Sport · Champions League
Dortmund gewinnt durch spätes Karetsas-Tor
Borussia Dortmund hat in der Champions League einen wichtigen Heimsieg gefeiert. Der BVB setzte sich am Mittwochabend gegen Real Betis mit 2:1 durch. Konstantinos Karetsas erzielte in der 72. Minute den entscheidenden Treffer, nachdem er schon in der ersten Halbzeit für den verletzten Serhou Guirassy ins Spiel gekommen war. Für den 18 Jahre alten Griechen war es das erste Tor im Dortmunder Trikot.
Guirassy muss früh runter
Dortmund begann mit viel Zug nach vorne. Julian Ryerson brachte früh einen scharfen Ball in den Strafraum, Guirassy verpasste knapp die Führung. Betis kam nach rund einer Viertelstunde ebenfalls gefährlich vor das Tor, ein Treffer von Antony zählte wegen Abseits aber nicht.
Nach gut einer halben Stunde musste Guirassy ausgewechselt werden. Der Stürmer hatte Probleme am Oberschenkel, die Verletzung wurde zunächst als wohl nicht schwerwiegend eingeschätzt. Für ihn sollte Karetsas kommen, doch der Offensivspieler war in diesem Moment nicht sofort verfügbar. Trainer Niko Kovac erklärte später, er habe ihn zunächst nicht gesehen. Karetsas war auf der Toilette und erreichte die Seitenlinie gerade noch rechtzeitig.
Für taktische Hinweise blieb deshalb kaum Zeit. Karetsas sagte später, vor seiner Einwechslung habe es keine Anweisungen mehr gegeben. Er ging dennoch ohne sichtbare Zurückhaltung in die Partie und brachte dem Dortmunder Angriff mehr Tempo und Unberechenbarkeit.
Silva trifft, Betis antwortet
Nach der Pause belohnte sich der BVB. Wieder kam der Angriff über die rechte Seite. Jobe Bellingham scheiterte zunächst an Torhüter Alvaro Valles, den Abpraller verwertete Fabio Silva in der 49. Minute zum 1:0. Dortmund kontrollierte danach längere Phasen, ließ Betis aber zurück ins Spiel kommen.
In der 67. Minute glichen die Gäste aus Andalusien aus. Aitor Ruibal traf aus kurzer Distanz, vorbereitet von Abde. Vorausgegangen war ein Ballverlust von Waldemar Anton. Der Nationalspieler übernahm danach Verantwortung und sagte, das müsse er auf sich nehmen. Entscheidend sei aber gewesen, dass Dortmund in den wichtigen Momenten reagiert habe.
Diese Reaktion folgte schnell. Fabio Silva spielte Karetsas an der Strafraumkante frei. Der Youngster ließ seinen Gegenspieler mit einer schnellen Bewegung aussteigen und schoss flach in die kurze Ecke. Der Treffer zum 2:1 blieb der Endstand.
Kovac lobt den Joker
Kovac hob nach dem Spiel nicht nur das Tor hervor. Karetsas habe mit seinem Dribbling Gegner gebunden und immer wieder das Tempo verändert. Der Trainer beschrieb seine Bewegungen mit dem Bild eines Hasen, der Haken schlägt. Zugleich sieht Kovac beim 18-Jährigen noch Arbeit gegen den Ball und in der körperlichen Entwicklung.
Der offensive Mittelfeldspieler war im Sommer von KRC Genk nach Dortmund gekommen. Die Ablöse lag bei 30 Millionen Euro. Schon in der Vorbereitung hatte er Erwartungen geweckt, wurde danach aber ausgebremst. In einem Champions-League-Spiel gegen Villarreal hatte er Kreislaufprobleme, in der Bundesliga gegen Union Berlin kam eine Sprunggelenksverletzung hinzu. Kovac hatte deshalb angekündigt, die Belastung schrittweise zu erhöhen.
Gegen Betis musste dieser Plan früher angepasst werden als vorgesehen. Das Ergebnis stärkt Karetsas dennoch deutlich. Kovac stellte ihm für das kommende Bundesligaspiel gegen Elversberg am Samstag einen Einsatz von Beginn an in Aussicht, besonders falls Guirassy nicht rechtzeitig fit wird.
Wichtige Punkte im Ligamodus
Der Sieg hat für Dortmund auch tabellarisch Gewicht. Der BVB steht nun bei neun Punkten in der Champions League. Kovac zeigte sich zufrieden, ordnete die Lage aber vorsichtig ein. Die direkte Qualifikation für das Achtelfinale sei wünschenswert, realistischer sei zunächst ein Platz, der eine gute Ausgangslage für die Playoffs bringt.
Die Belastung bleibt hoch. Lars Ricken sprach nach der Partie von einer „absoluten Energieleistung“. Dortmund lief nach seinen Angaben acht Kilometer mehr als Betis. In den kommenden Wochen warten weitere anspruchsvolle Aufgaben, unter anderem gegen Arsenal, Aston Villa und Inter Mailand. Umso wichtiger war der knappe Erfolg gegen Betis: Der BVB gewann nicht glanzvoll, aber stabil genug, um in einem engen Spiel den entscheidenden Moment zu nutzen.