Panorama · Brand am Obersalzberg
Verdächtiger nach Brand am Kehlsteinhaus festgenommen
Nach dem Großbrand am Kehlsteinhaus am Obersalzberg steht ein 33 Jahre alter Deutscher im Verdacht, das Feuer gelegt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Traunstein teilte mit, der Mann sei psychisch krank; ein psychiatrisches Kurzgutachten spreche für eine zumindest verminderte Schuldfähigkeit. Das historische Gebäude aus der NS-Zeit wurde durch den Brand weitgehend zerstört. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellte einen Wiederaufbau in Aussicht.
Verdächtiger nach Einsatz festgenommen
Der Mann wurde nach dem Ausbruch des Feuers festgenommen und einem Untersuchungsrichter in Rosenheim vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft will erreichen, dass er in einer forensischen Einrichtung für psychisch kranke Straftäter untergebracht wird. Staatsanwalt Rainer Vietze sagte bei einer Pressekonferenz in Berchtesgaden, die Einschätzung zur psychischen Erkrankung beruhe auf einem Kurzgutachten eines Sachverständigen.
Die Ermittlungen richten sich auf den Verdacht der Brandstiftung. Auch ein politischer Hintergrund wird geprüft. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden steht diese Prüfung jedoch noch am Anfang. Weitere Einzelheiten zu einem möglichen Motiv wurden zunächst nicht genannt.
Der Tatverdächtige soll den Einsatzkräften auf einem Motorrad auf der Kehlsteinstraße entgegengekommen sein. Die Strecke gilt als eng und steil. Innenminister Herrmann dankte der Polizei für das Vorgehen am Obersalzberg und hob hervor, dass die Situation für die Einsatzkräfte schwierig gewesen sei. Der Mann soll zudem versucht haben, auf dem Motorrad zu fliehen.
Gebäude weitgehend zerstört
Das Feuer traf eines der bekanntesten Gebäude am Obersalzberg. Das Kehlsteinhaus liegt oberhalb von Berchtesgaden und ist wegen seiner Geschichte und Lage international bekannt. Nach dem Brand ist das Haus nach bisherigen Angaben weitgehend zerstört. Die weiteren Schritte hängen nun von den Ermittlungen, der Sicherung des Geländes und den Planungen des Eigentümers ab.
Herrmann geht davon aus, dass das Gebäude wieder errichtet wird. Das Haus steht im Eigentum des Freistaats Bayern und fällt in den Zuständigkeitsbereich seines Ministeriums. Die Berchtesgadener Landesstiftung verfügt über das Nießbrauchsrecht. Dieses Recht erlaubt es, eine fremde Sache zu nutzen und daraus Erträge zu ziehen; es ist nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch weder vererblich noch verkäuflich.
Ein Wiederaufbau wäre nicht nur eine bauliche, sondern auch eine erinnerungspolitische Frage. Das Kehlsteinhaus ist heute als öffentlich zugängliche Berggaststätte genutzt worden. Zugleich steht es in engem Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Inszenierung am Obersalzberg.
Historischer Ort mit belasteter Vergangenheit
Errichtet wurde das Kehlsteinhaus in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten. Es gehörte zum Umfeld des Obersalzberg-Komplexes, den Adolf Hitler nutzte. Der Ort war damit Teil der Machtarchitektur des NS-Regimes in Bayern. Nach dem Krieg wandelte sich die Nutzung: Aus dem propagandistisch aufgeladenen Bau wurde ein touristisch besuchter Ort mit Gastronomie.
Gerade diese Doppelrolle macht das Gebäude besonders sensibel. Es ist einerseits ein Ziel für Besucherinnen und Besucher in den Berchtesgadener Alpen. Andererseits erinnert es an die Herrschaft und Selbstinszenierung der Nationalsozialisten. Deshalb dürfte ein möglicher Wiederaufbau nicht allein nach technischen und wirtschaftlichen Kriterien bewertet werden.
Für die Ermittler steht zunächst die strafrechtliche Aufklärung im Vordergrund. Entscheidend wird sein, ob sich der Verdacht der Brandstiftung erhärtet, welche Schuldfähigkeit dem Beschuldigten zugerechnet wird und ob es Hinweise auf ein politisches Motiv gibt. Parallel muss geklärt werden, wie mit dem beschädigten Gebäude und dem Gelände weiter verfahren wird.