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Wissen & Technik · Unbemannte Systeme

Bundeswehr baut Drohnenregiment mit 600 Kräften auf

Die Bundeswehr plant erstmals ein Drohnenregiment. Bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten sollen Aufklärung, Wirkung und Abwehr unbemannter Systeme bündeln.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Drohne über einem militärischen Übungsgelände steht für den Ausbau unbemannter Systeme bei der Bundeswehr.
Symbolbild: Eine Drohne über einem militärischen Übungsgelände steht für den Ausbau unbemannter Systeme bei der Bundeswehr. KI-generiert

Die Bundeswehr stellt für unbemannte Systeme erstmals ein eigenes Regiment auf. Der neue Verband soll im Laufe des Jahres 2027 entstehen und am Ende bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten umfassen. Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte den Schritt auf dem Übungsplatz Bergen in Niedersachsen an. Die Entscheidung ist eine Reaktion auf die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine, in dem Drohnen eine zentrale Rolle auf dem Gefechtsfeld übernommen haben.

Einsatz bis 500 Kilometer

Das Regiment soll mehrere Fähigkeiten zusammenführen, die bisher auf unterschiedliche Bereiche verteilt sind. Dazu zählen Aufklärung, der eigene Einsatz unbemannter Systeme und die Abwehr gegnerischer Drohnen. Pistorius sprach laut ZDFheute von einem Einsatzspektrum, das von sehr kurzen Distanzen bis zu 500 Kilometern reichen soll.

Geplant ist außerdem eine spezialisierte Kompanie für elektromagnetische Kriegführung. Gemeint sind dabei unter anderem Störmaßnahmen gegen feindliche Verbindungen und der Schutz eigener Systeme vor vergleichbaren Angriffen. Neben Fluggeräten sollen auch unbemannte Landsysteme in die neue Struktur einbezogen werden. Damit erweitert die Bundeswehr den Blick über klassische Aufklärungsdrohnen hinaus.

Zum künftigen Arsenal sollen auch sogenannte Loitering Munition gehören. Diese Systeme werden derzeit in der Bundeswehr getestet und sind für den Truppeneinsatz im kommenden Jahr vorgesehen. Sie können über einem Gebiet kreisen und ein Ziel angreifen, wenn es erfasst wird.

Aufbau in zwei Stufen

Der Heeresinspekteur Christian Freuding nannte nach Angaben der Tagesschau eine Anfangsgröße von 300 Soldatinnen und Soldaten. Später soll der Verband auf 600 Kräfte wachsen. Der Standort ist noch nicht festgelegt.

Parallel dazu sollen Drohnen und unbemannte Systeme nicht nur in dem neuen Regiment gebündelt werden. Das Heer will solche Technik weiterhin in bestehenden Truppengattungen verankern, darunter Jäger-, Aufklärungs- und Panzerverbände. Damit setzt die Bundeswehr auf zwei Wege: eine spezialisierte Einheit für größere Reichweiten und besondere Fähigkeiten sowie eine breitere Ausstattung der regulären Truppe.

Für die Brigade 45, die für Litauen vorgesehen ist, gilt Drohnenabwehr ebenfalls als festes Ziel. Der Verband soll vor seiner Verlegung entsprechende Fähigkeiten erhalten. ZDFheute berichtet zudem, dass das neue Regiment Teil der 10. Panzerdivision werden soll. Zu dieser Division gehört auch die Panzerbrigade 45, die für den Schutz der Nato-Ostflanke in Litauen vorgesehen ist.

Zusammenspiel mit Panzern

Die Bundeswehr arbeitet bereits seit einiger Zeit daran, Drohnen stärker in ihre Landstreitkräfte einzubinden. Freuding hatte bei einer Übung in Litauen betont, dass das Zusammenwirken von Panzertruppe und Drohneneinheiten für das Heer besonders wichtig sei. Ziel ist, Sensoren, Führungsfähigkeit und Wirkung enger miteinander zu verbinden.

Im Krieg in der Ukraine verursachen Drohnen viele wirksame Treffer. Sie dienen dort der Aufklärung, der Zielzuweisung und dem direkten Angriff. Für westliche Streitkräfte ist daraus die Lehre entstanden, dass unbemannte Systeme nicht mehr als Zusatztechnik gelten, sondern als fester Bestandteil moderner Gefechtsführung.

Lehren aus der Ukraine

Pistorius und Militärplaner warnen zugleich davor, künftige Konflikte einfach nach dem Muster der Ukraine zu erwarten. Drohnen verändern das Gefechtsfeld, ersetzen aber nicht vollständig Panzer, Flugzeuge oder Kriegsschiffe. Sie erweitern vielmehr die vorhandenen Fähigkeiten und zwingen Streitkräfte, Schutz, Tarnung, elektronische Gegenmaßnahmen und schnelle Auswertung von Daten stärker zusammenzudenken.

Mit dem geplanten Regiment schafft die Bundeswehr dafür eine eigene Struktur. Der Schritt zeigt, dass unbemannte Systeme nicht nur beschafft, sondern organisatorisch fest im Heer verankert werden sollen.