Panorama · Sommer- und Winterzeit
Uhren werden zurückgestellt, Streit bleibt
Am Wochenende steht in Deutschland wieder die Zeitumstellung an: In der Nacht werden die Uhren im Oktober von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgedreht. Damit beginnt die Winterzeit, morgens wird es zunächst früher hell, abends dagegen früher dunkel. Für manche Menschen bedeutet die zusätzliche Stunde Schlaf eine Erleichterung. Andere spüren die Verschiebung ihres Tagesrhythmus deutlich, obwohl die Uhr nur um 60 Minuten verändert wird.
Der Körper stellt nicht sofort um
Die offizielle Uhrzeit lässt sich mit einem Handgriff ändern, der biologische Rhythmus dagegen nicht. Der menschliche Organismus folgt einem inneren Takt, der ungefähr einen Tag umfasst. Er steuert Schlaf und Wachheit, beeinflusst aber auch zahlreiche Körperfunktionen und Organe. Wenn die äußere Uhr und dieser innere Rhythmus auseinanderlaufen, kann das den Körper belasten.
Wie stark jemand auf die Umstellung reagiert, ist unterschiedlich. Eine Rolle spielt der gewohnte Schlaf-Wach-Rhythmus. Hinzu kommen genetische Faktoren. Bei der Steuerung des Tagesrhythmus sind viele Gene beteiligt. Einzelne Varianten können dazu beitragen, dass sich die innere Uhr schneller oder langsamer an eine neue Zeit anpasst. In der Chronobiologie wird unter anderem untersucht, warum manche Menschen nach einer Verschiebung rasch wieder im Takt sind, während andere länger müde, unkonzentriert oder schlecht erholt wirken.
Besonders deutlich wird der Unterschied bei sogenannten Chronotypen. Menschen, die früh wach werden und morgens leistungsfähig sind, kommen mit bestimmten Verschiebungen oft besser zurecht. Andere werden erst später aktiv und empfinden frühes Aufstehen als deutlich anstrengender. Diese Unterschiede zeigen sich nicht nur bei Reisen über Zeitzonen, sondern auch bei der halbjährlichen Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit.
Licht hilft beim neuen Rhythmus
Der wichtigste Taktgeber für die innere Uhr ist Licht. Tageslicht signalisiert dem Körper, wann Aktivität und Wachheit gefragt sind. Wer sich nach der Umstellung viel im Freien aufhält, kann seinem Organismus die Anpassung erleichtern. Auch feste Essenszeiten können helfen, weil der Körper sich nicht nur am Hell-Dunkel-Wechsel orientiert, sondern auch an wiederkehrenden Tagesabläufen.
Die Richtung der Umstellung sorgt jedes Jahr für Verwirrung. Im Frühjahr werden die Uhren vorgestellt, im Herbst zurück. Viele Menschen merken sich dafür einfache Regeln: Zum Sommer hin geht die Uhr vor, zum Winter hin zurück. Auch die Zahlenfolge hilft: Im Frühjahr springt die Uhr von 2 auf 3 Uhr, im Oktober von 3 auf 2 Uhr. Dadurch wird die Nacht im Herbst rechnerisch länger.
Für den Alltag bedeutet das am Sonntagmorgen zunächst mehr Zeit. Wer zu einer festen Uhrzeit aufsteht, hat im Vergleich zur Sommerzeit eine Stunde gewonnen. Der Effekt hält jedoch nicht für alle an. Spätestens in den folgenden Tagen kann sich zeigen, ob der eigene Schlafrhythmus die Verschiebung gut verkraftet.
Gesundheitliche Belastung möglich
Die Debatte über Sinn und Nutzen der Zeitumstellung flammt regelmäßig wieder auf, weil die Folgen nicht nur als Komfortfrage gelten. Wenn sozial vorgegebene Zeiten dauerhaft schlecht zum biologischen Rhythmus passen, kann das Stress auslösen. Besonders betroffen sind Menschen mit Schichtarbeit, deren Arbeitszeiten häufig gegen den natürlichen Tagesrhythmus laufen. Auch künstlich verlängerte Abendhelligkeit durch Sommerzeit kann den inneren Takt verschieben.
Als mögliche Folgen werden Schlafprobleme und Belastungen für das Herz-Kreislauf-System genannt. Das bedeutet nicht, dass jede einzelne Umstellung krank macht. Die Hinweise aus der Chronobiologie erklären aber, warum viele Menschen die Debatte nicht als nebensächlich empfinden. Eine Stunde auf der Uhr kann im Körper mehr auslösen, als sie im Kalender vermuten lässt.
Ein alter Streit ohne Ruhe
Die Sommerzeit wurde in Deutschland 1980 eingeführt. Ein häufig genanntes Alltagsargument für sie ist bis heute das längere Tageslicht am Abend. Wer nach Schule oder Arbeit draußen aktiv sein will, profitiert in den warmen Monaten von späterer Dunkelheit. Dem stehen Beschwerden über Müdigkeit, Umgewöhnung und gesundheitliche Belastungen gegenüber.
Mit der Rückstellung im Oktober endet die Sommerzeit vorerst. Die praktische Frage ist damit schnell beantwortet: Die Uhr geht zurück. Der Streit über den Nutzen der halbjährlichen Umstellung aber bleibt bestehen – weil er den Alltag vieler Menschen berührt und weil die innere Uhr nicht im selben Tempo tickt wie die offizielle Zeit.