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Wirtschaft · Höhere Abgaben

Zigaretten sollen bis 2030 fast zwölf Euro kosten

Der Bundestag bringt eine deutliche Erhöhung der Tabaksteuer auf den Weg. Zigaretten und Feinschnitt werden teurer, der Bundesrat berät am Freitag.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Tabaksteuer soll schrittweise steigen und Zigaretten deutlich verteuern.
Symbolbild: Die Tabaksteuer soll schrittweise steigen und Zigaretten deutlich verteuern. KI-generiert

Der Bundestag hat eine deutliche Anhebung der Tabaksteuer beschlossen. Zigaretten sollen in Deutschland über mehrere Jahre hinweg teurer werden; eine Schachtel mit 20 Stück dürfte 2030 knapp zwölf Euro kosten. Derzeit liegt der Preis laut Welt bei gut acht Euro. Auch Feinschnitt zum Selbstdrehen wird stärker belastet. Begründet wird die Novelle mit zusätzlichen Einnahmen für den Staat und mit Gesundheitsschutz. Am Freitag ist der Bundesrat befasst; ein Einspruch gilt derzeit nicht als wahrscheinlich.

Steuer steigt über vier Jahre

Die neue Regelung sieht eine schrittweise Erhöhung der Abgaben auf Tabakprodukte vor. Die Koalitionsfraktionen von Union und SPD stimmten im Bundestag für die Gesetzesänderung. Damit wird Rauchen für Verbraucherinnen und Verbraucher voraussichtlich spürbar teurer, weil die Steuer üblicherweise an die Kundschaft weitergegeben wird.

Nach Angaben der Welt erwartet der Bund durch die höhere Tabaksteuer Mehreinnahmen von rund 12 Milliarden Euro innerhalb von vier Jahren. Die Tabakbranche zweifelt an dieser Rechnung. Sie verweist auf das Risiko, dass ein Teil der Raucherinnen und Raucher auf illegale Angebote ausweicht und der reguläre Handel dadurch verliert.

Für Raucherinnen und Raucher betrifft die Änderung nicht nur industriell hergestellte Zigaretten. Auch Feinschnitt, der für selbstgedrehte Zigaretten genutzt wird, soll künftig deutlich mehr kosten. Damit wird verhindert, dass der Wechsel auf günstigere Tabakprodukte die Wirkung der Steuererhöhung weitgehend aushebelt.

Streeck verweist auf Jugendschutz

Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, unterstützt die geplante Anhebung. Dem Deutschlandfunk zufolge sagte der CDU-Politiker der Rheinischen Post, Rauchen verursache in Deutschland jedes Jahr rund 131.000 Todesfälle und belaste die Gesellschaft mit Kosten von fast 100 Milliarden Euro.

Streeck sieht höhere Preise auch als Mittel der Prävention. Gerade Kinder und Jugendliche würden davon profitieren, weil viele Raucherinnen und Raucher in jungen Jahren mit dem Konsum beginnen. In diesem Alter sei die Wirkung höherer Preise besonders groß, bevor sich eine Abhängigkeit verfestige. Er begrüßte, dass Rauchen nun „deutlich teurer“ werde.

Die Bundesregierung verweist neben fiskalischen Gründen ebenfalls auf gesundheitspolitische Ziele. Fachleute betrachten Preiserhöhungen seit Langem als wirksames Instrument, um den Einstieg in den Tabakkonsum unattraktiver zu machen und Ausstiege zu erleichtern. Das Deutsche Krebsforschungszentrum bezifferte die Zahl der tabakbedingten Todesfälle in Deutschland für 2023 auf rund 131.000.

Viele Menschen rauchen weiter

Tabakkonsum bleibt trotz rückläufiger Akzeptanz ein verbreitetes Gesundheitsproblem. Der Mikrozensus 2025 kam laut Welt auf einen Raucheranteil von 19 Prozent unter den Menschen ab 15 Jahren. Damit betrifft die Steueränderung Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher direkt.

Die erwartete Preisentwicklung fällt im internationalen Vergleich nicht aus dem Rahmen, wird aber im Alltag sichtbar. Eine Packung für knapp zwölf Euro wäre ein deutlicher Sprung gegenüber dem heutigen Niveau. Streeck verwies zudem auf Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation, wonach eine Schachtel rechnerisch noch deutlich teurer sein müsste, wenn die Steuer die gesellschaftlichen Folgekosten vollständig abdecken sollte.

Bundesrat als letzter Schritt

Das Gesetzgebungsverfahren ist mit dem Bundestagsbeschluss noch nicht vollständig abgeschlossen. Der Bundesrat kann sich am Freitag mit der Vorlage befassen und Einspruch erheben. Hinweise auf eine Blockade gibt es bislang nicht. Billigt die Länderkammer das Vorhaben, kann die Steuererhöhung wie geplant umgesetzt werden.

Die Debatte zeigt, wie eng Finanz- und Gesundheitspolitik bei Verbrauchsteuern zusammenlaufen. Der Staat verbindet zusätzliche Einnahmen mit dem Ziel, schädlichen Konsum zu verringern. Bei der Tabaksteuer trifft dieser Ansatz auf einen Markt, in dem legale Anbieter vor Ausweichbewegungen warnen, während Gesundheitspolitikerinnen und Gesundheitspolitiker vor allem den präventiven Effekt höherer Preise hervorheben.