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Sport · RB Leipzig

Demichelis vor Real-Spiel unter Druck

Nach dem 1:6 beim FC Bayern steht Leipzigs Trainer Martín Demichelis vor dem Champions-League-Spiel bei Real Madrid stark in der Kritik.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Trainer steht unter Flutlicht am Spielfeldrand.
Symbolbild: Ein Trainer steht unter Flutlicht am Spielfeldrand. KI-generiert

Martín Demichelis geht mit erheblichem Druck in das Champions-League-Spiel von RB Leipzig bei Real Madrid an diesem Mittwochabend. Das 1:6 beim FC Bayern hat die Lage des Trainers deutlich verschärft. Vor allem die Art des Auftritts in München wirkt nach: Leipzig blieb weit von den eigenen Ansprüchen entfernt, sportlich wie mental. Sportvorstand Marcel Schäfer sagte nach der Niederlage, die Mannschaft habe sich „in keiner Phase“ ernsthaft gewehrt.

Schwankende Leistungen als Grundproblem

Die Partie in Madrid beginnt um 21 Uhr und galt ursprünglich nicht als Maßstab für die gesamte Saison. Gegner wie Bayern München und Real Madrid zählen zu den schwersten Aufgaben im europäischen Fußball. Dennoch reicht diese Einordnung in Leipzig nicht aus, um den Absturz in München zu erklären. Entscheidend ist weniger das Ergebnis allein als der Eindruck, den die Mannschaft hinterließ.

Die bisherigen Resultate zeigen ein Muster mit großen Ausschlägen. Auf ein 1:4 in Como folgte ein 5:0 gegen den Hamburger SV. Danach gewann Leipzig 6:0 gegen Frankfurt, ehe das klare 1:6 in München kam. Besonders auswärts fehlt bislang die Stabilität. In der Bundesliga steht RB nach sechs Spielen bei neun Punkten und rangiert auf Platz sieben. In der Champions League gab es bisher einen Sieg und eine Niederlage.

Für einen Verein, der regelmäßig um die Champions-League-Plätze spielen will, ist das zu wenig konstant. Der Anspruch in Leipzig ist höher als eine Rolle im Mittelfeld der Tabelle. Frühere Trainer mussten den Klub bereits mit besseren Zwischenständen verlassen.

Trainerwechsel wirkt weiter nach

Die aktuelle Unruhe hängt auch mit der Entscheidung aus dem Sommer zusammen. Ole Werner musste gehen, obwohl er Leipzig in seiner ersten Saison sicher in die Champions League geführt hatte. Die offizielle Begründung blieb für viele Beobachter schwer nachvollziehbar. Im Umfeld des Klubs wurde über unterschiedliche Vorstellungen beim Pressing, über Intensität und über die Entwicklung junger Spieler gesprochen.

Zugleich gab es Berichte über Spannungen zwischen Werner und Jürgen Klopp, der damals eine zentrale Rolle im Fußballbereich innehatte. Demichelis wurde anschließend als Nachfolger verpflichtet. Die Personalie sorgte nicht dafür, die Diskussionen zu beruhigen. Über eine Nähe zwischen Klopp und Demichelis wurde seitdem immer wieder gesprochen. Demichelis bestreitet, Klopp auf Mallorca getroffen zu haben.

Eine Verbindung ist jedoch bekannt: Demichelis wird von der Beratungsfirma Project Five vertreten. Deren Geschäftsführer war bis vor kurzem Marc Kosicke, der eng mit Klopp verbunden ist und ihm auch zum Deutschen Fußball-Bund folgte. Nach Klopps Wechsel zum DFB fehlt Demichelis in Leipzig ein sichtbarer Fürsprecher.

Verletzte und Kaderumbau als Erklärung

Demichelis verweist auf mehrere Belastungen. Dazu zählen Verletzungen, die späte Zusammenstellung des Kaders und der Abgang von Topscorer Yan Diomande zu Real Madrid. Der Trainer sagt: „Der Fußball wartet auf niemanden.“ Zugleich betont er, manche Entwicklungen bräuchten Zeit.

Eine sportliche Hilfe könnte Christoph Baumgartner werden. Der Österreicher war seit Juni verletzt und sammelte in der vergangenen Saison nach Diomande die zweitmeisten Scorerpunkte im Leipziger Team. Das Abschlusstraining absolvierte er vollständig. Seine Rückkehr käme zur rechten Zeit, weil Leipzig im Spiel nach vorn mehr Verlässlichkeit benötigt.

Auch über mögliche Alternativen auf der Trainerposition wird bereits gesprochen. Julian Nagelsmann gilt als einer der wenigen verfügbaren Trainer, die grundsätzlich in das Leipziger Anforderungsprofil passen könnten. RB-Chef Oliver Mintzlaff hatte Nagelsmann wiederholt als besten Trainer bezeichnet, den der Klub bislang beschäftigt habe. Nagelsmann äußerte sich seinerseits positiv über seine frühere Leipziger Zeit.

Real Madrid als Belastungstest

Das Spiel im Estadio Santiago Bernabéu ist damit mehr als eine schwere Auswärtsaufgabe. Für Demichelis geht es darum, nach dem Münchner Einbruch eine Reaktion seiner Mannschaft zu zeigen. Ein Sieg bei Real Madrid wäre eine Überraschung. Entscheidend dürfte aber sein, ob Leipzig wieder Struktur, Widerstand und Überzeugung auf den Platz bringt.

Der Druck entsteht aus mehreren Faktoren zugleich: schwankende Ergebnisse, hohe Erwartungen, offene Fragen zur Trainerentscheidung im Sommer und ein Kader, der nach Umbrüchen noch nicht stabil wirkt. Demichelis braucht deshalb weniger Erklärungen als sichtbare Fortschritte. Madrid bietet dafür die schwierigste Bühne.