Wissen & Technik · Nobelwoche im Fokus
287 Nominierungen vor Entscheidung in Oslo
Am Freitag richtet sich der Blick in der Nobelwoche nach Oslo: Um 11 Uhr soll bekannt werden, wer in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhält. Beim norwegischen Nobel-Institut liegen 287 Vorschläge vor, darunter 208 Einzelpersonen und 79 Organisationen. Die Namen der Nominierten bleiben geheim, die Entscheidung trifft allein das fünfköpfige Nobelkomitee.
Weniger Vorschläge als im Vorjahr
Die Zahl der Nominierungen ist nach Angaben von tagesschau.de gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken. Dennoch bleibt das Feld groß. Der Friedensnobelpreis unterscheidet sich von den naturwissenschaftlichen Nobelpreisen auch durch sein politisches Gewicht: Ausgezeichnet werden können Menschen oder Einrichtungen, die sich im Sinne Alfred Nobels um Frieden, Verständigung zwischen Staaten oder Abrüstung verdient gemacht haben.
Die Bekanntgabe in Oslo zählt regelmäßig zu den am stärksten beachteten Momenten der Nobelwoche. In diesem Jahr dürfte die Aufmerksamkeit besonders hoch sein, weil die Vergabe des vergangenen Jahres in Norwegen und international nachwirkte. Damals wurde die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado geehrt. Das Komitee würdigte ihren Einsatz für demokratische Rechte in Venezuela.
Debatte nach der Auszeichnung Machados
Machado war im Dezember in Oslo gefeiert worden, nachdem sie Venezuela auf verdecktem Weg verlassen hatte. Später gab sie ihre Medaille symbolisch an US-Präsident Donald Trump weiter. Diese Geste löste in Norwegen Kritik aus und führte zu einer Debatte über den Umgang mit dem Preis nach der Verleihung.
Haakon Gjerløw, geschäftsführender Direktor des Friedensforschungsinstituts PRIO, erwartet deshalb eine besonders genaue Beobachtung der diesjährigen Entscheidung. Gegenüber tagesschau.de sagte er, Aufregung könne dem Preis zwar öffentliche Aufmerksamkeit bringen. Zugleich brauche es Maß. Er fasste die Lage mit den Worten zusammen: „Kontroversen ja – aber nicht jedes Jahr.“
Gjerløw veröffentlicht wie in früheren Jahren eine eigene Einschätzung möglicher Preisträgerinnen und Preisträger. Auf seiner Liste stehen unter anderem das Komitee zum Schutz von Journalisten, das sudanesische Netzwerk Emergency Response Rooms, die Organisation Save the Children sowie Mykola Kuleba von Save Ukraine. Diese Vorschläge haben keinen offiziellen Charakter; sie zeigen aber, welche Themen im Umfeld der Preisvergabe als besonders relevant gelten: Pressefreiheit, Schutz von Kindern, humanitäre Hilfe und zivile Strukturen in Konflikten.
Trump sieht sich weiter als Kandidat
Auch Donald Trump spielt in der öffentlichen Debatte eine Rolle. Der US-Präsident erklärte am Mittwoch im Oval Office erneut, er habe nach eigener Darstellung mehrere Kriege beendet und den Friedensnobelpreis verdient. Er sagte, falls er ihn nicht erhalte, wäre das „eine Schmach für sie“. Gemeint war das norwegische Nobelkomitee.
Von solchen Äußerungen dürfte sich das Gremium nicht leiten lassen. Wie tagesschau.de unter Berufung auf den norwegischen Sender NRK berichtete, hatte der Direktor des Nobel-Instituts, Kristian Berg Harpviken, bereits im Januar erklärt, dass das Komitee vor allem die Wirkung einer Auszeichnung sowie mögliche Folgen für Sicherheit und Lage der Geehrten abwäge. Der spätere Umgang mit Symbolen des Preises stehe demnach nicht im Mittelpunkt der Beratung.
Verleihung im Dezember
Die Entscheidung fällt in Oslo, die feierliche Übergabe folgt traditionell später. Medaille, Urkunde und Preisgeld sollen am 10. Dezember verliehen werden. Die Summe liegt umgerechnet bei rund einer Million Euro.
Der Friedensnobelpreis bleibt damit ein politisch hoch aufgeladener Teil der Nobelwoche. Während bei anderen Nobelpreisen Forschung, Literatur oder wissenschaftliche Durchbrüche im Vordergrund stehen, entscheidet in Oslo ein norwegisches Komitee über eine Auszeichnung, deren Wirkung oft weit über den Tag der Bekanntgabe hinausreicht. Gerade deshalb wird die Wahl in diesem Jahr nicht nur als Ehrung verstanden, sondern auch als Signal, welche Form von Friedensarbeit international sichtbar gemacht wird.