Wissen & Technik · IT-Sicherheit an Hochschulen
Cyberangriffe bremsen Hochschulen in Baden-Württemberg und Halle
Nach einem Cyberangriff auf das Hochschulservicezentrum Baden-Württemberg sind wichtige IT-Dienste für Hochschulen weiter nicht erreichbar. Systeme für Noten, Bewerbungen, Räume und Lehrveranstaltungsplanung bleiben abgeschaltet, auch Zahlungen an Lehrkräfte sind betroffen. Parallel meldet die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg einen unbefugten Zugriff auf eine Bewerbungsdatenbank mit rund 51.000 Einträgen. Wer hinter den Angriffen steht, ist bislang nicht geklärt.
Zentrale Dienste bleiben abgeschaltet
Das Hochschulservicezentrum in Reutlingen betreibt IT-Dienste für Hochschulen, Kunsthochschulen, Musikhochschulen und einzelne Landeseinrichtungen in Baden-Württemberg. Der Angriff wurde nach Angaben des Zentrums am 7. Oktober entdeckt. Die IT-Abteilung leitete daraufhin Gegenmaßnahmen ein, um weitere Schäden zu verhindern. Zudem wurde ein Krisenstab gebildet.
Bei dem Angriff verschafften sich die Täter Zugriff auf die Systeme und spielten Schadsoftware ein. Derzeit wird untersucht, wie sie eindringen konnten. Zur Frage möglicher Forderungen äußerte sich das Zentrum nicht. Unklar ist auch, wann die Hochschulsysteme wieder anlaufen können. Ein Sprecher des Hochschulservicezentrums sagte, sie würden erst freigegeben, wenn „zu 100 Prozent“ ausgeschlossen sei, dass von ihnen noch ein Risiko ausgehe.
Wie stark einzelne Einrichtungen eingeschränkt sind, hängt davon ab, welche Dienste sie über das Zentrum beziehen. Besonders betroffen sind digitale Abläufe, die für den Studienalltag und die Verwaltung zentral sind. Dazu gehören Leistungsübersichten, Bewerbungsportale, Raumbelegungen und Stundenplanung. Für Studierende bedeutet das eingeschränkten Zugriff auf wichtige Informationen. Lehrende und Beschäftigte müssen mit Verzögerungen bei Verwaltungsprozessen rechnen.
Folgen für Verwaltung und Bewerbungen
An der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen kommt es infolge des Angriffs zu Verzögerungen bei Zahlungen. Die Hochschule sucht nach Übergangslösungen, bis die regulären Systeme wieder funktionieren. Die Hochschule Pforzheim kann elektronische Rechnungen zurzeit nicht wie üblich bearbeiten. Rechnungen sollen vorerst per E-Mail eingereicht werden.
Auch Bewerbungsverfahren sind betroffen. Die Hochschule für Musik Karlsruhe hat ihr Verfahren angepasst und die Frist für Bewerbungen verlängert. Damit sollen Nachteile für Bewerberinnen und Bewerber aufgefangen werden, solange die IT-Dienste nicht wie geplant zur Verfügung stehen.
Die Auswirkungen reichen damit über technische Störungen hinaus. Wenn Noten, Fristen, Zahlungen oder Bewerbungsprozesse nicht digital bearbeitet werden können, müssen Hochschulen kurzfristig Ersatzwege organisieren. Gleichzeitig darf der Betrieb nach einem Angriff nicht zu früh wieder aufgenommen werden, weil kompromittierte Systeme weitere Risiken bergen können.
Zugriff auf Bewerbungsdaten in Halle
In Halle-Wittenberg kam es ebenfalls zu einem Sicherheitsvorfall. An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erhielten Unbekannte in dieser Woche Zugriff auf eine Datenbank. Betroffen sind nach Angaben der Hochschule rund 51.000 Bewerbungen für das Sommersemester 2026 und das Wintersemester 2026/27.
Damit stehen auch dort Daten aus einem sensiblen Bereich im Mittelpunkt. Bewerbungsdaten enthalten in der Regel Informationen, die für Zulassungs- und Verwaltungsverfahren benötigt werden. Angaben dazu, wer für den Zugriff verantwortlich ist, liegen nicht vor.
Hochschulen wiederholt im Visier
Hochschulen sind wegen ihrer großen Datenbestände und komplexen IT-Strukturen ein häufiges Ziel von Cyberangriffen. Sie verwalten personenbezogene Daten von Studierenden, Beschäftigten und Bewerberinnen und Bewerbern, betreiben Forschungsinfrastruktur und müssen zugleich viele digitale Dienste offen zugänglich halten.
Ein weiterer Fall aus München zeigt die Größenordnung solcher Vorfälle. An der Ludwig-Maximilians-Universität München verschaffte sich im September ein unbekannter Angreifer Zugang zu persönlichen Daten aktueller und früherer Studierender. Betroffen waren rund 600.000 Datensätze. Ältere Einträge bis einschließlich 1994 umfassten nach Angaben der Universität Stammdaten und Semesterverläufe. Bei jüngeren Datensätzen ab 2005 konnten die Informationen umfangreicher sein, teils auch mit Bankdaten, Krankenversicherungs- oder Bafög-Nummern sowie Angaben zu Studienverlauf und Beurlaubungen. Prüfungsdaten, Passwörter sowie Informationen zu Studieninhalten oder individuellen Leistungen waren demnach nicht darunter.
Die aktuellen Fälle verdeutlichen, wie abhängig der Hochschulbetrieb von verlässlichen IT-Systemen ist. Fällt zentrale Infrastruktur aus, betrifft das nicht nur Server und Datenbanken, sondern unmittelbar Studium, Lehre, Bewerbungen und Verwaltung.