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Wirtschaft · Europas Autobranche

VW unterstützt Schutzkurs gegen China-Druck

Beim Pariser Autosalon wächst der Druck auf Europas Autoindustrie. Auch VW unterstützt Forderungen nach europäischen Quoten für geförderte Elektro- und Hybridautos.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Europas Autoindustrie steht unter wachsendem Wettbewerbs- und Kostendruck.
Symbolbild: Europas Autoindustrie steht unter wachsendem Wettbewerbs- und Kostendruck. KI-generiert

Europas Autoindustrie stellt sich auf eine härtere Auseinandersetzung mit chinesischen Herstellern ein. Beim Pariser Autosalon fordern französische Branchenvertreter, die Politik solle europäische Produktion stärker absichern. Auch VW und Zulieferer in Deutschland unterstützen laut FAZ inzwischen den Vorschlag, staatlich geförderte Elektro- und Hybridautos an europäische Produktionsanteile zu knüpfen.

Forderung nach europäischer Produktion

Der französische Branchenverband Plateforme Automobile warnt vor einem massiven Verlust industrieller Stärke. Verbandspräsident Luc Chatel sprach nach Angaben der FAZ von „eine Minute vor zwölf“ und sieht die Branche nicht vor allem an mangelnder Innovation scheitern. Aus seiner Sicht hängt die Lage stark mit politischen Weichenstellungen zusammen.

In Frankreich bekommt diese Debatte zum Auftakt des Pariser Autosalons besonderes Gewicht. Präsident Emmanuel Macron will die Messe nutzen, um für ein abgestimmtes europäisches Vorgehen zu werben. Bereits vor dem offiziellen Messebesuch traf er Vertreter zahlreicher europäischer Unternehmen. Chinesische Industrievertreter waren dabei nach Angaben aus dem Élysée-Palast nicht eingeladen.

Im Zentrum steht der Gedanke, öffentliche Förderung stärker an Wertschöpfung in Europa zu koppeln. Frankreich dringt auf Vorgaben für Elektro- und Hybridfahrzeuge, die mit staatlichen Mitteln gestützt werden. In Deutschland gewinnt diese Linie ebenfalls Unterstützer. Neben Zulieferern zählt auch Volkswagen zu den Unternehmen, die solche Regeln befürworten.

Chinas Hersteller treten selbstbewusst auf

Der Pariser Autosalon zeigt zugleich, wie stark chinesische Anbieter auf den europäischen Markt drängen. Von etwas mehr als 60 vertretenen Marken stammen nach FAZ-Angaben fast 20 aus Fernost. Bei der vorherigen Ausgabe waren es erst neun. Die Hersteller präsentieren nicht nur günstige Modelle, sondern auch Fahrzeuge in höheren Segmenten.

Frankreichs Regierung beschreibt den Wettbewerbsdruck vor allem über Produktionsgrößen. Die chinesischen Kapazitäten werden mit rund 55 Millionen Fahrzeugen beziffert, während Europa als Absatzmarkt etwa zwölf Millionen Autos umfasst. Damit steht die europäische Industrie einer Konkurrenz gegenüber, die in deutlich größerem Maßstab produzieren kann.

Die französische Seite will den Kurs nicht als Abschottung verstanden wissen. Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa sollen möglich bleiben, wenn sie Arbeitsplätze schaffen, technologische Substanz mitbringen und nicht nur Endmontage leisten. Als positives Beispiel gilt die Zusammenarbeit von Renault mit dem Batteriehersteller Envision in Nordfrankreich.

Schwacher Markt erhöht den Druck

Der politische Streit fällt in eine Phase, in der Europas Automärkte deutlich unter früheren Größen liegen. In Frankreich wurden 2019 noch 2,2 Millionen Neuwagen zugelassen. Zuletzt waren es 1,6 Millionen. Zugleich wächst der Anteil batterieelektrischer Autos. Im September erreichte er in Frankreich 42 Prozent, in Deutschland 35 Prozent.

Für Hersteller und Zulieferer ist das dennoch kein stabiler Aufschwung. Das Elektrosegment trägt den Markt, während das Gesamtvolumen schwach bleibt. In Frankreich werden inzwischen 300.000 Elektroautos pro Jahr gefertigt. Gleichzeitig häufen sich in Europa Werksschließungen, zuletzt auch bei einem Zulieferer.

Für Volkswagen kommt diese Entwicklung in einer ohnehin angespannten Branchenlage. Der Konzern steht wie andere europäische Hersteller unter Druck, Kosten, Modellangebot und Investitionen in Elektromobilität zugleich zu steuern. Die Unterstützung für europäische Produktionsquoten zeigt, dass VW den Wettbewerb nicht allein über einzelne Modelle austragen will, sondern auch auf politische Rahmenbedingungen setzt.

Industriepolitik wird zum Standortthema

Die Debatte über Quoten und Handelsschutz berührt mehr als Importzahlen. Für europäische Hersteller geht es um Fabrikauslastung, Zulieferketten, Forschung und Beschäftigung. Wenn staatliche Förderung auch Produktion in Europa begünstigt, könnte das Standorte stabilisieren. Zugleich müssten solche Regeln mit offenem Handel und Investitionen vereinbar bleiben.

Der Pariser Autosalon wird damit zu einer Bühne für die Neuordnung der Branche. Chinesische Hersteller zeigen ihre Stärke, europäische Konzerne suchen nach politischer Rückendeckung, und Regierungen wollen industrielle Abhängigkeiten begrenzen. Für VW und andere Hersteller verschärft sich damit die Frage, wie sie Kosten senken, Elektroautos ausbauen und Produktion in Europa halten können.

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