Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Wissen & Technik · Brustkrebs-Früherkennung

Mammografie-Screening soll ab 45 Jahren starten

Der Gemeinsame Bundesausschuss erweitert die Brustkrebs-Früherkennung. Künftig sollen Frauen bereits ab 45 Jahren Anspruch auf das Mammografie-Screening haben.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Untersuchungsraum für die Brustkrebs-Früherkennung in einer medizinischen Einrichtung.
Symbolbild: Ein Untersuchungsraum für die Brustkrebs-Früherkennung in einer medizinischen Einrichtung. KI-generiert

Der Gemeinsame Bundesausschuss senkt die Altersgrenze für das organisierte Mammografie-Screening zur Brustkrebs-Früherkennung. Frauen sollen künftig schon ab 45 Jahren daran teilnehmen können; bislang zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Röntgenuntersuchung der Brust regulär für Frauen von 50 bis 75 Jahren. Die Änderung soll nach Angaben des Deutschlandfunks voraussichtlich im Sommer 2027 wirksam werden.

Kassenleistung für jüngere Frauen

Mit dem Beschluss wird der Kreis der Anspruchsberechtigten ausgeweitet. Bisher ist das Screening für Frauen ab 50 vorgesehen und findet in regelmäßigen Abständen statt. Künftig kommt die Altersgruppe der 45- bis 49-Jährigen hinzu. Der Tagesspiegel berichtet, Deutschland folge damit einer europäischen Empfehlung aus dem Jahr 2021, die eine frühere Teilnahme vorsieht.

Das Mammografie-Screening ist in Deutschland seit 2009 Teil der Brustkrebs-Früherkennung. Ziel ist, Tumoren möglichst in einem frühen Stadium zu entdecken. Anders als beim Abtasten können Röntgenaufnahmen auch sehr kleine Veränderungen im Brustgewebe sichtbar machen. Das kann besonders wichtig sein, bevor ein Knoten tastbar wird oder Beschwerden auftreten.

Brustkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Laut Zentrum für Krebsregisterdaten werden jährlich etwa 75.000 neue Tumoren im Brustdrüsengewebe festgestellt. Ein Teil der Erkrankungen tritt vor dem 50. Lebensjahr auf. Bei Frauen unter 45 Jahren ist Brustkrebs die häufigste Krebsart.

Nutzen und mögliche Belastungen

Die Untersuchung erfolgt mit Röntgenstrahlen. Von jeder Brust werden Aufnahmen erstellt, damit auch kleine Auffälligkeiten sichtbar werden. Dafür wird die Brust im Gerät kurz zusammengedrückt und fixiert. Die Methode kann unangenehm sein, ist aber auf eine kurze Untersuchungszeit angelegt.

Fachleute bewerten die Strahlendosis als niedrig. Der Gynäkologe Achim Wöckel vom Universitätsklinikum Würzburg sagte dem Science Media Center laut Tagesspiegel, die Belastung einer Mammografie liege etwa bei 0,2 bis 0,4 Millisievert. Sie sei damit geringer als die natürliche Strahlenbelastung eines Jahres und entspreche nur einer Exposition über mehrere Wochen. Ein Restrisiko durch Strahlung lässt sich dennoch nicht vollständig ausschließen.

Bei jüngeren Frauen spielt zudem die Brustdichte eine Rolle. Dichteres Gewebe kann die Beurteilung der Bilder erschweren. Dadurch steigt die Gefahr, dass ein Verdacht entsteht, der sich später nicht bestätigt. Nach einer Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen aus dem Jahr 2022 erhielten pro Screeningrunde von 10.000 Frauen im Alter von 45 bis 49 Jahren bis zu 340 eine Biopsie, obwohl anschließend kein Brustkrebs nachgewiesen wurde.

Abwägung bei der Früherkennung

Eine Biopsie bedeutet, dass Gewebe aus einem auffälligen Bereich entnommen und im Labor untersucht wird. Komplikationen wie Schmerzen, Schwellungen oder Blutungen sind selten, können aber vorkommen. Auch Überdiagnosen gehören zu den möglichen Nachteilen der Früherkennung. Dabei wird ein Tumor entdeckt und behandelt, der möglicherweise nie Beschwerden verursacht hätte. Das Bundesamt für Strahlenschutz schätzt, dass rund 14 Prozent der im Screening gefundenen Tumoren Überdiagnosen sein könnten.

Dem stehen mögliche Vorteile gegenüber. Eine frühere Diagnose kann die Behandlung verbessern und Todesfälle verhindern. Nach einer Metaanalyse des Bundesamts für Strahlenschutz kann das Screening bei Frauen unter 50 Jahren die Brustkrebssterblichkeit um 18 Prozent senken. Bei Frauen über 70 Jahren lag die Verringerung laut den vom Tagesspiegel zitierten Angaben bei etwa 28 Prozent.

Das Mammografie-Screening bleibt damit eine Vorsorgeuntersuchung, bei der Nutzen und Risiken gegeneinander abzuwägen sind. Mit der abgesenkten Altersgrenze soll eine Gruppe einbezogen werden, in der Brustkrebs bereits relevant ist, die aber bisher nicht regulär vom organisierten Programm erfasst wurde.