Kultur · Prozess in London
Russell Brand muss mit Haftstrafe rechnen
Der britische Schauspieler und frühere Comedian Russell Brand ist am Londoner Southwark Crown Court wegen Vergewaltigung und weiterer Taten sexueller Gewalt schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass der 51-Jährige nach einem Auftritt in einem Londoner Theater einen damals 21 Jahre alten weiblichen Fan vergewaltigte. In drei weiteren Punkten wurde Brand ebenfalls schuldig gesprochen. Nach dem Urteil wurde er in Untersuchungshaft genommen; das Strafmaß soll am Montag verkündet werden. Der Richter machte bereits deutlich, dass Brand mit Gefängnis rechnen müsse.
Jury spricht Brand in mehreren Punkten schuldig
Der Prozess hatte mehrere Wochen gedauert. Im Mittelpunkt standen Vorwürfe sexueller Gewalt aus der Zeit zwischen 1999 und 2009, also aus einer Phase, in der Brand in Großbritannien immer bekannter wurde. Insgesamt hatten sechs Frauen Vorwürfe gegen ihn erhoben.
Die Jury sprach Brand in einem Fall der Vergewaltigung schuldig. Hinzu kamen drei weitere Schuldsprüche im Zusammenhang mit sexueller Gewalt. Von zwei weiteren Vergewaltigungsvorwürfen wurde er freigesprochen. Bei weiteren Freisprüchen schwanken die Angaben zwischen zwei Vorwürfen sexueller Übergriffe und einem Vorwurf versuchter sexueller Nötigung.
Brand war vor der Entscheidung gegen Kaution auf freiem Fuß. Nach der Verkündung des Schuldspruchs ordnete das Gericht seine Inhaftierung bis zur Entscheidung über das Strafmaß an. Im Gerichtssaal reagierte Brand nur zurückhaltend. Beim Schuldspruch wegen Vergewaltigung schloss er die Augen, blieb ansonsten aber weitgehend regungslos.
Aussage der Frauen stand im Mittelpunkt
Im Verfahren schilderten die betroffenen Frauen ihre Vorwürfe ausführlich. Die Londoner Polizei würdigte nach dem Schuldspruch den Mut der Frauen, die Anzeige erstattet hatten. Brands Ehefrau Laura trat ebenfalls vor Gericht auf und sagte zugunsten ihres Mannes aus.
Brand hatte die Anschuldigungen während des Verfahrens zurückgewiesen. Er erklärte, sexuelle Kontakte in früheren Jahren hätten einvernehmlich stattgefunden. Zugleich räumte er ein, damals stark auf Sex fixiert gewesen zu sein. Seine Bekanntheit habe es ihm erleichtert, sexuelle Begegnungen zu haben. Rückblickend bewertete er dieses Verhalten als falsch.
Der Schauspieler sagte außerdem, Freunde und Kollegen hätten sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe von ihm distanziert. Der Vorwurf der Vergewaltigung sei für ihn „verheerend“ gewesen.
Die Verteidigung stellte die Glaubwürdigkeit der Vorwürfe infrage. Sie verwies darauf, dass die Frauen sich erst Jahre nach den mutmaßlichen Taten an die Polizei gewandt hätten. Einige Anzeigen erfolgten nach einer im Jahr 2023 ausgestrahlten Dokumentation, in der anonyme Anschuldigungen gegen Brand öffentlich geworden waren.
Staatsanwaltschaft zeichnet anderes Bild
Die Staatsanwaltschaft warf Brand ein rücksichtsloses und manipulierendes Verhalten vor. Die Anklägerin Riel Karmy-Jones sagte, Brand sei „skrupellos“, „berechnend“ und „manipulativ“ gewesen. Sie stellte die Taten in den Zusammenhang seines wachsenden Ruhms und argumentierte, Brand habe die Gefühle der Frauen nicht beachtet.
Nach Darstellung der Anklage stand für Brand im Vordergrund, eigene Wünsche durchzusetzen. Die Taten sollen sich in einer Zeit ereignet haben, in der er sich von einem aufstrebenden Stand-up-Comedian zu einer weithin bekannten Figur im britischen Unterhaltungsbetrieb entwickelte.
Vom Bühnenstar zum Angeklagten
Brand wurde durch provokante Bühnenauftritte, Moderationen und später durch Filmrollen international bekannt. Zu seinen bekanntesten Kinoprojekten zählt die Komödie „Nie wieder Sex mit der Ex“ aus dem Jahr 2008. In der Vergangenheit machte er auch mit seinem Drogenkonsum Schlagzeilen.
Zwischenzeitlich lebte Brand in den USA. Früher war er mit der Popsängerin Katy Perry verheiratet; die Ehe endete nach rund 14 Monaten.
Der Schuldspruch markiert einen tiefen Einschnitt in Brands öffentliche Laufbahn. Juristisch ist der Fall noch nicht abgeschlossen, weil erst mit der Verkündung des Strafmaßes feststeht, wie lange Brand in Haft muss. Dass eine Freiheitsstrafe droht, machte das Gericht jedoch bereits unmittelbar nach der Juryentscheidung deutlich.