Panorama · Unwetter in Spanien
Fluten treffen Valencia und Alicante schwer
Heftige Regenfälle haben an Spaniens Mittelmeerküste schwere Überschwemmungen ausgelöst. Besonders betroffen sind die Provinzen Valencia und Alicante, wo Straßen, Wohnhäuser und Campingplätze unter Wasser stehen. Mindestens zwei Menschen starben im Zusammenhang mit den Unwettern. Die Regionalregierung rief die zweithöchste Notfallstufe aus, vielerorts wurden Schulen geschlossen und Menschen aufgefordert, in Gebäuden zu bleiben.
Campinggäste in Sicherheit gebracht
Eine besonders angespannte Lage meldeten die Behörden aus dem Küstenort Oliva südlich von Valencia. Dort brachten Einsatzkräfte nach Angaben von Bürgermeisterin Yolanda Pastor rund 2.000 Menschen von mehreren Campingplätzen in Sicherheit. Feuerwehr und Rettungsdienste waren in überfluteten Bereichen im Einsatz. In mehreren Orten harrten Menschen in überschwemmten Gebäuden aus; einige suchten auf Dächern Schutz, während Rettungen aus der Luft vorbereitet oder bereits durchgeführt wurden.
In den Küstenregionen La Safor in der Provinz Valencia und Marina Alta in der Provinz Alicante blieb die Lage kritisch. Die Behörden rieten der Bevölkerung, möglichst in den Häusern zu bleiben. Der Zivilschutz warnte zudem davor, Tiefgaragen zu betreten, und empfahl, höher gelegene Stockwerke aufzusuchen. In Valencia wurden Straßentunnel geschlossen. Rund ein halbes Dutzend Orte war zeitweise nur schwer oder gar nicht erreichbar. Auch Bilder fortgespülter Autos zeigen die Wucht der Wassermassen.
Für mehr als 40 Gemeinden in Valencia und Alicante fiel der Unterricht aus. Andere Angaben nennen mehr als 100.000 betroffene Schülerinnen und Schüler. Südlich der Stadt Valencia galten für zahlreiche Menschen Einschränkungen; in besonders gefährdeten Bereichen sollten sie ihre Wohnungen nicht verlassen.
Extremwerte bei Niederschlag
Der spanische Wetterdienst Aemet registrierte in kurzer Zeit außergewöhnliche Regenmengen. In Oliva fielen binnen 24 Stunden mehr als 530 Liter pro Quadratmeter. In Pego in der Provinz Alicante wurden gut 620 Liter pro Quadratmeter gemessen. Für Forna in Alicante wurden seit Sonntag sogar mehr als 700 Liter pro Quadratmeter genannt.
Solche Mengen entsprechen in manchen deutschen Städten fast dem Niederschlag eines ganzen Jahres. In Hamburg liegt der langjährige Jahreswert bei knapp 800 Litern pro Quadratmeter. In Ostspanien fiel damit an einzelnen Orten innerhalb eines Tages oder weniger Tage eine Niederschlagsmenge, die sonst über viele Monate verteilt niedergeht.
Das Unwetter steht im Zusammenhang mit dem Höhentief Adam. Dabei handelt es sich um eine sogenannte DANA, ein isoliertes Tiefdruckgebiet in großer Höhe, das im Mittelmeerraum im Herbst besonders intensive Regenfälle auslösen kann. Kalte Luft in der Höhe trifft dabei auf sehr warme und feuchte Luft über dem Meer.
Balearen bleiben vorsichtig
Auch auf den Balearen bereiteten sich Behörden auf schwere Unwetter vor. Auf Mallorca galt zeitweise die höchste Sturmwarnstufe. Der Unterricht wurde am Montag auf den Inseln vorsorglich abgesagt. Auf Mallorca blieb die Lage zunächst vergleichsweise ruhig; Rettungsdienste meldeten dort nur wenige kleinere Vorfälle, darunter umgestürzte Bäume und eine behobene Einsturzgefahr.
Auf den Balearen insgesamt wurden 16 Zwischenfälle registriert, davon elf auf Ibiza und zwei auf Formentera. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen oder umgeleitet, betroffen waren unter anderem Mallorca, Ibiza und Menorca. Die spanische Armee verlegte wegen der angespannten Wetterlage Einheiten vom Festland auf die Inseln.
Für Valencia, Alicante und die Balearen wurde im Verlauf des Montags mit einer allmählichen Abschwächung der Regenfälle gerechnet. Die Unwetterzone sollte sich weiter in Richtung Katalonien verlagern. Dort kam es ebenfalls zu starken Niederschlägen, wenn auch nicht überall in derselben Intensität wie an der südlicheren Mittelmeerküste.
Zwei Todesfälle und Klimahintergrund
Bereits am Wochenende hatte Adam auf dem spanischen Festland schwere Schäden verursacht. Mindestens zwei Frauen kamen ums Leben. Ein Todesfall wurde aus Sagunto beziehungsweise Sagunt in der Provinz Valencia gemeldet. Beim zweiten Todesort schwanken die Angaben zwischen Cabrera de Mar in Katalonien und Oliva in der Provinz Valencia.
Spanien erlebt seit Jahren wiederholt extreme Wetterlagen mit Starkregen, Hitze und Dürren. Aemet zufolge war der September auf dem spanischen Festland der wärmste seit Beginn der Messungen. Fachleute bringen häufigere und heftigere Extremwetterereignisse mit der Klimakrise in Verbindung. Auch das Mittelmeer war zuletzt sehr warm; vor Mallorca wurden im Sommer Wassertemperaturen von bis zu 33 Grad gemessen, im Oktober lagen sie örtlich noch bei etwa 25 Grad.
Die aktuellen Überschwemmungen wecken Erinnerungen an die verheerende DANA Ende Oktober 2024 in der Region Valencia und angrenzenden Gebieten. Damals starben 229 Menschen, die Schäden gingen in die Milliarden. Die Behörden stehen deshalb erneut unter hohem Druck, Warnungen, Evakuierungen und Rettungseinsätze rasch zu koordinieren.