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Stündlich aktualisiert

Panorama · Sturm in Bremerhaven

Windböe drückt Kreuzfahrtschiff gegen Containerschiffe

In Bremerhaven ist die „Mein Schiff 3“ beim Auslaufen mit zwei festgemachten Containerschiffen kollidiert. Verletzt wurde niemand, die geplante Kanarenreise fällt aus.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Kreuzfahrtschiff manövriert bei Sturm in einem Hafen nahe festgemachten Containerschiffen.
Symbolbild: Ein Kreuzfahrtschiff manövriert bei Sturm in einem Hafen nahe festgemachten Containerschiffen. KI-generiert

Ein Kreuzfahrtschiff ist am späten Sonntagabend in Bremerhaven während des Sturms gegen zwei an der Stromkaje liegende Containerschiffe geraten. Nach Angaben der Polizei erfasste eine Windböe die „Mein Schiff 3“ beim Ablegen, obwohl Schlepper das Manöver begleiteten. Verletzte gab es demnach nicht, auch Wasser drang in keines der drei beteiligten Schiffe ein. Die Schäden sind dennoch erheblich: Das Kreuzfahrtschiff und eines der Containerschiffe wurden stark beschädigt, ein weiteres Containerschiff leichter.

Böe erfasst Schiff beim Ablegen

Die „Mein Schiff 3“ sollte am Abend von Bremerhaven aus zu einer Reise in Richtung Kanaren starten. An Bord befanden sich nach Angaben von Tui Cruises 2.428 Gäste sowie 922 Besatzungsmitglieder. Während des Auslaufens herrschten starker Wind und hoher Wellengang. Die Böe drückte das Kreuzfahrtschiff nach Darstellung der Polizei in Richtung der festgemachten Containerschiffe.

Ein Augenzeugenvideo zeigt das Kreuzfahrtschiff beim Manövrieren mit Schlepperbegleitung. Darauf ist zu sehen, wie der Abstand zu einem am Kai liegenden Schiff rasch geringer wird. Kurz darauf kommt es zur Kollision. Eine Frau ist in dem Video mit den Worten zu hören: „Ich glaube, das war es mit der Reise.“

Nach dem Zusammenstoß kehrte das Kreuzfahrtschiff zum Kreuzfahrtterminal zurück. Die Polizei verhängte für alle drei betroffenen Schiffe ein Auslaufverbot. Damit dürfen sie den Hafen zunächst nicht verlassen.

Schäden mehrere Meter über der Wasserlinie

Die Polizei beschrieb besonders deutliche Schäden an dem größeren Containerschiff. An dessen Backbordseite sei die Außenhaut über mehrere Meter beschädigt worden, zudem seien Führungen für Container verformt. Die betroffenen Stellen liegen nach den Angaben mehrere Meter oberhalb der Wasserlinie. Bei dem kleineren Containerschiff blieb es bei leichten Beschädigungen.

Auch die „Mein Schiff 3“ wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Auf Bildern waren beschädigte Rettungsboote zu erkennen. Tui Cruises ließ den Schaden am Pier prüfen. Am Morgen teilte das Unternehmen mit, dass die geplante Reise nicht stattfinden könne. Die festgestellten Schäden machten kurzfristige Arbeiten in einer Werft nötig.

Für die Menschen an Bord bedeutete der Unfall zunächst das Ende der geplanten Abfahrt. Nach Unternehmensangaben konnten die Gäste vorerst auf dem Schiff bleiben. Hinweise auf Verletzte gab es weder bei Reisenden noch bei Besatzungsmitgliedern oder auf den anderen beteiligten Schiffen.

Sturmtief Manja belastet den Norden

Der Unfall ereignete sich während des Durchzugs von Sturmtief „Manja“, das in der Nacht zu Montag im Norden Deutschlands für zahlreiche Einsätze sorgte. Insgesamt blieb die Lage nach Einschätzung mehrerer Polizeileitstellen jedoch vergleichsweise beherrschbar. Schwere Unfälle oder Personenschäden wurden aus Norddeutschland zunächst nicht gemeldet.

Auf Norderney kam es am Sonntagabend zu einer Sturmflut. Gegen 23 Uhr wurde dort ein Pegel von 8,20 Metern erreicht. Der Wasserstand lag damit etwa 1,75 Meter über dem normalen Hochwasser. Auch in Hamburg wurde der Fischmarkt überschwemmt. In der Hafencity musste die Feuerwehr eine Autofahrerin aus einer überfluteten Eisenbahnunterführung holen. In Bremerhaven, Wilhelmshaven und Cuxhaven liefen Parkflächen voll Wasser.

Neue Warnung für Montag

Für Montagmittag und den Nachmittag gab das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erneut eine Sturmflutwarnung für die Nordsee heraus. An der ostfriesischen Küste und im Wesergebiet werden Wasserstände von etwa 1,5 Metern über dem mittleren Hochwasser erwartet. Für die nordfriesische Küste und das Elbegebiet rechnet die Behörde mit 1,5 bis zwei Metern darüber.

Der Vorfall in Bremerhaven zeigt, wie riskant Hafenmanöver bei Sturm werden können, selbst wenn Schlepper eingesetzt werden. Die weiteren Untersuchungen dürften sich nun auf den Ablauf des Ablegemanövers, die Windverhältnisse und die entstandenen Schäden konzentrieren.