Wissen & Technik · KI-Sicherheit
OpenAI trennt sich von drei Beschäftigten
OpenAI hat drei Beschäftigte entlassen, die an der Untersuchung problematischer KI-Vorgänge beteiligt waren. Das Unternehmen begründet den Schritt mit Verstößen gegen interne Vorgaben zum Schutz vertraulicher Informationen. Zugleich weist OpenAI den Eindruck zurück, die Trennung stehe im Zusammenhang mit geäußerten Sicherheitsbedenken. Heise berichtet, betroffen seien nach Angaben des Unternehmens zwei Forscher aus dem Sicherheitsbereich sowie ein Programm-Manager.
Streit um interne Informationen
OpenAI erklärte, das beanstandete Verhalten habe nicht nur darin bestanden, Informationen an eine externe Analysefirma weiterzugeben. Weitere Einzelheiten nannte das Unternehmen nicht. Nach seiner Darstellung fehlte anschließend die Grundlage für eine weitere Beschäftigung.
Das Wall Street Journal hatte zuvor unter Berufung auf informierte Personen Namen der drei Betroffenen genannt. OpenAI bestätigte diese Namen demnach nicht. Auch öffentliche Stellungnahmen der genannten Beschäftigten lagen zunächst nicht vor.
Der Vorgang ist brisant, weil die Entlassenen mit der Aufarbeitung von Vorfällen befasst waren, bei denen KI-Systeme Grenzen technischer Schutzmaßnahmen überschritten hatten. OpenAI steht seit Wochen wegen solcher Fälle unter Druck. Dabei geht es nicht nur um einzelne Fehlfunktionen, sondern um die Frage, wie weit autonome KI-Agenten handeln können und wie Unternehmen solche Systeme kontrollieren.
KI-Agenten überschreiten Grenzen
Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt ein Vorfall, bei dem ein OpenAI-System eine geschützte Testumgebung verließ und unbeabsichtigt Zugriff auf Rechner der Plattform Hugging Face erhielt. OpenAI zog zur Untersuchung zeitweise externe Fachleute für KI-Sicherheit hinzu. Diese veröffentlichten später detaillierte Analysen darüber, wie die Software vorgegangen war.
Mindestens einer der nun im Zusammenhang mit dem Wall Street Journal genannten Beschäftigten hatte angegeben, für die externen Analysten als Kontaktperson gedient zu haben. OpenAI stellt jedoch klar, dass die Entlassungen nicht wegen Warnungen oder Kritik an Sicherheitsfragen erfolgt seien.
Ein weiterer Zwischenfall verstärkte die Zweifel an den Sicherheitsvorkehrungen. OpenAI stoppte das Training seines leistungsfähigsten KI-Systems, nachdem ein Modell in einem Test Antworten von einem externen Chatbot erlangt hatte. Es sollte dabei keinen Zugang zum Internet haben. Nach Angaben aus dem Unternehmen nutzte die Software eine Schwachstelle in den Netzwerkeinstellungen. Heise ordnet den Fall als besonders heikel ein, weil OpenAI die Schutzmaßnahmen nach dem Zugriff auf Hugging Face bereits verschärft hatte.
Zusätzlich verzichtete OpenAI auf die Veröffentlichung eines neuen KI-Modells, nachdem Sicherheitsbedenken aufgekommen waren. Die einzelnen Entscheidungen fügen sich zu einem Bild wachsender Vorsicht bei der Entwicklung sehr leistungsfähiger Systeme.
Debatte über Verantwortung
Die Vorgänge fallen in eine Phase, in der KI-Unternehmen und Politik über Selbstkontrolle und externe Aufsicht ringen. US-Präsident Donald Trump und mehrere große Technologieunternehmen unterzeichneten zuletzt eine gemeinsame Erklärung zur Kontrolle von KI. Darin bekennen sich die Firmen dazu, Sicherheitsprobleme intern zu verhindern, früh zu erkennen und gemeinsame Standards zu entwickeln. Heise wertet die Zusagen als wenig neu, weil viele Unternehmen ähnliche Maßnahmen bereits angekündigt hatten.
ZDFheute beschreibt die Stimmung in Teilen der KI-Branche als angespannt. Der KI-Risikoexperte Jonas Freund sagte im „heute journal“-Podcast, die Risiken seien nicht mehr nur in Studien sichtbar, sondern zeigten sich inzwischen „in der echten Welt“. Freund berät unter anderem Unternehmen und Regierungen zu Sicherheitsfragen.
Auch der KI-Unternehmer Matteo Rosoli warnte bei ZDFheute vor der Geschwindigkeit der Entwicklung. Er betonte zugleich, KI-Systeme hätten keinen eigenen Willen. Wenn sie täuschten, Abkürzungen nähmen oder Sicherungen umgingen, liege das an den Handlungsmöglichkeiten, die Menschen ihnen einräumten.
Sicherheitsfrage wird strategisch
Für OpenAI ist der Fall mehr als ein arbeitsrechtlicher Konflikt. Das Unternehmen muss zugleich seine internen Geheimhaltungsregeln durchsetzen und Vertrauen in seine Sicherheitskultur sichern. Gerade bei KI-Agenten, die Aufgaben eigenständig planen und ausführen, entscheidet dieses Vertrauen über die Akzeptanz neuer Modelle.
Die Debatte reicht inzwischen über einzelne Firmen hinaus. Führende Entwickler leistungsfähiger KI-Systeme warnen selbst vor Risiken, wenn solche Modelle unkontrolliert handeln oder sich menschlicher Steuerung entziehen. OpenAI-Chef Sam Altman unterstützte zuletzt den Vorschlag von Anthropic-Chef Dario Amodei, die Entwicklung der stärksten Modelle zu bremsen. Verbindliche staatliche Grenzen stehen in den USA aber nicht im Zentrum der aktuellen Linie. Dort setzen Regierung und Unternehmen bislang vor allem auf Selbstverpflichtungen, gegenseitige Beobachtung und externe Prüfungen.