Wirtschaft · Bildung in Deutschland
Was erfolgreiche Schulen anders machen
Die Debatte über Schulen in Deutschland bleibt von Problemen geprägt: fehlendes Personal, ausfallende Stunden, sanierungsbedürftige Gebäude und Defizite bei Grundkompetenzen. Zugleich zeigen einzelne Schulen, dass bessere Ergebnisse auch unter schwierigen Bedingungen möglich sind. Bildungsforscher Olaf Köller verweist in einer Kolumne bei ZDFheute auf Beispiele, die ihren Unterricht konsequent weiterentwickeln, Lernstände prüfen und Kinder gezielt unterstützen.
Unterricht als gemeinsamer Auftrag
Im Zentrum erfolgreicher Schulen steht nicht zuerst die Frage nach der Schulform oder nach neuen Programmen. Entscheidend ist der Unterricht selbst. Schulen, die besonders gut abschneiden, arbeiten mit verbindlichen Lernzielen und überprüfen regelmäßig, ob Schülerinnen und Schüler diese erreichen. Wenn das nicht gelingt, verändern sie ihre Vorgehensweise.
Damit unterscheidet sich ihre Arbeitsweise von einem verbreiteten Muster: Unterricht wird nicht als Einzelaufgabe einer Lehrkraft verstanden. Kollegien planen stärker gemeinsam, tauschen Materialien aus und besprechen, welche Kinder zusätzliche Hilfe benötigen. Lernfortschritte werden systematisch beobachtet, nicht um Druck aufzubauen, sondern um genauer zu erkennen, wo Förderung ansetzen muss.
Daten spielen dabei eine praktische Rolle. Sie helfen etwa dabei, Schwächen beim Lesen, Rechnen oder in naturwissenschaftlichen Aufgaben früh zu erkennen. Entscheidend ist anschließend, ob die gewählte Unterstützung Wirkung zeigt. Erfolgreiche Schulen nutzen solche Rückmeldungen, um Unterricht zu verbessern, statt Probleme nur zu dokumentieren.
Hohe Erwartungen und enge Begleitung
Ein weiterer Punkt ist das Zusammenspiel von Anspruch und Unterstützung. Schulen mit guten Ergebnissen erwarten viel von ihren Schülerinnen und Schülern. Gleichzeitig lassen sie diejenigen nicht allein, die Schwierigkeiten haben. Gerade Kinder und Jugendliche aus belasteten Lebenslagen profitieren von klaren Strukturen und verlässlicher Begleitung.
Als Beispiel nennt ZDFheute die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf. Die hessische Schule erhielt 2026 den Hauptpreis des Deutschen Schulpreises und damit 100.000 Euro. Viele Jugendliche dort wachsen unter herausfordernden Bedingungen auf. Dennoch schafft die Schule Wege zu Abschlüssen und Perspektiven, die ihnen zuvor nicht immer zugetraut wurden.
Dahinter steht kein einzelnes Patentrezept. Wichtig sind nachvollziehbare Lernwege, feste Abläufe und ein Kollegium, das sich auf gemeinsame Ziele verständigt. Selbstständiges Arbeiten bedeutet in solchen Konzepten nicht, Schülerinnen und Schüler ohne Anleitung arbeiten zu lassen. Vielmehr wird Eigenständigkeit durch Begleitung, Orientierung und Rückmeldung aufgebaut.
Schulentwicklung statt Modellprojekt
Köller betont, dass erfolgreiche Schulen sich als lernende Organisationen verstehen. Sie warten nicht darauf, dass alle äußeren Bedingungen ideal sind. Sie untersuchen, welche Probleme im Unterricht auftreten, erproben Lösungen und prüfen anschließend deren Nutzen. Schulleitungen spielen dabei eine zentrale Rolle, weil sie Zeiträume schaffen, Richtung geben und Zusammenarbeit ermöglichen.
Das gilt auch für digitale Technik und Künstliche Intelligenz. Geräte oder Programme verbessern Unterricht nicht automatisch. Ihr Nutzen entsteht erst, wenn sie zu einem pädagogischen Konzept passen. Ohne klare didaktische Idee bleiben Tablets, Lernplattformen oder KI-Anwendungen bloße Werkzeuge.
Die größere Herausforderung liegt daher weniger darin, einzelne gute Schulen zu finden. Das Wissen über wirksame Unterrichtsentwicklung ist vorhanden. Schwieriger ist es, erfolgreiche Ansätze dauerhaft in die Breite zu bringen. Häufig bleiben preisgekrönte Schulen besondere Beispiele, während anderswo neue Projekte starten, ohne dass bewährte Verfahren fest verankert werden.
Was die Bildungspolitik daraus lernen kann
Für die Bildungspolitik ergibt sich daraus ein klarer Schwerpunkt: Schulen brauchen verlässliche Unterstützung bei der Verbesserung des Unterrichts. Dazu gehören Zeit für gemeinsame Planung, stärkere Handlungsspielräume für Schulleitungen und klare Ziele, an denen Fortschritte gemessen werden können.
Strukturfragen bleiben wichtig, etwa Ganztag, Digitalisierung oder Schulformen. Sie ersetzen aber keine systematische Arbeit an Unterrichtsqualität. Erfolgreiche Schulen zeigen, dass bessere Bildung nicht nur von zusätzlichen Programmen abhängt. Entscheidend ist, ob Kollegien dauerhaft zusammenarbeiten, Lernstände ernst nehmen und ihre Förderung wirksam anpassen.