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Psychische Erkrankungen verursachen mehr Fehltage
Die Fehlzeiten von AOK-Versicherten sind im vergangenen Jahr insgesamt etwas zurückgegangen. Zugleich zeigt der Fehlzeiten-Report der Krankenkasse eine deutliche Verschiebung bei den Ursachen: Psychische Erkrankungen fallen stärker ins Gewicht als noch vor einigen Jahren. Innerhalb eines Jahrzehnts stieg die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund solcher Diagnosen um knapp 42 Prozent, wie der Deutschlandfunk berichtete.
Rückgang bei den gesamten Ausfällen
Im Durchschnitt kamen auf jedes AOK-Mitglied gut 23 Arbeitsunfähigkeitstage. In den beiden Vorjahren hatte der Wert jeweils bei knapp 24 Tagen gelegen. Damit fiel der Krankenstand nicht stark, aber messbar niedriger aus.
Der Report erfasst die Arbeitsunfähigkeiten der Versicherten der AOK. Er erlaubt damit einen Blick auf Entwicklungen in einem großen Teil der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Zahlen zeigen, dass sich die Gesamtbelastung durch Ausfälle zwar leicht abgeschwächt hat, einzelne Krankheitsgruppen aber weiter an Bedeutung gewinnen.
Auffällig ist vor allem der Anteil psychischer Erkrankungen an allen Fehlzeiten. Sie machten zuletzt 12,5 Prozent der gesamten Ausfalltage aus. Damit ist etwa jeder achte Fehltag in dieser Versichertengruppe auf psychische Diagnosen zurückzuführen.
Besonders betroffene Berufsgruppen
Der AOK-Report weist deutliche Unterschiede zwischen Berufsbereichen aus. Besonders häufig traten psychisch bedingte Ausfälle bei Beschäftigten in Callcentern auf. Ebenfalls stark betroffen waren Pflegeberufe sowie Tätigkeiten in der Kinderbetreuung.
Diese Branchen haben gemeinsam, dass sie häufig von engem Kontakt mit Menschen, hoher Verantwortung und oft auch organisatorischem Druck geprägt sind. Der Report benennt die Häufungen, ohne daraus eine einzelne Ursache abzuleiten. Für Betriebe und Einrichtungen in diesen Bereichen sind die Werte dennoch ein wichtiges Signal, weil längere Fehlzeiten die Personalplanung zusätzlich erschweren können.
Psychische Erkrankungen führen nicht nur zu Ausfalltagen, sondern können auch längere Krankheitsverläufe bedeuten. Wenn solche Diagnosen über Jahre zunehmen, steigt die Relevanz für Arbeitsschutz, betriebliche Gesundheitsförderung und Personalpolitik. Die Entwicklung betrifft damit nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch Unternehmen, Verwaltungen und soziale Einrichtungen.
Entwicklung über zehn Jahre
Der Anstieg um knapp 42 Prozent innerhalb von zehn Jahren zeigt, dass psychische Belastungen im Arbeitskontext stärker sichtbar werden. Die Zahl beschreibt die Arbeitsunfähigkeitstage bei AOK-Versicherten, die auf psychische Erkrankungen zurückgehen. Sie sagt damit vor allem etwas über dokumentierte Ausfälle aus.
Gleichzeitig bleibt die Gesamtzahl der Fehltage im jüngsten Berichtsjahr leicht unter den Werten der beiden Vorjahre. Beide Befunde stehen nebeneinander: weniger Ausfalltage insgesamt, aber eine wachsende Bedeutung psychischer Diagnosen innerhalb der Fehlzeitenstruktur.
Für die Einordnung ist dieser Unterschied zentral. Ein sinkender Durchschnittswert bedeutet nicht, dass sich alle Gesundheitsbereiche gleichermaßen entspannen. Vielmehr kann sich die Zusammensetzung der Krankheitsursachen verändern. Genau darauf verweist der aktuelle Fehlzeiten-Report der AOK.
Bedeutung für Betriebe
Für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dürften die Ergebnisse vor allem dort relevant sein, wo die Belastung bereits hoch ist und Personal knapp bleibt. Pflege, Kinderbetreuung und telefonische Kundenbetreuung zählen zu Bereichen, in denen Ausfälle schnell zusätzliche Arbeit für Kolleginnen und Kollegen erzeugen können.
Die Zahlen unterstreichen auch, dass psychische Gesundheit ein fester Bestandteil betrieblicher Prävention ist. Maßnahmen gegen Überlastung, verlässliche Dienstplanung, Unterstützung durch Führungskräfte und gute Arbeitsorganisation können dabei eine Rolle spielen. Der Report selbst liefert vor allem die statistische Grundlage: Die Fehlzeiten insgesamt sinken leicht, psychische Erkrankungen bleiben jedoch ein wachsender Faktor.