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Wissen & Technik · Nobelpreise im Fokus

Friedensnobelpreis rückt Merkel und Trump in den Fokus

Nach den Nobelentscheidungen in Literatur und Naturwissenschaften richtet sich am Freitag der Blick auf den Friedensnobelpreis. Diskutiert werden unter anderem Angela Merkel und Donald Trump.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Medaille auf einem Podium steht für die Vergabe der Nobelpreise.
Symbolbild: Eine Medaille auf einem Podium steht für die Vergabe der Nobelpreise. KI-generiert

Nach den bereits verkündeten Nobelentscheidungen in Literatur, Medizin, Chemie und Physik steht am Freitag der Friedensnobelpreis im Zentrum der Aufmerksamkeit. Unter den öffentlich diskutierten Namen sind die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump. Fachleute sehen beide jedoch nicht als naheliegende Favoriten. Zugleich gelten andere Themen als besonders anschlussfähig für die Entscheidung: Pressefreiheit, Menschenrechte, Gesundheit und Umwelt.

Viele Namen, wenig Gewissheit

Wer tatsächlich für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde, bleibt zunächst vertraulich. tagesschau.de berichtet von 287 Kandidatinnen, Kandidaten und Organisationen in diesem Jahr. Öffentlich spekuliert wird dennoch über sehr unterschiedliche mögliche Preisträger.

Im Gespräch sind etwa die „Emergency Response Rooms“, ein Netzwerk im Sudan, in dem Freiwillige während des Bürgerkriegs Hilfe organisieren. Genannt werden außerdem der Internationale Gerichtshof in Den Haag und die Klimaaktivistin Greta Thunberg. Solche Namen passen zu einem breiten Verständnis von Friedensarbeit, das nicht nur klassische Diplomatie umfasst, sondern auch Schutz von Zivilbevölkerung, internationale Rechtsordnung und globale Krisenfolgen.

Für Deutschland hätte eine Auszeichnung Merkels besondere historische Bedeutung. Zuletzt erhielt 1971 ein Deutscher den Friedensnobelpreis: der damalige Bundeskanzler Willy Brandt für seine Ostpolitik und die Annäherung zwischen Ost und West.

Merkels Chancen gelten als begrenzt

Angela Merkel wurde bereits 2015 im Zusammenhang mit ihrer Flüchtlingspolitik als mögliche Preisträgerin gehandelt. In diesem Jahr wird sie von Fachleuten allerdings nicht als Favoritin eingeordnet. ZDFheute verweist auf Susanne Buckley-Zistel, Professorin für Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Marburg. Sie sieht inzwischen andere Schwerpunkte im Vordergrund, darunter Grundrechte und Menschenrechte.

Auch Frederik Schissler vom Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung bewertet eine Merkel-Auszeichnung als eher untypisch für die jüngere Linie des Preises. Wenn Einzelpersonen geehrt würden, seien dies zuletzt häufig Medienschaffende, Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger oder Oppositionelle in autoritären Staaten gewesen.

Damit steht weniger die Bilanz einer früheren Regierungschefin im Mittelpunkt, sondern die Frage, welches politische Signal das Nobelkomitee setzen will. Eine Ehrung Merkels würde an ihre Rolle in einer konkreten europäischen Krisenlage erinnern. Andere mögliche Entscheidungen könnten stärker auf aktuelle Konflikte, autoritäre Systeme oder globale Rechtefragen zielen.

Trump drängt auf Anerkennung

Donald Trump bringt sich seit Jahren selbst mit dem Friedensnobelpreis in Verbindung. Diese Woche sagte er laut ZDFheute, es sei eine „große Schmach“, dass er die Auszeichnung bislang nicht erhalten habe. Der US-Präsident verweist wiederholt darauf, Kriege beendet zu haben, darunter nach eigener Darstellung auch den Konflikt zwischen Israel und Iran.

Fachleute beurteilen diese Selbstdarstellung deutlich zurückhaltender. Karim Hagagg vom Friedensforschungsinstitut SIPRI sagte der Tagesschau, man könne Trump nicht jegliche Ergebnisse absprechen, die von ihm genannte Liste sei aber überzogen. Anerkennung erhielt Trump vor allem für die Waffenruhe im Gazastreifen vor einem Jahr. Der von ihm angestoßene „Friedensrat“, der beim Wiederaufbau helfen sollte, hat dem Bericht zufolge bislang kaum greifbare Ergebnisse vorzuweisen.

Nach Trumps eigener Darstellung haben Israel, Pakistan und Kambodscha ihn für den Preis vorgeschlagen. Zugleich belasten die amerikanischen Militärhandlungen gegen Iran seine Aussichten. Seit Februar führen die USA laut tagesschau.de Krieg gegen Iran. Vor diesem Hintergrund werden Trumps Chancen als gering beschrieben, auch wenn er selbst keinen Widerspruch zwischen seinem Vorgehen und einer möglichen Auszeichnung sieht.

Preis mit politischem Gewicht

Der Friedensnobelpreis unterscheidet sich von den wissenschaftlichen Auszeichnungen nicht nur durch sein Themenfeld, sondern auch durch seine unmittelbare politische Wirkung. Er kann Personen stärken, Organisationen schützen oder internationale Debatten verschieben. Deshalb ist die Wahl des Komitees regelmäßig mehr als eine Würdigung vergangener Leistungen.

Im vergangenen Jahr ging der Preis an die venezolanische Oppositionsführerin Machado. Später übergab sie Trump ihre Medaille. Das Nobelkomitee stellte jedoch klar, dass der Preis weder geteilt noch übertragen werden kann.

Die aktuelle Debatte zeigt, wie breit der Friedensbegriff inzwischen verstanden wird. Neben diplomatischen Erfolgen zählen auch Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, humanitäre Hilfe und der Schutz öffentlicher Freiheiten. Welche dieser Linien das Komitee am Freitag betont, entscheidet darüber, ob der diesjährige Preis eher eine Konfliktpartei, eine Institution oder eine zivilgesellschaftliche Bewegung in den Mittelpunkt rückt.