Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Kultur · Kinderliteratur

Janosch mit 95 Jahren auf Teneriffa gestorben

Der Kinderbuchautor und Illustrator Janosch ist tot. Seine Figuren wie Tigerente, Tiger und Bär prägten Generationen von Kindern und Erwachsenen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Kinderbuch und eine kleine Holzfigur erinnern an Janoschs Figurenwelt.
Symbolbild: Ein Kinderbuch und eine kleine Holzfigur erinnern an Janoschs Figurenwelt. KI-generiert

Der Kinderbuchautor und Illustrator Janosch ist am Mittwoch auf Teneriffa im Alter von 95 Jahren gestorben. Der als Horst Eckert geborene Künstler wurde vor allem durch „Oh, wie schön ist Panama“, die Tigerente sowie die Freunde Tiger und Bär bekannt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte ihn als besonderen „Lebensbegleiter“ für Kinder und Erwachsene.

Figuren für Generationen

Janosch gehörte zu den prägenden Stimmen der deutschsprachigen Kinderliteratur. Mit klaren Bildern, eigenwilligem Humor und viel Zuneigung für seine Figuren erreichte er ein Publikum weit über Deutschland hinaus. Seine Bücher wurden millionenfach gelesen und in zahlreiche Sprachen übertragen. Insgesamt schuf er mehr als 150 Bücher, Übersetzungen erschienen in über 30 Sprachen.

Seinen großen Durchbruch hatte Janosch 1978 mit „Oh, wie schön ist Panama“. Das Buch erzählt von Tiger und Bär, die sich auf die Suche nach einem Sehnsuchtsort machen und am Ende entdecken, was Nähe, Freundschaft und Zuhause bedeuten. Für das Werk erhielt Janosch den Deutschen Jugendliteraturpreis. Auch „Post für den Tiger“ und „Ich mach dich gesund, sagte der Bär“ wurden zu Klassikern in Kinderzimmern, Bibliotheken und Schulen.

Die Tigerente entwickelte sich zu einer seiner bekanntesten Figuren. Sie steht bis heute für eine Welt, in der kleine Wesen große Fragen stellen dürfen. Janoschs Geschichten kamen ohne laute Effekte aus. Sie setzten auf Witz, Wärme und eine oft melancholische Klugheit.

Herkunft und schwere Kindheit

Geboren wurde Janosch 1931 im oberschlesischen Hindenburg, dem heutigen Zabrze in Polen. Sein bürgerlicher Name war Horst Eckert. Die Kindheit war von Armut, Angst und familiärer Gewalt geprägt. Der Vater war alkoholkrank und gewalttätig. Später sprach Janosch wiederholt sehr hart über diese frühen Jahre.

Gerade vor diesem Hintergrund wirkten seine Kinderbücher wie ein Gegenentwurf. Statt Härte und Gehorsam standen bei ihm Freundschaft, Fürsorge, Eigensinn und Neugier im Mittelpunkt. Sein Tübinger Verleger Bernhard Feil beschrieb Janoschs Anliegen so, er habe den Menschen ihre „verpasste Kindheit zurückgeben“ wollen. Das sei ihm auf spielerische Weise gelungen.

Janoschs Werk blieb nicht auf Kinderbücher beschränkt. Er schrieb auch Bücher für Erwachsene, darunter Romane, die in Oberschlesien angesiedelt sind. Darin traten die dunkleren Seiten seiner Herkunft deutlicher hervor. Dennoch blieb er für die breite Öffentlichkeit vor allem der Erfinder einer sanften, widerspenstigen Bilderwelt.

Rückzug und späte Arbeiten

Nach dem Erfolg seiner Bücher zog sich Janosch 1980 auf die Kanareninsel Teneriffa zurück. Dort lebte er viele Jahre abseits des Literaturbetriebs. Die Distanz zum öffentlichen Trubel passte zu seinem Auftreten: Er suchte Ruhe, blieb aber künstlerisch präsent.

Von 2013 bis 2019 kommentierte er mit der Figur Herr Wondrak regelmäßig das Zeitgeschehen. Wondrak war Janoschs Alter Ego: lakonisch, lebensklug, bisweilen schroff, aber nie ohne Mitgefühl. Die Zeichnungen wurden später in Buchform gesammelt.

Würdigungen aus Kultur und Politik

Nach seinem Tod reagierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kultur mit großer Anteilnahme. Bundespräsident Steinmeier erklärte, Janoschs Figuren hätten Kindern weltweit „Mut zum Träumen“ gegeben. Sie hätten unvergessliche Abenteuer erlebt und seien für viele Menschen Teil der eigenen Kindheit geworden.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verwies auf die besondere Botschaft von Janoschs Geschichten. Sie hätten gezeigt, dass Glück oft im Kleinen liege, in Freundschaft und Freiheit. Auch im Verlagsumfeld wurde Janoschs Bedeutung hervorgehoben. Lektorin Katrin Hartmann beschrieb seine Figuren als unangepasst und widerständig. Sie stellten infrage, was Menschen besitzen oder erreichen müssten, um glücklich zu sein.

Janoschs Bücher bleiben in vielen Familien präsent, weil sie Kindern zutrauen, die Welt eigenständig zu betrachten. Seine Figuren sind keine makellosen Vorbilder. Sie zweifeln, suchen, sorgen füreinander und finden Trost in einfachen Dingen. Darin liegt ein Grund, warum seine Geschichten über Jahrzehnte hinweg gelesen wurden.