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Stündlich aktualisiert

Panorama · Bahnkatastrophe in Spanien

Mindestens 69 Tote nach Zugunglück in Spanien

Vier Tage nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe Toledo sind 13 Opfer noch nicht identifiziert. Die Ermittlungen richten sich auf Technik und Leitstelle.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Leere Hochgeschwindigkeitsgleise stehen für die Ermittlungen nach dem schweren Zugunglück in Spanien.
Symbolbild: Leere Hochgeschwindigkeitsgleise stehen für die Ermittlungen nach dem schweren Zugunglück in Spanien. KI-generiert

Mindestens 69 Menschen sind bei dem schweren Zugunglück in Spanien ums Leben gekommen. Vier Tage nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe Urda in der Provinz Toledo sind 56 Tote eindeutig identifiziert, 13 weitere Opfer noch nicht. Nach Angaben der Behörden von Kastilien-La Mancha werden weiter 40 Verletzte in Krankenhäusern behandelt, 17 davon auf Intensivstationen. Die Unfallursache ist weiterhin ungeklärt.

Identifizierung dauert an

Von den bislang identifizierten Todesopfern hatten 54 die spanische Staatsangehörigkeit. Eine Person kam aus Frankreich, eine weitere aus Portugal. Die Behörden haben 51 Angehörige bereits informiert. Bei den identifizierten Toten handelt es sich um 33 Männer und 18 Frauen.

Die Identifizierung erfolgte überwiegend über Fingerabdrücke. In 52 Fällen konnte die Identität auf diese Weise bestätigt werden, in vier Fällen waren DNA-Analysen nötig. Für die übrigen Opfer sind nach Behördenangaben weitere Schritte in der internationalen Zusammenarbeit erforderlich.

Die noch offenen Vermisstenmeldungen betreffen Staatsangehörige mehrerer Länder. Genannt wurden vier Menschen aus den USA, je zwei aus Japan und Australien sowie je eine Person aus Kanada, Mexiko, Argentinien, Tschechien und Tunesien. Daraus ergibt sich, dass vermutlich keine Deutschen unter den Todesopfern sind.

Zusammenstoß südlich von Madrid

Das Unglück ereignete sich am Mittwoch auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Andalusien. Nahe der Gemeinde Urda, etwa 130 Kilometer südlich der Hauptstadt, fuhr ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auf.

Die Verbindung bleibt in beide Richtungen gesperrt. Als Ersatz werden zusätzliche Flüge zwischen betroffenen Städten angeboten, deren Preise begrenzt werden sollen. Mehrere Wagen wurden inzwischen von den Gleisen entfernt, befinden sich aber weiter in der Nähe der Unfallstelle.

Am Sonntag waren rund 50 Kräfte der Guardia Civil weiterhin vor Ort. Sie sicherten Spuren und sammelten Informationen für die Ermittlungen. Für die Reisenden auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen des Landes bleibt die Sperrung ein erheblicher Einschnitt.

Ermittlungen zu Sicherungssystem und Leitstelle

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen unter anderem ein Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Entscheidungen in der Bahnleitstelle Madrid. Funkaufnahmen deuten darauf hin, dass ein Lokführer angewiesen wurde, den regulären Betrieb wieder aufzunehmen, obwohl das Sicherungssystem noch nicht funktionierte und sich ein anderer Zug weiterhin auf der Strecke befand.

Ob diese Abläufe tatsächlich zum Unfall führten, ist noch offen. Die Behörden haben die Ursache bislang nicht abschließend benannt. Die Sprecherin der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha, Esther Padilla, äußerte sich am Sonntag vorsichtig optimistisch zum Zustand der Verletzten. Es sei „sehr wahrscheinlich“, dass alle überlebten.

Die genaue technische Rekonstruktion dürfte entscheidend sein. Untersucht werden muss, wie die Züge auf denselben Streckenabschnitt geraten konnten und welche Rolle automatische Sicherung, menschliche Entscheidungen und Kommunikationsabläufe spielten.

Politischer Druck vor der Wahl

Das Unglück setzt die spanische Regierung wenige Wochen vor der vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November unter Druck. Verkehrsminister Óscar Puente wies Vorwürfe zurück, das Bahnsystem sei grundsätzlich unsicher. Forderungen mehrerer Oppositionsparteien nach seinem Rücktritt lehnte er ab. Am Dienstag soll er sich vor einem Parlamentsausschuss äußern.

Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte Investitionen in zusätzliche Sicherheit an. Das Vertrauen in das Hochgeschwindigkeitssystem sei erschüttert, sagte er. Die Regierung müsse nicht nur Ursachen klären, sondern auch Lösungen vorlegen, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederhole.

Der Unfall ist bereits die zweite schwere Bahnkatastrophe in Spanien innerhalb dieses Jahres. Im Januar starben bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Adamuz in Andalusien 46 Menschen. Die erneute Katastrophe verschärft die Debatte über Technik, Kontrolle und Verantwortung im spanischen Bahnverkehr.