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Wissen & Technik · Reform der Weltzeit

Schaltsekunde endet 2027

Die internationale Zeitordnung wird umgestellt: Ab Mai 2027 läuft die UTC ohne Schaltsekunden weiter. Statt kleiner Korrekturen ist langfristig eine Schaltstunde vorgesehen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die internationale Zeitmessung wird künftig ohne Schaltsekunden organisiert.
Symbolbild: Die internationale Zeitmessung wird künftig ohne Schaltsekunden organisiert. KI-generiert

Die Schaltsekunde hat ein festes Ende: Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht hat am Donnerstag in Versailles beschlossen, dass die Koordinierte Weltzeit UTC vom 20. Mai 2027 an ohne solche Einfügungen weiterläuft. Damit wird eine Regel beendet, die seit 1972 die Atomzeit regelmäßig an die ungleichmäßige Erdrotation angepasst hat. Künftig darf die UTC deutlich weiter von der astronomischen Zeit abweichen; als spätere Korrektur ist nach Angaben von heise online eine Schaltstunde vorgesehen.

Weltzeit läuft künftig ohne Sekundenkorrektur

Die Entscheidung der Generalkonferenz konkretisiert einen Grundsatzbeschluss aus dem Jahr 2022. Damals war das Ende der Schaltsekunde bereits vereinbart worden, nun steht der Termin fest. Deutschlandfunk berichtete, bis zum 20. Mai 2027 solle es keine weitere Schaltsekunde mehr geben.

Die bisherige Regel verband zwei unterschiedliche Zeitmaßstäbe. Die UTC wird mit Atomuhren bestimmt, die extrem gleichmäßig laufen. Die astronomische Zeit UT1 richtet sich dagegen nach der Drehung der Erde. Diese Rotation ist nicht völlig konstant. Sie verändert sich geringfügig, etwa durch jahreszeitliche Einflüsse oder andere Schwankungen im Erdinneren und im Zusammenspiel mit Mond und Sonne.

Damit beide Zeitskalen nicht zu weit auseinanderdriften, durfte die Differenz bisher höchstens 0,9 Sekunden betragen. Näherte sich die Abweichung dieser Grenze, ordnete der Internationale Erdrotations- und Referenzsystemdienst eine Schaltsekunde an. Seit Einführung des Verfahrens geschah das 27-mal, zuletzt Ende 2016. Eingefügt wurde die zusätzliche Sekunde jeweils zum Jahresende oder zur Jahresmitte; eine Minute dauerte dann ausnahmsweise 61 Sekunden.

IT-Systeme gelten als besonders empfindlich

Für den Alltag blieb eine solche Zusatzsekunde meist unsichtbar. Für digitale Systeme war sie jedoch ein Sonderfall, den Software, Datenbanken, Netzwerke und Zeitserver korrekt verarbeiten mussten. Besonders heikel ist das für Bereiche, die auf weltweit einheitliche Zeitstempel angewiesen sind, darunter Stromversorgung, Telekommunikation und Verkehr.

Der Spiegel verweist zudem auf die Sorge vor einer Minus-Schaltsekunde. In den vergangenen Jahren drehte sich die Erde zeitweise etwas schneller als erwartet. Dadurch wäre erstmals denkbar geworden, nicht eine Sekunde einzufügen, sondern eine Sekunde auszulassen. Eine solche negative Korrektur wurde noch nie angewandt. Fachleute und Industrie sahen darin ein Risiko, weil unklar war, ob alle technischen Systeme darauf vorbereitet wären. Heise online nennt eine frühere Expertenschätzung, nach der bis 2035 eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent für eine nötige negative Schaltsekunde angenommen wurde.

Auch bisher gingen technische Systeme nicht immer gleich mit Schaltsekunden um. Satellitennavigation ist ein Beispiel: GPS-Zeit berücksichtigt solche Korrekturen anders als UTC, während andere Systeme sie direkt einarbeiten. Solche Unterschiede können bei hochpräzisen Anwendungen eine Rolle spielen.

Statt Schaltsekunde kommt die Schaltstunde

Mit der neuen Regel wird die zulässige Abweichung zwischen UTC und UT1 stark erweitert. Künftig darf sie bis zu 3.600 Sekunden betragen, also eine volle Stunde. Erst dann wäre eine größere Korrektur fällig. Praktisch bedeutet das: Die bisherige Feinjustierung durch einzelne Sekunden verschwindet, und eine mögliche Anpassung rückt in sehr weite Zukunft.

Heise online berichtet, Fachleute rechneten mit mehr als 1.000 Jahren, möglicherweise sogar bis zu 3.000 Jahren, bevor eine solche Schaltstunde nötig werden könnte. Andere Berichte sprechen allgemein von mehreren Jahrhunderten. In jedem Fall verschiebt die Reform den nächsten Eingriff in die Weltzeitordnung weit über die Lebensdauer heutiger technischer Systeme hinaus.

Ein Argument für die größere Toleranz ist, dass die gesetzliche Uhrzeit vielerorts schon heute nicht exakt der örtlichen Sonnenzeit entspricht. Zeitzonen umfassen breite geografische Räume, Staaten wählen ihre Standardzeit politisch, und die Sommerzeit verschiebt die Uhr zusätzlich. Eine wachsende Differenz zwischen Atomzeit und Sonnenstand fällt deshalb im Alltag zunächst kaum ins Gewicht.

Folgen vor allem für Fachgebiete

Die Reform betrifft vor allem Bereiche, die mit der Erdrotation selbst arbeiten. Dazu gehören Astronomie und Geodäsie, also die Vermessung der Erde. Dort bleibt die astronomische Zeit wichtig, weil Beobachtungen und Berechnungen den tatsächlichen Stand der Erde im Raum berücksichtigen müssen.

Für die internationale Zeitpraxis ist die Entscheidung dennoch eine Zäsur. Seit mehr als fünf Jahrzehnten hielt die Schaltsekunde die offizielle Weltzeit eng an der Erdrotation. Ab Mai 2027 bekommt die technische Stabilität Vorrang vor der sekundengenauen Nähe zur Sonnenzeit.