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Stündlich aktualisiert

Panorama · Brand am Obersalzberg

Feuer am Kehlsteinhaus flammt erneut auf

Nach dem Großbrand am Kehlsteinhaus hat die Feuerwehr erneut löschen müssen. Ein 33-jähriger Verdächtiger wurde festgenommen und in eine geschlossene Psychiatrie gebracht.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein abgelegenes Berggebäude nach einem Brand in winterlicher Alpenlandschaft.
Symbolbild: Ein abgelegenes Berggebäude nach einem Brand in winterlicher Alpenlandschaft. KI-generiert

Nach dem verheerenden Brand am Kehlsteinhaus auf dem Obersalzberg ist das Feuer in der Nacht zum Sonntag noch einmal aufgeflammt. Die Feuerwehr rückte erneut zu dem historischen Gebäude bei Berchtesgaden aus und löschte die Flammen. Ein 33 Jahre alter Deutscher steht im Verdacht, den Brand gelegt zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Traunstein gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung; ein Ermittlungsrichter ordnete die Unterbringung in einer forensischen Psychiatrie an.

Glutnester lösen neuen Einsatz aus

Das Wiederaufflammen in der Ruine wird mit Glutnestern in Verbindung gebracht. Ein Polizeibeamter beschrieb die erneute Brandentwicklung als Flammen in Zimmerhöhe. Solche Nachbrände seien nach einem größeren Feuer nicht ungewöhnlich. Die Einsatzkräfte konnten den Brand erneut unter Kontrolle bringen.

Der ursprüngliche Alarm war am Freitagabend gegen 21.50 Uhr ausgelöst worden. Ein Rauchmelder im Kehlsteinhaus hatte angeschlagen. Schon auf dem Weg zum Gebäude sahen die Einsatzkräfte hoch aufsteigende Flammen. Vor Ort stand das Haus nach Polizeiangaben vollständig in Brand. Verletzte gab es nicht.

Die Löscharbeiten waren besonders schwierig. Das Kehlsteinhaus liegt auf mehr als 1.800 Metern Höhe, am Brandort herrschten Kälte, Schnee und starker Wind. Rund 180 Feuerwehr- und Rettungskräfte waren im Einsatz, dazu kamen etwa 50 Polizistinnen und Polizisten. Die Zufahrtsstraße wurde gesperrt, außerdem richteten die Behörden eine Drohnen-Flugverbotszone ein. Wegen der Witterung und der Lage am Berg dauerten die Arbeiten bis in den Samstag an.

Verdächtiger nahe dem Tatort gestoppt

Bei der Anfahrt zum Einsatz kam Polizei und Feuerwehr ein Motorradfahrer ohne Kennzeichen entgegen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann schilderte später, Einsatzkräfte hätten den Mann spontan angehalten und vorläufig festgenommen. Der 33-Jährige hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bezüge ins Berchtesgadener Land, wohnt aber derzeit nicht dort.

Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Ein Kurzgutachten bestätigte demnach konkrete Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung des Verdächtigen. Die Staatsanwaltschaft beantragte deshalb seine Unterbringung in einer forensischen Einrichtung für psychisch kranke Straftäter. Der zuständige Ermittlungsrichter folgte dem Antrag. Der Mann wurde noch am Samstag in eine geschlossene Psychiatrie gebracht.

Ob es ein politisches Motiv gab, wird geprüft. Die Ermittlungen dazu stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch am Anfang. Hinweise auf weitere Beteiligte liegen den Behörden zufolge nicht vor.

Schaden in Millionenhöhe

Das Kehlsteinhaus wurde durch den Brand weitgehend zerstört. Erste Schätzungen des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden gehen von einem Schaden in Millionenhöhe aus. Das Gebäude stand unter Denkmalschutz und wurde seit Jahrzehnten als öffentlich zugängliche Berggaststätte genutzt. Zudem befand sich dort eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses.

Der Freistaat Bayern ist Eigentümer des Gebäudes. Verwaltet wurde der Betrieb über die Berchtesgadener Landesstiftung, die ein Nießbrauchsrecht hat. Innenminister Herrmann stellte einen Wiederaufbau in Aussicht. Er machte deutlich, dass eine dauerhafte Ruine an diesem Ort kaum infrage komme.

Ort mit NS-Geschichte

Das Kehlsteinhaus wurde Ende der 1930er Jahre von den Nationalsozialisten errichtet. Es gehörte zum Komplex am Obersalzberg, den Adolf Hitler und die NS-Führung nutzten. Das Gebäude diente als Gästehaus für Funktionäre und ausländische Besucher, hatte aber auch repräsentative Funktion abseits der Öffentlichkeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus touristisch genutzt. Seit 1952 war es als Berggaststätte geöffnet und zog wegen seiner Lage und seiner Geschichte jedes Jahr zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Der Brand trifft damit nicht nur ein bekanntes Ausflugsziel in den Berchtesgadener Alpen, sondern auch einen Ort, dessen historische Bedeutung eng mit der NS-Zeit verbunden ist.