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Wissen & Technik · Nobelpreis Chemie

Kagan und Soai erhalten Chemie-Nobelpreis

Henri Kagan aus Frankreich und Kenso Soai aus Japan werden mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet. Ihre Arbeiten betreffen zentrale Fragen der asymmetrischen Synthese.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Molekülmodelle in einem Labor veranschaulichen Forschung zur chemischen Asymmetrie.
Symbolbild: Molekülmodelle in einem Labor veranschaulichen Forschung zur chemischen Asymmetrie. KI-generiert

Henri Kagan und Kenso Soai erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Chemie. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm zeichnet den französischen und den japanischen Forscher für grundlegende Beiträge zur asymmetrischen organischen Synthese aus. Im Mittelpunkt stehen nichtlineare Effekte und autokatalytische Vorgänge, die erklären helfen, wie chemische Asymmetrie entstehen kann. Die taz berichtete unter Berufung auf dpa, die Erkenntnisse seien wichtig für Chemikerinnen und Chemiker gewesen, die Grundlagen für die Arzneimittelherstellung entwickeln.

Arbeiten an Spiegelbild-Molekülen

Viele Moleküle kommen in zwei Formen vor, die sich zueinander verhalten wie linke und rechte Hand. Aminosäuren sind ein Beispiel für solche spiegelbildlichen Varianten. In lebenden Organismen findet sich häufig nur eine dieser Formen. Warum und wie diese Einseitigkeit in der Chemie zustande kommt, war lange eine zentrale Frage.

Kagan von der Université Paris-Sud und Soai von der Tokyo University of Science werden dafür geehrt, dass ihre Forschung dieses Problem entscheidend vorangebracht hat. Ihre Arbeiten betreffen Reaktionswege, bei denen bestimmte Produkte die eigene Bildung beeinflussen können, sowie Effekte, die sich nicht einfach proportional aus den Ausgangsbedingungen ableiten lassen. Für die organische Synthese ist das besonders bedeutsam, weil bei Wirkstoffen oft genau eine molekulare Gestalt erwünscht ist.

Die Süddeutsche Zeitung nennt als offizielle Begründung der Akademie die Entdeckung solcher Effekte und der Autokatalyse im Rahmen asymmetrischer Synthesen. Damit steht der Preis in diesem Jahr für ein Feld, das grundlegende chemische Theorie mit praktischer Relevanz verbindet.

Preisgeld zum Jubiläum erhöht

Der Chemie-Nobelpreis ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen ausgestattet. Das entspricht rund einer Million Euro. Die Nobelstiftung hat die Summe zum 125-jährigen Bestehen der Auszeichnung um eine Million Kronen angehoben. Die feierliche Übergabe erfolgt wie üblich am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

Die Nobelpreise gehen, mit Ausnahme des Wirtschaftspreises, auf das Testament des schwedischen Erfinders und Stifters Alfred Nobel zurück. Vergeben werden sie seit 1901. In diesem Jahr fällt damit ein Jubiläum an, das sich auch im höheren Preisgeld niederschlägt.

Eine weitere Besonderheit betrifft die Verkündung der wissenschaftlichen Preise. Ellen Moons, seit Jahresbeginn Generalsekretärin der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, gibt erstmals als Frau in diesem Amt die Namen der Preisträger für Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften bekannt. Die gebürtige Belgierin steht an der Spitze einer Institution, die seit 1739 besteht.

Nobelwoche mit weiteren Entscheidungen

Die Chemie ist die dritte der sechs Nobel-Kategorien, die Anfang Oktober nacheinander bekanntgegeben werden. Am Montag war der Medizin-Nobelpreis Peter Hegemann von der Humboldt-Universität zu Berlin, Georg Nagel von der Universität Würzburg und Karl Deisseroth zugesprochen worden. Gewürdigt werden ihre Entdeckungen in der Optogenetik, mit der sich Zellen mithilfe von Licht gezielt steuern lassen.

Am Dienstag folgte der Physik-Nobelpreis für Francis Halzen von der University of Wisconsin in Madison. Er wurde für bedeutende Beiträge zum Neutrino-Observatorium IceCube ausgezeichnet, einem mit Sensoren versehenen Kubikkilometer Eis in der Antarktis. Damit gelang der Nachweis hochenergetischer kosmischer Neutrinos.

In den kommenden Tagen werden noch die Preisträgerinnen oder Preisträger für Literatur und Frieden bekanntgegeben. Am kommenden Montag endet die Reihe mit dem von der schwedischen Reichsbank gestifteten Wirtschaftspreis, der im allgemeinen Sprachgebrauch ebenfalls als Nobelpreis bezeichnet wird.

Rückblick auf die Chemie-Auszeichnung

Im vergangenen Jahr ging der Chemie-Nobelpreis an Susumu Kitagawa, Richard Robson und Omar Yaghi. Sie wurden für metallorganische Gerüstverbindungen ausgezeichnet. Diese Strukturen können große Hohlräume enthalten und dadurch unter anderem bei der Speicherung von Gasen, bei der Abscheidung von Kohlendioxid, bei der Gewinnung von Wasser aus trockener Luft oder als Katalysatoren eingesetzt werden.

Seit der ersten Vergabe im Jahr 1901 wurde der Chemie-Nobelpreis laut taz an 198 verschiedene Forschende verliehen. Zwei von ihnen erhielten ihn zweimal. Unter den Geehrten waren bislang acht Frauen, darunter Marie Curie im Jahr 1911 sowie Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna im Jahr 2020 für die Entwicklung der Genschere.