Wirtschaft · Autoindustrie unter Druck
VW-Tochter Audi verkauft deutlich weniger Autos
Die Absatzprobleme in der deutschen Autoindustrie treffen auch den Volkswagen-Konzern spürbar: Audi hat in den ersten drei Quartalen 2026 nur noch 1,04 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Das entspricht einem Rückgang von etwas mehr als elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie der Deutschlandfunk unter Berufung auf das Unternehmen berichtete. Im dritten Quartal fiel das Minus mit annähernd 20 Prozent noch deutlicher aus.
China und US-Zölle belasten Audi
Für Audi kommen mehrere Belastungen zusammen. Die schwächere Nachfrage in China trifft die Marke ebenso wie andere deutsche Hersteller. Der chinesische Markt war lange ein zentraler Wachstumstreiber für Premiumanbieter aus Deutschland. Wenn dort weniger Fahrzeuge verkauft werden, wirkt sich das unmittelbar auf die Auslastung, die Ergebnisplanung und den Druck im Konzern aus.
Hinzu kommen die Zölle der Vereinigten Staaten. Audi ist dabei besonders verwundbar, weil die Marke in den USA kein eigenes Fahrzeugwerk betreibt. Während andere Hersteller einen Teil ihrer Modelle vor Ort bauen können, ist Audi stärker auf Exporte angewiesen. Damit verschärfen handelspolitische Kosten die ohnehin schwierige Lage auf den Absatzmärkten.
Die Zahlen der VW-Tochter passen in ein breiteres Bild. Die Branche kämpft mit verhaltener Nachfrage, hohen Kosten und der Umstellung auf neue Antriebe. Für Volkswagen ist Audi ein wichtiger Ertragsbringer. Ein deutlicher Rückgang bei den Auslieferungen erhöht deshalb den Druck auf den gesamten Konzern.
Zulieferer Schaeffler kommt beim Abbau schneller voran
Auch bei den Zulieferern zeigen sich die Folgen des schwierigen Marktumfelds. Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler treibt seinen geplanten Personalabbau schneller voran als ursprünglich vorgesehen. Wie n-tv berichtete, will das Unternehmen bis Ende 2029 insgesamt 4.700 Stellen freiwillig abbauen. Bis zum 30. September 2026 waren bereits 3.715 Stellen erfasst. Für die restlichen 985 Arbeitsplätze liegen demnach bereits Vereinbarungen vor.
Damit dürfte das Ziel nach aktueller Unternehmensplanung schon Ende 2028 erreicht werden, also ein Jahr früher als zunächst angesetzt. Zusätzlich stößt ein Altersteilzeitprogramm auf größere Resonanz als erwartet. Statt der angestrebten 1.300 Beschäftigten haben sich bereits 1.800 Männer und Frauen der Jahrgänge 1971 und älter dafür entschieden.
Schaeffler rechnet dadurch mit höheren Einsparungen. Die ursprünglich erwarteten Entlastungen von 290 Millionen Euro sollen um rund 20 Prozent übertroffen werden. Für die Restrukturierung hatte der Konzern rund 500 Millionen Euro vorgesehen; 84 Millionen Euro davon können nun wieder aufgelöst werden. Weltweit beschäftigt Schaeffler etwa 110.000 Menschen, etwas mehr als die Hälfte arbeitet in Europa.
Opel legt Werk in Rüsselsheim still
Auch andere Hersteller passen ihre Produktion an. Im Opel-Stammwerk Rüsselsheim soll die Fahrzeugfertigung ab dem 19. Oktober für zwei Wochen ruhen. Die FAZ berichtete, eine Sprecherin habe entsprechende Angaben einer Lokalzeitung bestätigt. Das Unternehmen verwies auf Trainings, Umbauten und vorbeugende Wartung am Standort.
In Rüsselsheim wird unter anderem der Opel Astra gebaut. Die Nachfrage nach diesem Modell liegt in Deutschland unter dem Niveau des Vorjahres. Von Januar bis September wurden rund 19.400 Astra neu zugelassen. Im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres waren es 26.000. Das zweite dort gefertigte Modell, der DS 4 aus dem Stellantis-Konzern, erreicht nur geringe Stückzahlen.
Zum Monatsbeginn hat der Standort zudem eine neue Leitung erhalten. Christoph Weis übernahm die Führung des Werks von Maike Seeber, die Opel nach Unternehmensangaben auf eigenen Wunsch verlassen hat.
Einordnung
Die neuen Meldungen zeigen, dass die Krise der Autoindustrie nicht auf einzelne Unternehmen beschränkt ist. Bei Audi schlägt vor allem die Absatzschwäche auf wichtigen Auslandsmärkten durch. Bei Schaeffler beschleunigt sich der Personalabbau, weil Beschäftigte die angebotenen Programme stark nutzen. Opel wiederum unterbricht vorübergehend die Fertigung in seinem Stammwerk.
Für Volkswagen wiegt der Rückgang bei Audi besonders schwer, weil die Premiumtochter im Konzern eine zentrale Rolle spielt. Wenn die Auslieferungen dort zweistellig sinken, verschärft das die Debatte über Kosten, Standorte und künftige Auslastung in der deutschen Autoindustrie insgesamt.