Wissen & Technik · Brustkrebs-Früherkennung
Früher Brustkrebs ist oft heilbar
Brustkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. In Deutschland erhalten nach Angaben von ZDFheute jedes Jahr rund 77.000 Frauen diese Diagnose. Entscheidend für die Prognose ist, wie früh ein Tumor entdeckt wird und welche biologischen Eigenschaften er hat. Wird Brustkrebs in einem frühen Stadium festgestellt, lässt er sich heute in vielen Fällen wirksam behandeln. Dazu tragen Mammografie, Ultraschall, ärztliche Untersuchungen, ergänzende Tastverfahren und moderne Therapien bei.
Früherkennung beginnt vor der Therapie
Früher Brustkrebs bedeutet, dass der Tumor noch keine Absiedlungen in anderen Organen gebildet hat. Sind auch die Lymphknoten in den Achselhöhlen nicht betroffen, sind die Aussichten besonders günstig. Marcus Schmidt, Leiter des Brustzentrums an der Universitätsmedizin Mainz, sagte ZDFheute, früher Brustkrebs sei „in der großen Mehrzahl der Fälle heilbar“. Auch bei befallenen Lymphknoten können die Chancen noch gut sein.
Das Mammografie-Screening soll Tumoren möglichst früh sichtbar machen. Ergänzend kommen in der gynäkologischen Versorgung Tastuntersuchungen hinzu. Die taz schildert ein Beispiel aus Fürth: Dort arbeitet Marie Hövener als medizinisch-taktile Brustuntersucherin. Sie ist blind und nutzt ihren trainierten Tastsinn, um Auffälligkeiten im Brustgewebe systematisch zu erfassen. In Deutschland üben nach Angaben des Berichts 42 Frauen diesen Beruf aus.
Die Methode heißt Taktilografie. Sie ersetzt weder Mammografie noch Ultraschall, sondern ergänzt diese Verfahren. Besonders jüngere Frauen können dadurch stärker für Vorsorge sensibilisiert werden, da die regulären Screening-Angebote vor allem Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren betreffen.
Blinde Tastuntersucherinnen nehmen sich mehr Zeit
Eine taktile Brustuntersuchung dauert je nach Brustgröße etwa 30 bis 60 Minuten. In gynäkologischen Praxen bleiben für das Abtasten im Alltag deutlich weniger Minuten. Medizinisch-taktile Untersucherinnen suchen nach kleinen Verhärtungen, Unebenheiten oder anderen Veränderungen. Hövener erklärt Patientinnen dabei auch, wie sich verdächtige Knoten von anderem Gewebe unterscheiden können.
Die taz verweist auf eine Studie im Auftrag des österreichischen Gesundheitsministeriums mit 1.148 Teilnehmerinnen. Demnach fanden medizinisch-taktile Untersucherinnen bei ihrer ausführlicheren Untersuchung ungefähr doppelt so viele Auffälligkeiten wie Ärztinnen und Ärzte bei der Standardtastung. Zugleich gab es etwas mehr falsch positive Befunde. Eine solche Tastuntersuchung kostet im geschilderten Beispiel 79 Euro. 44 von 93 gesetzlichen Krankenkassen sowie private Kassen erstatten die Kosten.
Die Bedeutung früher Befunde zeigt auch eine Statistik des Robert Koch-Instituts, die im taz-Bericht genannt wird: Mehr als 80 Prozent der behandelten Frauen leben fünf Jahre nach der Therapie ohne Rückfall. Dieser Wert bezieht sich auf erkrankte Frauen insgesamt und macht deutlich, warum Vorsorge und Abklärung auffälliger Befunde eine zentrale Rolle spielen.
Behandlung richtet sich nach dem Tumor
Die Therapie hängt stark davon ab, um welche Form von Brustkrebs es sich handelt. Häufig wird der Tumor operativ entfernt. Bei kleineren Befunden kann die Brust oft erhalten bleiben. In anderen Fällen ist eine Entfernung der Brust notwendig, um das Tumorgewebe möglichst vollständig zu beseitigen. Nach brusterhaltenden Eingriffen folgt häufig eine Bestrahlung, damit verbliebene Krebszellen zerstört werden und das Rückfallrisiko sinkt.
Chemotherapie kann vor einer Operation eingesetzt werden, etwa um einen größeren Tumor zu verkleinern. Nach einem Eingriff kann sie helfen, verbliebene Krebszellen zu bekämpfen. Bei bestimmten Tumorarten wird sie mit einer Immuntherapie kombiniert. Solche Medikamente sollen das körpereigene Abwehrsystem dabei unterstützen, Krebszellen gezielter zu erkennen.
Wichtig ist außerdem, ob der Tumor Hormonrezeptoren oder HER2-Rezeptoren besitzt. Bei hormonabhängigem Brustkrebs können Medikamente die Wirkung oder Bildung von Östrogen und Progesteron blockieren. Sie werden über mindestens fünf Jahre eingenommen und können das Rückfallrisiko deutlich senken. Bei HER2-positivem Brustkrebs kommen Antikörpertherapien infrage, die Wachstumssignale bremsen sollen. Schwieriger ist die Behandlung beim triple-negativen Brustkrebs, der keine Hormon- und keine HER2-Rezeptoren aufweist. Er gilt als aggressiver und hat ein höheres Rückfallrisiko.
Oktober rückt Vorsorge in den Fokus
Der Oktober steht vielerorts im Zeichen von Prävention, Früherkennung und Forschung zu Brustkrebs. Der MDR berichtet etwa über einen Charity-Lauf im Harz, der seit zehn Jahren auf das Thema aufmerksam macht. Solche Aktionen ersetzen keine medizinische Untersuchung, erhöhen aber die Sichtbarkeit einer Erkrankung, die viele Frauen betrifft.
Die Entwicklung der Therapien zeigt zugleich, wie stark die Behandlung heute auf einzelne Tumormerkmale abgestimmt wird. Früherkennung bleibt dabei der erste Schritt: Je eher ein auffälliger Befund abgeklärt wird, desto größer ist die Chance, dass Ärztinnen und Ärzte Brustkrebs in einem behandelbaren Stadium finden.