Wissen & Technik · Klimabilanz Europa
Copernicus meldet Extrem-Sommer in Europa
Der EU-Klimadienst Copernicus zieht eine außergewöhnliche Sommerbilanz für Europa: Auf dem gesamten Kontinent war es der drittwärmste Sommer seit Beginn der Messreihen, in Westeuropa sogar der heißeste. Zugleich trafen lange Trockenphasen, starke Hitzebelastung, niedrige Flussstände, warme Meere und eine intensive Waldbrandsaison zusammen. Die Daten zeigen, wie eng Gesundheitsrisiken, Wasserversorgung, Landwirtschaft und Energieversorgung inzwischen mit Klimaextremen verknüpft sind.
Westeuropa mit neuem Hitzerekord
Für Westeuropa lag die mittlere Sommertemperatur nach Copernicus bei 21,7 Grad Celsius. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 1991 bis 2020 entspricht das einem Plus von 2,5 Grad. Damit wurde der bisherige Höchstwert aus dem Sommer 2003 übertroffen. Der meteorologische Sommer umfasst Juni, Juli und August; Copernicus verweist jedoch auch auf sehr hohe Temperaturen im Mai und September.
Besonders auffällig war die Dauer der Hitze. Laut tagesschau wurden in mehr als der Hälfte Westeuropas an 17 Tagen Werte über 30 Grad erreicht. Im Sommer 2025 waren es sieben Tage, im bisherigen Rekordjahr 2003 elf Tage. Damit war die Hitze nicht nur intensiver, sondern auch großräumiger und länger anhaltend als in früheren Extremjahren.
Die Belastung für den menschlichen Körper war ebenfalls ungewöhnlich hoch. Copernicus ordnet 52 Prozent der europäischen Landfläche zeitweise einer sehr starken Hitzebelastung zu. Gemeint sind gefühlte Temperaturen von mindestens 38 Grad. In Westeuropa wurden im Mittel 13 Tage in dieser Kategorie registriert. Dazu kamen 41 Tage mit starkem Hitzestress, also gefühlten Temperaturen zwischen 32 und 38 Grad.
Niedrigwasser belastet Versorgung
Die Dürre zeigte sich besonders deutlich an Europas Flüssen. Die mittleren Abflussmengen fielen im Sommer auf den niedrigsten Stand seit Beginn der entsprechenden Erfassung 1992. Im Juli und August lagen mehrere große Flüsse auf Rekord- oder beinahe Rekordniveau beim Niedrigwasser. Genannt werden unter anderem Rhein, Donau und Seine; der Tagesspiegel nennt außerdem Po, Loire und Rhône.
Die Folgen reichten weit über die Schifffahrt hinaus. Niedrige Wasserstände erschwerten die Bewässerung in der Landwirtschaft, verringerten die Möglichkeiten zur Stromerzeugung aus Wasserkraft und erhöhten den Druck auf die Süßwasserversorgung. Auch die Kühlung von Kernkraftwerken war betroffen. Copernicus stellt die Wasserknappheit damit in einen Zusammenhang mit Fragen der Energiesicherheit.
Parallel dazu lagen die Meeresoberflächentemperaturen rund um Europa vielfach ungewöhnlich hoch. Besonders entlang großer Teile der Atlantikküste sowie im westlichen und zentralen Mittelmeer wurden Rekordwerte oder Werte nahe daran gemessen. Marine Hitzewellen können Küstenregionen zusätzlich belasten, weil die Nächte weniger abkühlen und die Luftfeuchtigkeit steigt. Dadurch nimmt auch der Hitzestress an Land zu.
Waldbrände und gesundheitliche Risiken
Die lange Trockenheit begünstigte auch Brände. Nach Angaben des Europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS war die in der EU verbrannte Fläche bis zum 2. September fast doppelt so groß wie im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2025 zu diesem Zeitpunkt der Saison. Besonders großflächige Feuer gab es in Spanien und Frankreich.
Samantha Burgess, Klimastrategin beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage, beschrieb die Lage laut taz als Sommer, in dem mehrere Klimaextreme gleichzeitig wirkten. Sie mahnte mehr Vorsorge gegenüber Klimarisiken an, die sich gegenseitig verstärken können. Dazu gehören Hitze, Wassermangel, Luftverschmutzung durch Brände und Belastungen für die Energieversorgung.
Für Menschen wird Hitze vor allem dann gefährlich, wenn der Körper nicht mehr ausreichend abkühlen kann. Hohe Temperaturen in Verbindung mit Luftfeuchtigkeit erhöhen das Risiko für Kreislaufprobleme, Erschöpfung und Hitzeschläge. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen und Beschäftigte, die im Freien arbeiten.
Messdaten aus All und Bodenstationen
Copernicus ist das Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union. Der Dienst kombiniert Satellitendaten mit Messungen am Boden, auf See und in der Atmosphäre. Wie der Deutschlandfunk unter Verweis auf Angaben des Bundesumweltamts berichtete, werden Satellitendaten durch Messnetze vor Ort überprüft. Dazu zählen Wetterstationen, Bojen und Forschungsinfrastruktur.
Die aktuelle Sommerbilanz fügt sich in den langfristigen Befund, dass Europa sich im Zuge des Klimawandels besonders schnell erwärmt. Der Sommer 2026 zeigt dabei nicht nur steigende Temperaturen. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Extreme: Hitze hält länger an, Wasser wird knapper, Flüsse verlieren Abfluss, Meere speichern zusätzliche Wärme und Waldbrände breiten sich leichter aus.