Panorama · Bahnunfall in Essen
ICE erfasst Gleisarbeiter in Essen tödlich
In Essen ist am späten Sonntagabend ein Gleisarbeiter ums Leben gekommen, nachdem ein ICE zwei Männer an einem Gleisabschnitt erfasst hatte. Ein weiterer Mitarbeiter wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Polizei Essen hat die Ermittlungen aufgenommen. Nach bisherigen Erkenntnissen arbeitete eine sechsköpfige Gruppe im Bereich Essen-Katernberg an der Strecke, als es zu dem Unfall kam.
Arbeiten an der Strecke
Die Männer waren nach Angaben der Ermittler an einem Abschnitt der Deutschen Bahn eingesetzt. Dort sollen sie Bäume und Sträucher zurückgeschnitten haben. Während dieser Arbeiten näherte sich ein ICE und traf zwei Mitglieder der Gruppe. Für einen der beiden kam jede Hilfe zu spät. Rettungskräfte stellten vor Ort den Tod des Mannes fest.
Der zweite betroffene Gleisarbeiter erlitt schwere Verletzungen. Einsatzkräfte brachten ihn mit einer Drehleiter aus dem Gleisbereich auf die Straße. Anschließend wurde er in eine Klinik transportiert. Der Einsatz dauerte rund zwei Stunden. Neben Feuerwehr und Rettungsdienst war auch ein Hubschrauber der Bundespolizei vor Ort.
Notfallseelsorger betreuten die übrigen Arbeiter der Gruppe sowie den Lokführer des ICE. Für die Einsatzkräfte war der Unfall auch wegen der Lage im Gleisbereich aufwendig. Der beschädigte Zug wurde später von der Unfallstelle entfernt.
Polizei prüft Unfallhergang
Die Polizei Essen führt die Ermittlungen. Angaben dazu, wie es zu dem Zusammenstoß kommen konnte, machten die Behörden zunächst nicht. Geprüft werden muss unter anderem, welche Sicherungen für die Arbeiten eingerichtet waren und ob Warnsignale ausgelöst wurden oder wahrgenommen werden konnten.
Im Bahnbetrieb gibt es für Arbeiten im Gleisbereich üblicherweise mehrere Schutz- und Warnsysteme. Dazu zählen akustische und optische Signale, die Beschäftigte vor herannahenden Zügen warnen sollen. Welche Systeme an der Unfallstelle aktiv waren und welche Rolle sie in diesem Fall spielten, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Für die Deutsche Bahn und beauftragte Unternehmen gehören Arbeiten an Streckenabschnitten zu den riskantesten Tätigkeiten im Bahnumfeld. In solchen Bereichen treffen laufender Zugverkehr, Bau- oder Pflegearbeiten und enge Sicherheitsvorgaben aufeinander. Nach schweren Unfällen prüfen Ermittler regelmäßig sowohl den technischen Ablauf als auch die Organisation der Sicherung.
Einschränkungen im Zugverkehr
Der Unfall hatte Auswirkungen auf den Bahnverkehr im Ruhrgebiet. Betroffen war der Abschnitt zwischen Gelsenkirchen Hauptbahnhof und Essen-Altenessen. Am Morgen gab es zunächst unterschiedliche Angaben zum Stand der Sperrung: Zeitweise war die Verbindung noch nicht nutzbar, später wurde sie nach mehrstündiger Unterbrechung wieder freigegeben.
Trotz der Freigabe kam es weiter zu Einschränkungen. Fernzüge wurden auf der Verbindung zwischen Gelsenkirchen und Duisburg umgeleitet. Dadurch mussten Reisende mit Verspätungen rechnen, die mit etwa 20 Minuten angegeben wurden. Im Regionalverkehr sollten Fahrgäste die Auskunftssysteme der Bahn für alternative Verbindungen nutzen.
Hintergrund
Der Unfall ereignete sich in einem dicht befahrenen Bahnraum des Ruhrgebiets. Strecken rund um Essen, Gelsenkirchen und Duisburg werden sowohl im Fernverkehr als auch im Regionalverkehr intensiv genutzt. Sperrungen einzelner Abschnitte können deshalb schnell Auswirkungen auf mehrere Linien haben.
Für die Ermittlungen dürfte neben dem genauen Standort der Arbeitsgruppe auch wichtig sein, welche betrieblichen Anweisungen galten und wann der ICE in den betroffenen Abschnitt einfuhr. Erst wenn diese Abläufe rekonstruiert sind, lässt sich klären, warum zwei Arbeiter in den Gefahrenbereich des Zuges geraten konnten.