Panorama · Gefahrgutunfall in Krefeld
Entwarnung nach Säureunfall in Krefeld
Nach dem Gefahrgutunfall auf der A57 in Krefeld hat die Feuerwehr die akute Gefahr für die Bevölkerung für beendet erklärt. Die Warnung vor einer sehr schweren Gefahrenlage wurde am Freitag aufgehoben. Außerhalb eines Bereichs von 200 Metern um die Unfallstelle konnten Anwohnerinnen und Anwohner ihre Wohnungen wieder verlassen. Die zeitweise gesperrte Bahnstrecke zwischen Krefeld und Duisburg wurde ebenfalls wieder freigegeben. Einsatzkräfte hatten große Teile der ausgelaufenen Salpetersäure aufgenommen und den beschädigten Lastwagen gesichert.
Lastwagen kippt an Autobahnauffahrt um
Der Unfall ereignete sich in der Nacht zum Freitag an der Anschlussstelle Krefeld-Zentrum der Autobahn 57. Ein Gefahrguttransporter mit 23 Tonnen Salpetersäure verunglückte und blieb auf der Seite liegen. Der genaue Ablauf war zunächst unklar. Der Fahrer wurde verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.
Durch ein Leck trat stark ätzende Salpetersäure aus. Rund 200 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Sie mussten sich dem Fahrzeug wegen der Gefahrenlage mit Schutzanzügen und Atemschutz nähern. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers gelang es, 13 Tonnen der Chemikalie aus dem umgestürzten Tanklastwagen in ein anderes Fahrzeug umzupumpen. Etwa zehn Tonnen waren auf die Fahrbahn gelaufen. Diese Menge wurde mit einem Spezial-Saugwagen größtenteils aufgenommen.
Die ausgelaufene Säure sammelte sich an der Unfallstelle in einer Senke. Das erleichterte die Sicherung des Bereichs. Spezialisierte Kräfte dichteten das Leck ab und bereiteten anschließend die Bergung des Fahrzeugs vor. Später wurde der Lastwagen von einem Fachunternehmen aufgerichtet und abtransportiert.
Warnung über Apps und Sirenen
Wegen möglicher Gesundheitsgefahren lösten die Behörden in der Nacht Warnungen über Warn-Apps aus. Auch Sirenen waren in dem betroffenen Bereich zu hören. Zunächst galt eine Warnung für einen Radius von 1.000 Metern rund um die Einsatzstelle. Die Menschen dort sollten in Gebäuden bleiben, Fenster und Türen schließen und den abgesperrten Bereich nicht betreten oder verlassen.
Am späten Vormittag folgte die Entwarnung. In der Warn-App Nina teilten die Behörden mit: „Die akute Gefahr ist vorüber.“ In Teilen der Stadt konnte weiterhin ein unangenehmer Geruch auftreten. Nach Angaben der Einsatzkräfte war dieser jedoch nicht gesundheitsgefährdend.
Der Unfall wirkte sich auch auf das öffentliche Leben in Krefeld aus. Mehrere Einrichtungen blieben am Freitag geschlossen, darunter vier Schulen und 15 Kindertagesstätten. Auch zwei Museen öffneten nicht. Die Müllabfuhr fiel aus, weil ein Betriebshof im Sperrbereich lag. Auf Straßen und Umleitungsstrecken kam es wegen der Sperrungen zu langen Staus. Busse und Stadtbahnen konnten zeitweise nicht wie gewohnt fahren.
Bahnstrecke wieder freigegeben
Der Zugverkehr zwischen Krefeld und Duisburg war wegen des Gefahrgutaustritts vorübergehend unterbrochen. Mehrere Linien waren betroffen, Züge fielen aus oder wurden umgeleitet. Nach der Entwarnung wurde die Strecke wieder freigegeben. Bis sich der Verkehr normalisierte, dauerte es jedoch noch einige Zeit.
Auch die A57 war während des Einsatzes zwischen Krefeld-Oppum und Krefeld-Gartenstadt zeitweise voll gesperrt. Später wurden weitere Sperrungen aufgehoben. Am frühen Abend war der Großeinsatz nach Angaben der Feuerwehr beendet, ein Großteil der Straßensperren konnte zurückgenommen werden.
Warum Salpetersäure gefährlich ist
Salpetersäure ist eine wichtige Industriechemikalie. Sie wird unter anderem bei der Herstellung von Düngemitteln und Sprengstoffen eingesetzt. Gerät sie unkontrolliert frei, kann sie erhebliche Gesundheitsrisiken verursachen. Die Säure kann Haut, Augen und Atemwege schwer verätzen. Bei einem Gefahrgutunfall können zudem gefährliche Gase entstehen.
Der Einsatz in Krefeld zeigt, wie schnell ein Unfall mit Chemikalien weite Teile einer Stadt beeinflussen kann. Betroffen waren nicht nur die unmittelbare Unfallstelle, sondern auch Schulen, Kitas, der Bahnverkehr und der Straßenverkehr. Entscheidend für die Entwarnung war, dass die Einsatzkräfte den Tank sicherten, den Inhalt umpumpten und die ausgetretene Säure weitgehend aufnehmen konnten.