Sport · Champions League
Bayern verpasst Sieg gegen Arsenal trotz starkem Kane
Der FC Bayern München hat im Champions-League-Duell mit Arsenal London ein 2:2 erreicht. Im Mittelpunkt stand Harry Kane, der per Elfmeter traf, Alphonso Davies mit einem herausragenden Zuspiel zum 1:1 vorbereitete und zugleich eine Debatte über seine Rolle im Münchner Spiel auslöste. Bundestrainer Jürgen Klopp äußerte sich verwundert über Bayerns Verhalten gegen den Ball, worauf Trainer Vincent Kompany demonstrativ knapp reagierte.
Kane lenkt Bayern-Spiel aus der Tiefe
Kane war gegen Arsenal nicht nur Abschluss- und Strafraumspieler. Der 33 Jahre alte Engländer ließ sich immer wieder zurückfallen, bot sich im Mittelfeld an und verlagerte das Spiel mit langen Pässen. Besonders auffällig war sein Zusammenspiel mit Davies auf der linken Seite.
Schon früh suchte Bayern nach einem schnellen Umschaltmoment über Davies. Manuel Neuer erkannte nach einer Arsenal-Ecke den freien Raum auf der linken Bahn und band Kane in die Idee ein. Der Stürmer schlug daraufhin einen langen Ball in den Lauf des Kanadiers, der daraus jedoch noch keinen Treffer machte.
Beim 1:1 in der 35. Minute gelang die Kombination dann. Kane bekam im Zentrum Zeit, sah den startenden Davies und spielte den Ball so in dessen Lauf, dass der Außenverteidiger direkt abschließen konnte. Davies traf zum Ausgleich. Kane selbst bezeichnete diesen Pass später als einen seiner besten. Er erklärte zudem, die Verbindung mit Davies sei vorbereitet gewesen: Sobald er am Ball sei, solle Davies konsequent in die Tiefe starten.
Kompany lobt Entscheidungsstärke
Trainer Vincent Kompany hob nach der Partie Kanes Einfluss auf mehrere Phasen des Spiels hervor. Der Angreifer habe nicht nur den Treffer vom Punkt erzielt, sondern auch die Szene vor dem Elfmeter mit seinem Abschluss eingeleitet. Kompany betonte vor allem Kanes Fähigkeit, in vielen Spielsituationen die richtige Lösung zu wählen.
Auch innerhalb der Mannschaft sorgte Kanes Zuspiel auf Davies für Eindruck. Tom Bischof nannte den Ball „geisteskrank“. Die Formulierung passte zu einem Abend, an dem Kane phasenweise wie ein Spielmacher agierte und nicht wie ein klassischer Mittelstürmer.
Offen blieb nach dem Spiel dagegen, wann die Gespräche über Kanes Zukunft konkreter werden. Sportvorstand Max Eberl wich einer Frage nach dem Zeitpunkt einer möglichen Vertragsverlängerung aus und sagte nur: „Heute nicht.“
Klopp wundert sich über Bayerns Pressing
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgten Aussagen von Bundestrainer Jürgen Klopp. Er verfolgte die Partie im Stadion und sprach in der Halbzeit über Bayerns Ordnung gegen den Ball. „Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht“, sagte Klopp. Er beschrieb wechselnde Muster und ergänzte, er wolle sich „weiterbilden“.
Besonders Kanes Positionierung irritierte ihn. Mit Ball sei dessen Beweglichkeit nachvollziehbar, gegen den Ball sah Klopp aber offene Fragen. Kane selbst konnte die Verwirrung teilweise erklären. Arsenal habe sich so bewegt, dass Bayern phasenweise neu reagieren musste. Er sei deshalb tiefer gefallen als ursprünglich geplant. Zugleich räumte Kane ein, dass er und die Mannschaft solche Situationen verbessern könnten.
Kompany wollte die Einschätzung des Bundestrainers später nicht vertiefen. Auf eine entsprechende Frage antwortete der Bayern-Trainer knapp: „Ja, da sage ich nichts zu. Nächste Frage.“
Kritik und Rückhalt für Klopp
Die Aussagen des Bundestrainers lösten danach unterschiedliche Reaktionen aus. Oliver Kahn zeigte sich überrascht. Er sagte, er habe sich gefragt, ob Klopp als Nationaltrainer oder als Fußballexperte spreche. Kahn verwies auf Kollegialität unter Trainern und betonte, ein Bundestrainer müsse besonders sorgfältig mit öffentlichen Bewertungen umgehen.
Markus Babbel sah Klopps Worte weniger kritisch. Er wertete sie als Ausdruck von Interesse und Lernbereitschaft. Klopp komme gerade deshalb ins Stadion, um Abläufe zu erkennen, die im Fernsehen schwerer zu sehen seien. Auch er selbst habe Bayerns Pressing nicht vollständig durchschaut, erklärte Babbel.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lobte Kompanys Zurückhaltung als „perfekte“ Antwort. Zugleich sagte er, Klopps Aussagen seien nicht überzubewerten. Zwischen dem Bundestrainer und dem größten deutschen Verein solle es aber ein gutes Miteinander geben.
Sportlich bleibt für Bayern nach dem 2:2 gegen Arsenal vor allem die Erkenntnis, dass Kane weit mehr als ein Torjäger ist. Seine Rolle zwischen Angriff und Mittelfeld brachte Bayern viele Lösungen, war aber zugleich der Auslöser für die taktische Diskussion nach einem intensiven Europapokalabend.