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Wissen & Technik · Demografischer Wandel

Deutschland dürfte bis 2045 Einwohner verlieren

Eine neue Demografie-Studie erwartet für Deutschland bis 2045 rund 1,5 Millionen weniger Einwohner. Viele ländliche Regionen schrumpfen, mehrere Großstädte wachsen weiter.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Karte Deutschlands steht für die regional unterschiedlichen Folgen des demografischen Wandels.
Symbolbild: Eine Karte Deutschlands steht für die regional unterschiedlichen Folgen des demografischen Wandels. KI-generiert

Deutschlands Einwohnerzahl dürfte bis 2045 von derzeit etwa 83,3 Millionen auf rund 81,8 Millionen sinken. Das zeigt die Studie „Die demografische Lage der Nation“ des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und der Wüstenrot-Stiftung. Mehr als zwei Drittel der 400 Kreise und kreisfreien Städte müssen demnach mit Rückgängen rechnen. Der bundesweite Verlust fällt vergleichsweise begrenzt aus, regional verschieben sich die Gewichte aber deutlich: Viele größere Städte und ihr Umland legen weiter zu, zahlreiche ländliche Räume verlieren Menschen.

Prognose fällt negativer aus als 2019

Die neue Untersuchung markiert eine Wende gegenüber der Vorgängerstudie. 2019 hatten die Fachleute noch erwartet, dass die Gesamtbevölkerung bis 2035 weitgehend stabil bleibt. Inzwischen hat sich die Einschätzung verändert. tagesschau.de verweist auf niedrigere Geburtenzahlen und zuletzt geringere Zuwanderung als zentrale Gründe für die pessimistischere Prognose.

Für die Studie wurden alle Landkreise und kreisfreien Städte betrachtet. In die Bewertung flossen 26 Kennzahlen ein, darunter demografische Entwicklung, Wirtschaftskraft, Bildungsdaten und soziale Faktoren. ZDFheute berichtet, dass Demografie und Wirtschaft jeweils ein Drittel der Gesamtnote ausmachen, Bildung und Soziales jeweils ein Sechstel. Die Analyse kombiniert damit eine Bevölkerungsprognose mit einem Ranking zur regionalen Ausgangslage.

Auch die Zahl der Wachstumsregionen sinkt. 2019 wurde noch für 160 Regionen ein Plus erwartet, nun sind es 125. Der MDR nennt zudem 184 Kreise und kreisfreie Städte, die zwischen 2014 und 2024 noch gewachsen sind, künftig aber Einwohner verlieren dürften.

Starke Gegensätze zwischen Regionen

Besonders sichtbar werden die Unterschiede im Osten Deutschlands. Leipzig, Dresden, Potsdam und der Landkreis Dahme-Spreewald im Berliner Umland zählen zu den Regionen mit erwarteten Zuwächsen. Dahme-Spreewald könnte bis 2045 um 17 Prozent wachsen. Gleichzeitig liegen 42 der 50 Regionen mit den stärksten erwarteten Verlusten in Ostdeutschland. Für Suhl in Thüringen rechnet die Studie mit einem Minus von rund 30 Prozent.

Die Entwicklung ist jedoch keine reine Ost-West-Frage. Studienleiter Adrián Carrasco Heiermann sagte gegenüber ZDFheute: „Schrumpfung ist kein ostdeutsches Phänomen.“ Auch im Westen gehen die Trends auseinander. Das Saarland dürfte weiter Einwohner verlieren, während Frankfurt am Main und Düsseldorf wachsen könnten.

Im Gesamtranking schneidet Bayern besonders stark ab. 18 der 20 bestbewerteten Kreise und kreisfreien Städte liegen dort; 2019 waren es zwölf. Im Ländervergleich zählt neben Bayern auch Hamburg zur Spitzengruppe. Unter den schwächeren Regionen befinden sich dagegen viele dünn besiedelte ländliche Kreise, in denen mehrere Belastungen zusammenkommen.

Weniger Menschen im Erwerbsalter

Neben der Gesamtzahl verändert sich auch die Altersstruktur. Die Bevölkerung im Erwerbsalter dürfte bundesweit bis 2045 um 4,7 Prozent zurückgehen. Der MDR beziffert den Rückgang von rund 53 Millionen auf 50,7 Millionen Menschen. Hintergrund ist der Ruhestand der geburtenstarken Jahrgänge, während jüngere Jahrgänge zahlenmäßig kleiner sind.

Besonders stark trifft das mehrere Länder mit ohnehin schwieriger demografischer Lage. In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland könnte die Zahl der Menschen im Erwerbsalter um zwölf bis 18 Prozent sinken. Thüringen verliert laut Studie etwa 222.000 Menschen in dieser Altersgruppe, Sachsen-Anhalt 15,4 Prozent und Sachsen 5,7 Prozent. Zuwächse auf Landesebene erwarten die Fachleute nur für Berlin, Hamburg und Bremen.

Gleichzeitig steigt bundesweit die Zahl der Menschen über 67 Jahre. Die Studie nennt ein Plus von 14,5 Prozent. In Teilen Ostdeutschlands ist die Alterung bereits weiter vorangeschritten, während in westdeutschen Ländern besonders viele Babyboomer erst in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen.

Zuwanderung wird entscheidend

Für die künftige Bevölkerungsentwicklung gewinnt Wanderung an Bedeutung. In nahezu allen Regionen ist absehbar, dass Sterbefälle die Geburten übersteigen. Ob ein Kreis wächst oder schrumpft, hängt deshalb stärker davon ab, ob Menschen zuziehen oder abwandern.

Für ländliche Räume verschärft ein anhaltender Rückgang praktische Probleme. Wenn öffentliche Angebote gebündelt werden, werden Wege zu Schulen, Arztpraxen, Läden oder Busverbindungen länger. Das betrifft besonders ältere Menschen. Die Studie beschreibt den demografischen Wandel damit nicht nur als statistische Verschiebung, sondern als Herausforderung für Infrastruktur, Arbeitsmarkt und gleichwertige Lebensbedingungen.