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Wissen & Technik · Auszeichnung in Stockholm

Wirtschaftspreis für Hall und Woodford

Robert E. Hall und Michael Woodford erhalten den Wirtschaftspreis in Gedenken an Alfred Nobel. Geehrt werden Modelle für Konjunktur und Stabilisierungspolitik.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine leere Seminarumgebung steht für makroökonomische Forschung und wirtschaftliche Modelle.
Symbolbild: Eine leere Seminarumgebung steht für makroökonomische Forschung und wirtschaftliche Modelle. KI-generiert

Robert E. Hall und Michael Woodford werden mit dem diesjährigen Wirtschaftspreis in Gedenken an Alfred Nobel ausgezeichnet. Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften ehrte die beiden US-Ökonomen am Montag in Stockholm für Arbeiten, die erklären, wie Geld- und Finanzpolitik wirtschaftliche Ausschläge begrenzen können. Ihre Modelle gelten als Grundlage für Instrumente, mit denen Staaten und Zentralbanken auf Rezessionen, Inflation oder Nachfrageschocks reagieren.

Modelle für Krisenpolitik

Die Akademie würdigt Hall und Woodford für eine makroökonomische Forschung, die nicht allein große Kennzahlen wie Wachstum, Preise oder Konsum betrachtet. Im Mittelpunkt steht vielmehr, wie Entscheidungen einzelner Haushalte und Unternehmen die Gesamtwirtschaft prägen. Daraus entstehen Modelle, die Konjunkturbewegungen genauer beschreiben und wirtschaftspolitische Eingriffe besser planbar machen sollen.

Wie die Tagesschau berichtete, verwies Akademie-Generalsekretärin Ellen Moons bei der Bekanntgabe darauf, dass abgestimmte Maßnahmen der Fiskal- und Geldpolitik Auf- und Abschwünge abmildern können. Gemeint sind etwa staatliche Ausgaben, Steuern, Defizite, Leitzinsen und die Erwartungen, die durch Ankündigungen von Regierungen und Notenbanken entstehen.

Der Vorsitzende des zuständigen Preiskomitees, John Hassler, hob die Bedeutung der Arbeiten für die Praxis hervor. Nach Darstellung des Deutschlandfunks betonte er, die Forschung habe eine tragfähige Theorie für Modelle geliefert, die heute international in Behörden und Zentralbanken eingesetzt werden. Damit könnten wirtschaftliche Schocks besser bewältigt werden, etwa Energiekrisen oder abrupte Änderungen im Konsumverhalten.

Hall und Woodford

Hall ist 83 Jahre alt und Professor an der Stanford University. Er zählt zu den prägenden US-Makroökonomen, besonders in der Konjunktur- und Arbeitsmarktforschung. Von 1978 bis 2024 leitete er das Business Cycle Dating Committee des National Bureau of Economic Research. Dieses Gremium legt für die USA fest, wann eine Rezession beginnt und wann sie endet.

Woodford ist 71 Jahre alt und lehrt als John Bates Clark Professor of Political Economy an der Columbia University in New York. Er promovierte 1983 am Massachusetts Institute of Technology in Wirtschaftswissenschaften. In seinen Arbeiten spielt eine zentrale Rolle, dass Haushalte und Unternehmen nicht nur auf die Gegenwart reagieren, sondern Erwartungen über die Zukunft in ihre Entscheidungen einbeziehen.

Die Süddeutsche Zeitung ordnete die Auszeichnung in die lange Debatte über Stabilisierungspolitik ein. Schon John Maynard Keynes hatte vor mehr als einem Jahrhundert beschrieben, wie Staaten in Krisen die Nachfrage stützen und in Boomphasen gegen Überhitzung vorgehen könnten. In den 1970er-Jahren geriet dieser Ansatz durch hohe Inflation und Arbeitslosigkeit unter Druck. Hall und Woodford liefern nun eine theoretische Basis, die solche Politik stärker mit dem Verhalten einzelner Akteure verbindet.

Preis mit Sonderstellung

Der Wirtschaftspreis hat innerhalb der Nobel-Auszeichnungen eine besondere Geschichte. Er geht nicht direkt auf das Testament Alfred Nobels zurück. Gestiftet wurde er 1968 von der schwedischen Reichsbank; erstmals vergeben wurde er 1969. Die Nobel-Stiftung führt ihn deshalb nicht als ursprünglichen Nobelpreis, sondern als Wirtschaftspreis zum Andenken an Alfred Nobel.

Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert. Das entspricht etwas mehr als einer Million Euro. Überreicht wird sie wie die übrigen Nobelpreise am 10. Dezember in Stockholm, dem Todestag Nobels.

Vor der Bekanntgabe in Wirtschaftswissenschaften waren bereits die Preisträgerinnen und Preisträger in Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden genannt worden. Damit endet traditionell die Reihe der Nobelverkündungen des Jahres. Der Wirtschaftspreis gilt trotz seiner späteren Stiftung als eine der wichtigsten internationalen Ehrungen für ökonomische Forschung.