Torjäger und Verbindungsspieler
Füllkrug ist nicht nur Abschlussstürmer. Er bindet Gegner, behauptet Bälle und lässt sich immer wieder in tiefere Räume fallen. In dieser Saison kommt er auf auffällige Werte in Zweikämpfen und Laufleistung. Nach dem Spiel in Mainz freute er sich besonders über rund elf gelaufene Kilometer. Für ihn ist das ein Zeichen, dass sein Körper wieder stabiler funktioniert.
In den vergangenen Jahren war das nicht selbstverständlich. Bei West Ham United und während seiner Zeit bei der AC Mailand kam Füllkrug nie dauerhaft in Rhythmus. Verletzungen und fehlende Trainingskonstanz bremsten ihn. In Bremen erhält er wieder mehr Ballkontakte und ist stärker in das Spiel eingebunden. Er selbst beschrieb den Unterschied so: In England und Italien seien es oft nur etwa 25 Aktionen am Ball gewesen, nun liege er bei 55 bis 60.
Thioune sieht in Füllkrug einen zentralen Faktor für Werders Entwicklung. Der Trainer sagte über seinen Angreifer: „Der Junge hat Energie ohne Ende.“ Außerdem verglich er dessen Wirkung auf die Mannschaft mit einem Zug, der viele mitnimmt. Auf dem Platz zeigt sich das nicht nur in Toren, sondern auch in Führungsarbeit, Zweikämpfen und Kommunikation mit Mitspielern.
Nationalmannschaft bleibt ein Thema
Durch seine Trefferquote wird Füllkrug automatisch wieder mit der deutschen Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Bundestrainer Jürgen Klopp hatte zuletzt auf zwei Punkte verwiesen: Füllkrug treffe regelmäßig in der Bundesliga, sei aber 33 Jahre alt. Der Stürmer reagierte gelassen. Klopp habe „Fakten aufgezählt“, sagte er nach dem Mainz-Spiel.
Füllkrug betont, dass er sich nicht über die Nationalelf definiert. „Ich spiele nicht, um Nationalspieler zu werden“, sagte er. Er wolle aus jeder Gelegenheit möglichst viel machen. Damit vermeidet er öffentlichen Druck, bleibt sportlich aber ein Kandidat. Deutschland bestreitet im November Nations-League-Spiele gegen Serbien und die Niederlande.
Auch Klopps Assistent Peter Krawietz war in Mainz vor Ort. Er sah einen Stürmer, der trotz großer Belastung bis zu seiner Auswechslung aktiv blieb. Füllkrug war nach 81 Minuten sichtbar erschöpft und ärgerte sich, weil der Wechsel nicht früher zustande gekommen war. Cedric Itten kam schließlich für ihn ins Spiel.
Rekordmarke und nächste Aufgaben
Setzt Füllkrug seine Serie fort, kann er im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim einen alten Bremer Wert erreichen. Rudi Völler traf in der Saison 1982/83 in sieben Bundesligapartien nacheinander. Füllkrug steht derzeit bei sechs Spielen in Serie mit Torerfolg.
Zuvor wartet auf Werder am Dienstag das DFB-Pokalspiel bei Borussia Dortmund. Die Bremer werden dort wohl wieder auf defensive Stabilität und Füllkrugs Präsenz angewiesen sein. Das jüngste Ligaduell in Dortmund zeigte bereits die Widerstandskraft der Mannschaft: Werder holte nach einem 0:2-Rückstand kurz vor Schluss noch ein 2:2. Den Ausgleich erzielte Füllkrug.
Für Bremen ist die Rückkehr des Angreifers bislang ein sportlicher Gewinn. Füllkrug bringt Tore, Erfahrung und körperliche Präsenz. Gleichzeitig profitiert er von einem Umfeld, in dem er wieder fit wirkt und viele Aktionen bekommt. Diese Mischung macht ihn derzeit zu einem der auffälligsten Spieler der Bundesliga.